Haft für Tod eines vierjährigen Jungen

Mainz - Weil er den vierjährigen Sohn seiner früheren Lebensgefährtin tödlich verletzte, ist ein 31-jähriger Mainzer am Mittwoch zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Das Landgericht Mainz wertete das Geschehen als Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit Mord und verschärfte damit das Urteil des ersten Prozesses erheblich. Der Vorsitzende Richter Reinhold Koch sagte, der Angeklagte habe am Abend des 25. April 2007 allein auf den vierjährigen Raphael aufgepasst, während seine Mutter in einer Mainzer Pizzeria arbeitete. Weil der Junge das Abendessen wieder ausgespuckt habe, sei es zum Streit gekommen. Dieser sei eskaliert, und der Angeklagte habe dem Jungen einen schweren Schlag oder Tritt in den Bauch versetzt.

Der Junge habe über Schmerzen geklagt und allmählich das Bewusstsein verloren. Dennoch habe der heute 31-Jährige keinen Arzt gerufen. Erst die Mutter, die gegen 21.50 Uhr nach Hause zurückkehrte, habe den Rettungsdienst alarmiert. Allerdings habe der Angeklagte den Notarzt und die Sanitäter nicht über die Verletzung des Jungen aufgeklärt und vielmehr tatenlos zugesehen, als die Mutter den Zustand des Jungen mit einer möglichen Blutvergiftung zu erklären versuchte. Damit sei der Tatbestand des Mordes durch Unterlassen erfüllt.

Kind starb an inneren Blutungen

Raphael starb an schweren inneren Blutungen in der Nacht zum 26. April in der Mainzer Uniklinik. Koch sagte, die Angaben des Angeklagten, die Verletzungen gingen auf einen Unfall beim Spielen zurück, seien nach den Feststellungen der medizinischen Sachverständigen nicht glaubhaft. Der Verteidiger des 31-Jährigen, der Koblenzer Rechtsanwalt Gerhard Prengel, sagte nach der Urteilsverkündung, sein Mandant werde gegen die Entscheidung in Revision gehen.

Das Gericht hatte den Mann bereits am 30. September 2008 wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Diese Entscheidung war vom Bundesgerichtshof im August 2009 aufgehoben worden. Im zweiten Prozess hatte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von neun Jahren wegen Mordes durch Unterlassen und Körperverletzung mit Todesfolge gefordert. Die Verteidigung hatte dafür plädiert, zum ersten Urteil des Landgerichts Mainz zurückzukehren.

DAPD

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