Hätte Polizei Mord an Maria Bögerl verhindern können?

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Polizeidirektor Volker Lück sitzt am Freitag bei einer Pressekonferenz in Heidenheim neben einem Porträt von Maria Bögerl. Er gab nähere Details im Entführungsfall Maria Bögerl bekannt.

Heidenheim - Hätte die Polizei den Mord an Maria Bögerl verhindern können? Diese Frage treibt die Menschen in Heidenheim um. Lesen Sie, was schief gelaufen ist:

Lesen Sie dazu:

Polizei: Maria Bögerl wurde erstochen

Leichenfund: Umstände deuten auf Bankiersfrau hin

Tote Frau gefunden - Ist es Maria Bögerl?

Chronik des Entführungsfalls Maria Bögerl

Fest steht: Das Lösegeld für die vor gut drei Wochen entführte Bankiersfrau wurde zu spät am vereinbarten Ort an der Autobahn 7 deponiert. Der oder die Entführer holten die 300 000 Euro nicht ab und meldeten sich nicht mehr. Bögerl wurde erstochen. Warum ihre Leiche erst jetzt von einem Spaziergänger mit Hund gefunden wurde - auch diese Frage bringt die Polizei in Erklärungsnot. Haben die Hundertschaften, die eben jenes Waldstück zwischen dem Heidenheimer Ortsteil Nietheim und Aalen-Niesitz am 15. Mai durchkämmt haben, die Leiche übersehen? Ausgerechnet in der Nähe des Fundorts wurden keine Suchhunde eingesetzt. Die Polizei will nun alle damals eingesetzten Kollegen noch einmal befragen. Am Freitagnachmittag wurde das Gebiet erneut durchkämmt - aber ohne auf wichtige weitere Spuren zu stoßen.

Leiche von Maria Bögerl gefunden

Leiche von Maria Bögerl gefunden

Es waren mehr als drei Wochen voller Bangen und Ungewissheit. Doch am Freitag sind auch die letzten Hoffnungen der verzweifelten Angehörigen zerstoben: Die am Donnerstagabend entdeckte Leiche ist die der am 12. Mai entführten Frau. Zugedeckt mit Reisig lag ihr entstellter Körper am Rande eines Waldgebiets, in dem die Ermittler bisher nur das Handy des Opfers entdeckt hatten.

Unklar ist, ob die Hubschrauber, die mit Wärmebildkameras nach der Vermissten suchten, überhaupt erfolgreich hätten sein können. Denn vielleicht war die Leiche zu dem Zeitpunkt schon kalt. Nach Angaben des Leitenden Polizeidirektors Volker Lück ist die gefundene Leiche schon so stark verwest, dass von einer “längeren Liegezeit“ auszugehen ist.

Unklar auch, ob der Mann, der mit einem Phantombild gesucht wird, überhaupt etwas mit der Tat zu tun hat. Offiziell sucht die Polizei seit Dienstagabend den Unbekannten, der am Tag der Entführung per Anhalter unterwegs gewesen sein soll, als Zeugen. Mehrere Hinweisgeber wollen ihn in der Nähe des Ortes an der Autobahn 7 gesehen haben, wo das Lösegeld deponiert wurde. “Sehr enge zeitliche Vorgaben“ des Entführers und die verlangte Art der Stückelung des Geldes hätten es sehr schwer gemacht, die Lösegeld-Forderungen rechtzeitig zu erfüllen, sagte Lück.

Am Freitagmorgen war der Fundort der Leiche mit zweireihigem Absperrband umzäunt. Innerhalb des Absperrkreises hatte die Polizei einen blauen Pavillon aufgestellt. In dem haben die Experten die Leiche in der Nacht untersucht, bevor der Körper zur Obduktion in das gerichtsmedizinische Institut Ulm kam.

Suche nach Maria Bögerl

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Die wenigen verbliebenen Beamten sollen auch Neugierige abhalten, doch von Schaulustigen ist nicht viel zu sehen. Fast alles ist ruhig. Ein Hochspannungsmast und verlassene Hochsitze von Jägern stehen in der Nähe. Spezialisten in weißen Schutzanzügen, mit Schuhüberziehern und teilweise mit Mundschutz, sammeln das restliche Reisig zusammen und packen es in eine große schwarze Plastikplane. Die Äste, mit denen der tote Körper zugedeckt war, sind bereits zur kriminaltechnischen Untersuchung gebracht worden.

Nach Bekanntwerden des Leichenfunds hatten sich die Gerüchte überschlagen. Der Mann auf dem Phantombild soll festgenommen worden sein, hieß es. Dies wurde später offiziell dementiert. Was mit dem ebenfalls gesuchten Begleiter des Mannes ist, mit dem er in der Nähe des Wohnhauses der Familie in Heidenheim-Schnaitheim gesehen wurde, bleibt ebenfalls unklar.

Die Polizei sucht jetzt nicht mehr nach Maria Bögerl, sondern nur noch nach ihrem Schwäbisch sprechenden, also aus der Region stammenden Entführer und Mörder. Auf die bohrenden Journalistenfragen, wie es denn jetzt weiter geht, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Christof Lehr: “Sie müssen uns einfach Zeit lassen.“

Von Julia Schweizer

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