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Heilung gegen Krebs: Corona-Forschung beschleunigt Hoffnung auf Krebs-Impfstoff

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Von: Bjarne Kommnick

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Die Corona-Forschung treibt die Suche nach einem Impfstoff gegen Krebs an. Vor 2030 soll es so weit sein. Doch Experten warnen vor falschen Versprechen.

Hannover – Die Co-Gründerin von Biontech, Özlem Türeci, hat in einem Interview mit der „BBC“ erklärt, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Unternehmens während der Entwicklung des Impfstoffes gegen das Coronavirus gelernt hätten, wie mRNA-Impfstoffe schnell entwickelt werden können. Das stärke auch das Verständnis dafür, wie der Mensch auf mRNA reagiert. Für den Kampf gegen Krebs kann das von großer Bedeutung sein. Doch sie und die Krebsgesellschaft warnen dennoch vor falschen Versprechen.

UnternehmenBiontech
Gründung2008
GründerUğur Şahin, Özlem Türeci, Christoph Huber
HauptsitzMainz

Impfstoff gegen Krebs: Wann ist es so weit?

Wann eine Impfung gegen Krebs vollständig einsetzbar ist, darüber ist sich die Wissenschaft im Generellen noch uneinig. Türeci erwarte, dass noch vor 2030 ein Impfstoff gegen Krebs entwickelt sein wird. In der Forschung gebe es bereits entsprechende Fortschritte, die darauf schließen lassen würden.

Experten warnen vor falschen Versprechen über Krebsimpfung

Doch Türeci warnt auch davor, dass eine Impfung nicht mit einem Wunderheilmittel gleichzusetzen sei, trotzdem ist sie sich sicher, dass ein Impfstoff vielen Patienten helfen würde. Jedoch warnt auch die Krebsgesellschaft vor falschen Versprechen. „Das Immunsystem ist ein hochkomplexes Gefüge aus zellulären und nicht zellulären Bestandteilen, die in zum Teil noch nicht verstandener Weise zusammenspielen und auch auf die grundlegende Antigen-Antikörper-Reaktion Einfluss nehmen“.

Biontech - Özlem Türeci.
Biontech Co-Gründerin Özlem Türeci erwartet, dass noch vor 2030 ein Impfstoff gegen Corona verfügbar sein wird. © dpa / Biontech

Demnach sei eine Impfung, ähnlich wie die Corona-Impfung, wohl nicht in jedem Fall eine Option. „Vor Behandlungsangeboten, die eine Heilung oder andere sensationelle Erfolge per Impfung versprechen, muss dringend gewarnt werden“. Das Ziel der Forschung sei eine individuell maßgeschneiderte Therapie, bei der ausgereifte Impfstrategien in Zukunft eine zunehmende Rolle spielen könnten und schädlichere Heilungsansätze ersetzen oder minimieren könnten. Grundsätzlich zählt: Je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, desto besser lässt er sich bekämpfen.

Impfungen bereits wichtiger Bestandteil im Kampf gegen Krebs

Was in der Debatte um Impfstoffe gegen Krebs oft vergessen wird, ist, dass es bereits einige Krebsarten gibt, bei der Impfungen eine maßgebliche Rolle in der Bekämpfung der Krankheit spielen. Insbesondere für Krebsarten, die durch eine Infektion ausgelöst werden, gebe es bereits Impfstoff.

Krebs in Deutschland

Laut der Deutschen Krebshilfe erkranken in Deutschland rund 510.000 Menschen jährlich an Krebs. Im Jahr 2030 wird es Schätzungen zufolge sogar 600.000 Erkrankungen pro Jahr geben. Experten gehen davon aus, dass rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen vermeidbar wären. Insgesamt leiden derzeit rund vier Millionen Menschen in Deutschland an der Krankheit. Quelle: krebshilfe.de

Das bekannteste Beispiel dafür dürfte eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs sein. Auch Leberkrebs oder bestimmte Formen von Krebs im Kopf-Hals-Bereich seien auf Infektionen zurückzuführen und könnten bereits mit einem Impfstoff bekämpft werden. In Industrienationen seien es insgesamt acht Prozent aller Krebserkrankungen, die auf Viren, Bakterien und Infektionen zurückgeführt werden können, in Entwicklungsländer sei der Anteil noch deutlich höher.

Impfung gegen Krebs: Hoffnung dank mRNA-Forschung

Für andere Krebsarten, die nicht durch Viren oder Bakterien entstehen, gibt es dank der mRNA-Forschung Hoffnung. Insbesondere seit der Coronakrise liege der Fokus auf mRNA-Impfstoffen, auch gegen Krebs. Doch bereits vor der Pandemie sei in diese Richtung geforscht worden, die Krise habe jedoch entscheiden Fortschritte gebracht.

Aber wie funktionieren mRNA-Impfstoffe eigentlich? Krebs entsteht durch Mutationen bei der Zellteilung. Das ist ein Vorgang, der alltäglich ist und bei jedem Menschen häufig vorkommt. Im Normalfall würde die Mutation jedoch vom Körper als fremd angesehen werden und bekämpft werden. Doch im seltenen Fall können sich die mutierten Zellen tarnen oder einen Angriff des Immunsystems abwehren und sich so ungehindert reproduzieren. Dadurch würde ein Tumor entstehen.

Eine mRNA-Impfung würde darauf zielen, dass der Körper die Mutation wieder als fremd erkennt und bekämpfen will. Das Impfung bringe eine Art Signal an den Körper, dass das Protein „fremd“ ist. Anders als bei einer gewöhnlichen Impfung, werde dem Körper bei einer mRNA-Impfung nicht die „fremde“ Struktur selbst eingesetzt, sondern die er bekämpfen soll, also eine Art „Bauplan“ der „fremden“ Struktur.

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