Politikversagen?

Obdachlose in Hamburg: Armutszeugnis – Politik unter Druck

Auf Hamburgs Straßen sterben mehr Obdachlose, als zunächst angenommen. Das geht aus einer Anfrage der Linken im Parlament hervor. Die Politik steht in der Kritik.

  • Der kalte Winter und Corona sind in diesem Jahr für Obdachlose eine große Herausforderung.
  • Seit Dezember sind acht Obachlose auf Hamburgs Straßen verstorben.
  • Eine Anfrage der Linkspartei deckt weitere Todesfälle seit September auf: Damit steigt die Zahl auf zwölf.
  • Die Obdachlosenzeitung Hinz & Kunzt und Hamburgs Linke fordern die Politik zum sofortigen Handeln auf.

Update vom Mittwoch, 20. Januar 2021, 12.00 Uhr: Hamburg – Die Todeszahl unter Hamburgs Obdachlosen hat einen neuen, traurigen Höhepunkt erreicht: Acht Menschen sind tot. Das dramatische Sterben seit Dezember vergangenen Jahres, als die Temperaturen erstmals unter null Grad fielen, nennt das Straßenmagazin Hinz & Kunzt für die Stadt Hamburg* „beispiellos“. Schlimmer noch: Das Magazin berichtet, dass eine Anfrage der Linkspartei im Parlament noch mehr Todesfälle zutage förderte. Demnach starben seit September vergangenen Jahres insgesamt zwölf Obdachlose. Experten- und Politiker-Stimmen fordern die sofortige Öffnung der Hotels für Wohnungslose*. Die Stadt hat die Öffnungszeiten des Winternotprogramms ausgeweitet. Viel zu wenig, finden Kritiker.

Update vom Montag, 11. Januar 2021, 08.31 Uhr: Hamburg – Wie jetzt bekannt wurde, ist am Freitag, dem 8. Januar 2021, ein weiterer Obdachloser in Hamburg tot aufgefunden worden. Der Mann wurde auf der Reeperbahn* im Stadtteil St. Pauli* gefunden. Er ist damit schon der fünfte Todesfall seit Silvester. Wie die Hamburger Morgenpost berichtet, handelt es sich bei dem Toten um einen etwa 65-jährigen Mann. Rettungskräfte hätten Vorort vergeblich versucht, den Obdachlosen wiederzubeleben.

Fünf Tote in etwas mehr als einer Woche – die Forderungen an Hamburgs Politiker werden immer lauter. „Diese traurigen Todesmeldungen sind Folgen der Verelendung auf Hamburgs Straßen, auf die große Teile der Hamburger Obdachlosenhilfe seit Monaten hinweisen. Die Stadt stiehlt sich aus der Verantwortung“, meint Hinz & Kunzt Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer auf der Webseite des Obdachlosen-Magazins. Hamburgs Hilfsinitiativen fordern weiter die Unterbringung von Obdachlosen in leer stehenden Hotelzimmern. Aus dem Hamburger Senat gibt es dazu weiter keine Stellungnahme.

Obdachlose in Hamburg: Die Toten häufen sich – Politikversagen?

Erstmeldung vom Freitag, 08. Januar, 12.57 Uhr:

Hamburg – Vier Hamburger Obdachlose haben in dieser Woche auf der Straße ihr Leben verloren. Noch ist die Todesursache in allen Fällen unklar. Nässe, Kälte, Corona oder sogar Drogen? Bisher scheint als Todesursache alles möglich zu sein. Die Hamburger Polizei* hat dahingehend die Ermittlungen aufgenommen. Dass immer noch Obdachlose auf der Straße sterben müssen, macht viele Menschen sprachlos. Gerade in der aktuellen Zeit stehen die Hotels wegen des Corona-Lockdowns* leer. Sie würden einen perfekten Unterschlupf für Obdachlose bieten.

Verlag in Hamburg:Hinz & Kunzt gemeinnützige Verlags- u. Vertriebs GmbH
Adresse:Altstädter Twiete 1, 20095 Hamburg
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Telefon:040 32108311

Auf Hamburgs Straßen: Vier tote Obdachlose innerhalb von 14 Tagen

Es ist traurige Gewissheit – die Hamburger* Polizei bestätigte gegenüber der Obdachlosenzeitung Hinz & Kunzt, dass vier Obdachlose innerhalb der letzten 14 Tage auf der Straße verstorben sind. Am Silvestermorgen wurde ein Mann tot an den Landungsbrücken* gefunden, einen Tag später, am Neujahrstag, starb ein Obdachloser im Schanzenpark. Am darauffolgenden Tag wurde ein toter Obdachloser auf dem Altonaer Hauptfriedhof entdeckt und erst in der Nacht zum Montag, dem 4. Januar, verlor ein weiterer 45 Jahre alter Mann in der Altonaer Virchowstraße sein Leben.

Nach dem Tod von vier Obdachlosen in Hamburg wird die Politik zum Handeln aufgerufen. (24hamburg.de-Montage)

Die Todesursachen, die bisher nicht ermittelt wurden, könnten vielfältiger nicht sein. Zum einen sind auch Obdachlose von der Corona-Pandemie bedroht*, vielleicht sogar mehr als alle anderen. Denn Obdachlose haben bekannterweise oft nicht die stärksten Immunsysteme. Aber auch der Winter stellt immer wieder eine Gefahr für die Menschen auf der Straße dar. So führen oft Kälte und Nässe dazu, dass die Obdachlosen einfach erfrieren. Ursächlich für den Tod der Obdachlosen könnten natürlich auch Drogen und Alkoholmissbrauch sein. Die Hamburger Polizei konnte bisher lediglich ein Fremdverschulden ausschließen.

Nach tot von vier Obdachlosen: Hinz und Kunzt fordert Politik zum Helfen auf

Nun fordert die Obdachlosenzeitung Hinz & Kunzt die Politik auf, Maßnahmen zum Schutze der Obdachlosen zu ergreifen. „Diese Häufung von Todesfällen zum Jahreswechsel macht fassungslos“, heißt es in einem Artikel der Zeitung. Stephan Karrenbauer, Hinz & Kunzt-Sozialarbeiter, zeigte sich laut Artikel entsetzt. Die Obdachlosen seien dieses Jahr offensichtlich so geschwächt wie nie, so Karrenbauer. Deshalb fordere er den Hamburger Senat* dringend auf, für Unterstützung der Obdachlosen zur sorgen. „Die Politik ist aufgefordert, sofort Maßnahmen ins Leben zu rufen, damit das Sterben auf der Straße endlich ein Ende hat“, wird er in dem Artikel zitiert.

Außerdem müsse dringend eine Erklärung dafür erbracht werden, warum derzeit so viele Obdachlose auf den Straßen ums Leben kommen. Gerade vor dem Hintergrund, dass auch in den nächsten Tagen kein deutlicher Temperaturanstieg zu erwarten ist. Das bedeutet, den geschwächten Obdachlosen stehen noch ein paar harte Nächte bevor. Immerhin ist der Winter noch lang.

Obdachlose in Hamburg: Linksfraktion fordert Unterbringung in Hotels

Wegen der vielen Todesfälle hat sich auch Hamburgs Linksfraktion zu Wort gemeldet. Die Linken-Sozialpolitikerin Stephanie Rose forderte in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt: „Das Sterben muss ein Ende haben.“ Sie berichtet auch, dass die Obdachlosen die staatlichen Unterbringungsangebote nicht gut annehmen würden. Das könnte vor allem daran liegen, dass die Obdachlosen dort mit anderen in Mehrbettzimmern untergebracht sind und die Hygienestandards nicht auf dem höchsten Niveau sind. Deshalb fordern die Linken jetzt, dass Obdachlose von der Stadt in Hotels untergebracht werden.

Die Hotels würden laut Rose ohnehin aktuell leer stehen. Wegen der Corona-Pandemie sind touristische Ausflüge derzeit deutschlandweit nicht möglich. Daher sehe sie keinen Grund, weshalb die Sozialbehörde nicht auf diese Methode zurückgreifen sollte. Wie 24hamburg.de berichtete, haben verschiedene Hilfsinitiativen bereits dafür gesorgt, dass einige Obdachlose seit November in Hotelzimmern* untergebracht sind. Dort können sie noch bis Ende März Unterschlupf vor dem Winter finden. Bisher hat die Linke, laut Hamburger Abendblatt, mit dem Vorschlag, mehr Obdachlose in Hotels unterzubringen, allerdings nichts erreichen können. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Angelika Warmuth/dpa &Jannis Große/Imago Images

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