Prozessbeginn

Kölner "Heiliger" soll Frauen sexuell ausgebeutet haben

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Prozessauftakt gegen Sekten-Guru.

Düsseldorf - Ein 30-jähriger Kölner soll Frauen misshandelt, vergewaltigt und in Bordellen ausgebeutet haben - indem er sich als „Heiliger“ inszenierte und ein bizarres Ausbeutungssystem betrieb.

„Gesandter, darf ich Dir meine Hingabe erweisen? Gesandter, mein Körper ist Dir. Danke was Du aus mir gemacht hast. Ich liebe Dich!“ Dieses „Gebet“ musste eine Prostituierte laut Anklage bei jeder Begegnung mit ihrem Peiniger aufsagen - zur Begrüßung und zum Abschied. Vor dem Landgericht Düsseldorf steht seit Dienstag ein 30-jähriger Kölner, der sich als Heiliger inszeniert haben soll, um die Frauen gefügig zu machen.

Auf der Anklagebank sitzt auch der Komplize des 30-Jährigen. Beim Prozessauftakt verbergen die beiden zunächst ihre Gesichter hinter Aktenordnern. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, mehrere Frauen schwer misshandelt und sexuell ausgebeutet zu haben. Laut Anklage ließ der 30-Jährige sich als „Heiliger“ und „Gesandter“ ansprechen. Mindestens zwei Frauen sollen das Duo als „Die heiligen Zwei“ verehrt haben.

Als die Fotografen und Kameraleute den Gerichtssaal verlassen haben, wirken die Angeklagten fast desinteressiert: Während der Staatsanwalt die Anklage verliest, blättert der 30-Jährige in einem Stapel Papiere. Darauf angesprochen sagt er: „Das ist privat, hat mit dem Prozess nichts zu tun.“ Nur einmal meldet er sich lautstark zu Wort. „Das stimmt nicht!“, ruft er, als der Staatsanwalt ein angeblich falsches Geburtsjahr nennt. Zu den schweren Gewalttaten, die ihm vorgeworfen werden, schweigt er.

24 Straftaten werden dem mutmaßlichen Haupttäter zur Last gelegt. Sein 26-jähriger Komplize soll sich in 18 Fällen strafbar gemacht haben. Menschenhandel, Geiselnahme, Vergewaltigung: Fast eine Stunde lang trägt der Staatsanwalt die Vorwürfe vor. Es ergibt sich das Bild eines bizarren Systems der Ausbeutung.

Der 26-Jährige soll mit den Opfern zunächst Beziehungen eingegangen sein. Unter diversen Vorwänden hätten die Angeklagten die Betroffenen dann gedrängt, Darlehen zwischen 20 000 und 50 000 Euro aufzunehmen. Dann sollen sie die Frauen mit Gewalt und wochenlangem Druck in die Prostitution gezwungen haben.

Durch systematischen Schlafentzug, völlige Isolation in den Bordellen und körperliche Misshandlungen hätten sie die Frauen gefügig gemacht und sie bis zu 18 Stunden täglich im Rheinland, Hessen, Hamburg und Stuttgart anschaffen lassen.

Pseudo-religiöse Rituale sollen die Misshandlungen ergänzt haben: etwa eine vermeintliche Teufelsaustreibung auf einem Friedhof. Einer Geschädigten gaukelten die Angeklagten vor, sie stünden im Kontakt zu ihrem verstorbenen Vater, der von ihr verlange, sich für den „Gesandten“ zu prostituieren.

Der 26-Jährige schnitt sich laut Anklage selbst eine Fingerkuppe ab, um den „Zorn des Gesandten“ zu demonstrieren, falls sich die Arbeitsleistung eines der mutmaßlichen Opfer nicht steigere. Er soll die Frauen von Bordell zu Bordell gebracht und die Einnahmen kassiert haben, während der mehrfach vorbestrafte „Guru“ mit Frau und Kind in einem luxuriös ausgestatteten Reihenhaus ein nach außen hin normales Leben führte.

Das Verhältnis zwischen den Angeklagten beschreibt die Staatsanwaltschaft als ungleich: Der 26-Jährige habe sich Schlafenszeiten und selbst geringste Ausgaben vom „Guru“ genehmigen lassen müssen. Zum Zeitpunkt der Festnahme im Oktober war dessen Vermögen auf rund 600 000 Euro angewachsen, während das seines mutmaßlichen Komplizen und Handlangers nur 2600 Euro betrug.

Die Hauptverhandlung soll am 8. Juli fortgesetzt werden. Bis September sind 23 Verhandlungstage angesetzt. Dann soll das Urteil verkündet werden. Dem Hauptangeklagten drohen bis zu 14, seinem mutmaßlichen Komplizen bis zu 10 Jahre Haft.

dpa

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