Hauptangeklagter im Al-Kaida-Prozess bestreitet Vorwürfe

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Ömer Ö. im Sitzungssaal des Oberlandesgerichts in Koblenz: Die Bundesanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen vor, Geld und Kampfgerät für das Terrornetzwerk El Kaida beschafft zu haben.

Koblenz - Im Al-Kaida-Prozess vor dem Oberlandesgericht Koblenz hat der Hauptangeklagte Ömer Ö. alle Vorwürfe bestritten. Er habe nie Material oder Geld für das Terrornetzwerk beschafft.

“Ich weise das zurück, weil es nicht stimmt“, sagte der 31-Jährige am Montag . Er habe auch niemals Rekruten für Al Kaida angeworben oder eine Ausbildung in einem Terrorcamp absolviert.

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Ömer Ö. soll nach den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft den Bonner Islamisten Bekkay Harrach angeworben haben, der zuletzt am Wochenende Deutschland mit einem Terroranschlag gedroht hatte. Der aus Sindelfingen stammende Türke räumte ein, dass er persönlich mit den beiden Sauerland-Attentätern Fritz Gelowicz und Attila Selek bekannt sei. Er habe den Kontakt mit Gelowicz gesucht, weil dieser Arabisch gesprochen habe und er seine Sprachkenntnisse habe verbessern wollen, sagte der 31-Jährige. Gelowicz habe ihn gefragt, ob er ihm gefälschte Pässe beschaffen könne, was er jedoch verneint habe. Ömer Ö. räumte Kontakte zu dem Deutsch-Pakistaner Aleem N. ein, der als eine Schlüsselfigur von Al Kaida in Deutschland gilt. Die Beziehung sei aber rein geschäftlicher Natur gewesen.

Der im Juli verurteilte N. habe geplant, in Pakistan Markenartikel kopieren zu lassen. Daher sei über die Beschaffung von bestimmten Gegenständen wie etwa Ferngläser gesprochen worden. Er habe dem Deutsch-Pakistaner aber nie irgendetwas geliefert. Dass der Stiefsohn von Aleem N. in Vernehmungen gegen ihn ausgesagt habe, begründete Ö. mit dunklen Machenschaften. Yannick N. sei eine große Summe Geld angeboten worden: “Man wollte mich richtig mal in die Pfanne hauen.“ Auch ihm selbst sei Geld für belastende Aussagen angeboten worden. Wer das Geld angeboten habe, ließ Ö. auch auf Nachfrage offen.

Mitgliedschaft in einer Terrororganisation

Anträge der Verteidigung, das Verfahren einzustellen, lehnte das Gericht ab. Der Anwalt des mitangeklagten Sermet I. hatte argumentiert, eine Mitgliedschaft seines Mandanten bei Al Kaida sei nicht nachweisbar. Nicht jeder Unterstützer einer Terrororganisation dürfe gleich als Mitglied eingestuft werden. Das Gericht reagierte mit dem Hinweis, dass auch eine Unterstützung von Al Kaida strafbar sei. Darüber hinaus seien die Vorwürfe hinreichend konkret.

Die Bundesanwaltschaft wirft Ömer Ö. und dem mitangeklagten Sermet I. Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz vor. Der Angeklagte Ö. soll 2005 und 2006 Bargeld und Ausrüstungsgegenstände für Al Kaida beschafft haben, darunter eine kugelsichere Weste, einen Laptop und ein Fernglas. Darüber hinaus soll er mindestens zwei potenzielle Kämpfer für die Terrororganisation in Deutschland rekrutiert haben, darunter auch Harrach.

Anfang 2006 soll Ö. zudem in einem Terrorcamp im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet im Umgang mit Waffen ausgebildet worden sein. Auch Sermet I. soll Geld und Ausrüstung für Al Kaida beschafft haben, darunter Entfernungsmesser und Nachtsichtgeräte. Beide arbeiteten nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft eng mit dem Schmuckhändler Aleem N. zusammen. Dieser wurde am 13. Juli vom Oberlandesgericht Koblenz zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt.

ap

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