Handel mit Potenzmittelimitaten aufgedeckt

Essen - Deutsche Zollfahnder haben einen millionenschweren Internethandel mit Potenzmittelimitaten aus Asien aufgedeckt. Sieben Verdächtige aus dem Ruhrgebiet wurden festgenommen.

Bei Durchsuchungen wurden rund 50 000 Potenzpillen der Marke “Kamagra“ sichergestellt, europaweit Konten eingefroren und Sachwerte in Millionenhöhe beschlagnahmt. Kunden aus ganz Europa sollen die Pillen bestellt haben.

Der Zoll warnte bei der Präsentation des Fundes am Mittwoch in Essen vor der Einnahme der in Deutschland nicht zugelassenen Präparate. Da die Wirkstoffmenge häufig nicht den Angaben entspreche, könne die Einnahme schwere gesundheitliche Schäden zur Folge haben, besonders bei Menschen mit Bluthochdruck. Der Zoll ermittelt auch noch in weiteren Fällen illegalen Internethandels.

Die Pillen wurden für Centbeträge vor allem in Indien bestellt, wo das Mittel legal zu haben ist. Verkauft wurden die Pillen dann für mehrere Euro das Stück. Die Ware kam postlagernd ins Ruhrgebiet und wurde von der Bande dann an Kunden in Europa verteilt. Beworben wurden die Präparate über Internetseiten, die im Ausland eingerichtet wurden, unter anderem in Großbritannien. Den Tätern drohen langjährige Freiheitsstrafen wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und wegen Steuerhinterziehung.

Erste Hinweise auf den illegalen Handel über das Ruhrgebiet kamen 2008 vom Analyseprojekt “Blue“ des Zolls Stuttgart und Freiburg in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie. Die Händler hatten bereits seit 2007 immer wieder neue Internetseiten sowie Konten in Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Belgien, Österreich, Schweiz, Türkei und Spanien eingerichtet. In einem Monat soll die Bande einmal 660 000 Euro umgesetzt haben.

Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände liegt der Anteil gefälschter Medikamente beim Internethandel bei über 50 Prozent. Häufig würden Medikamente unter abenteuerlichen Bedingungen in Kellerlabors zusammengemischt.

Hygienevorschriften und Qualitätskontrollen gebe es dabei nicht. Im vorliegenden Fall stammten die Pillen aus offizieller Produktion, vor allem aus Indien, wobei der Wirkstoffgehalt bisher noch nicht überprüft sei. Die Pillen seien nicht verunreinigt, sagte Jürgen Röder vom Zollfahndungsamt Essen.

dpa

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