Großrazzia gegen Hells Angels - GSG9 im Einsatz

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Im Kieler Rockermilieu hat am frühen Donnerstagmorgen eine groß angelegte Durchsuchung von Bordellen und weiteren Objekten begonnen.

Kiel - Großrazzia gegen die Hells Angels: Rund 1000 Polizisten durchsuchen Bordelle, Kneipen und Wohnungen in Norddeutschland. Das GSG9 stürmt das Privathaus von Hannovers Rockerchef.

Hannovers Hells Angels-Chef Frank Hanebuth ist am Donnerstag unsanft aus dem Schlaf geschreckt worden. Gegen 5.00 Uhr morgens kreiste ein Hubschrauber über seinem mit Stacheldraht gesicherten Anwesen in Bissendorf-Wietze nördlich von Hannover. Spezialeinsatzkräfte der GSG 9 seilten sich von dem Helicopter ab, weitere Beamte der Antiterror-Einheit brachen das Holztor auf und drangen auf das Gelände ein. So schilderte es Hanebuth wenig später seinem Anwalt Götz von Fromberg.

Bis zum Mittag durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft das Privathaus des 47-jährigen Zwei-Meter-Mannes, der als einer der einflussreichsten Rockerchefs in Deutschland gilt. Mit Sturmhauben maskierte Beamte sicherten mit Maschinenpistolen das Tor dse Anwesens. Gegen 11.00 Uhr kamen Polizisten mit Koffern und Rucksäcken heraus.

Bilder vom Einsatz

1000 Polizisten: Razzia im Rockermilieu

Hanebuth ist Beschuldigter in einem Verfahren der Kieler Staatsanwaltschaft gegen die „Höllenengel“, am Donnerstag wurden rund 80 Gebäude und Wohnungen durchsucht. Ermittelt wird vor allem gegen Mitglieder des seit Januar verbotenen Kieler Chapters der Rockerbande. Es geht um Körperverletzung, Menschenhandel, Waffenhandel und Korruption.

Hanebuth streitet ab, von den Delikten gewusst oder sie gar angestiftet zu haben. „Er weist die Vorwürfe als völlig abwegig zurück“, sagte der Anwalt der dpa. Von Fromberg kritisierte außerdem: „Der erste Zugriff war sehr massiv und unverhältnismäßig.“ So hätten die Polizisten Türen eingetreten und vor den Augen von Hanebuths kleinem Sohn einen jungen Hund erschossen.

Der Rockerchef lebt in einem noblen Vorort, offenbar schätzt er dort die Ruhe ebenso wie Scorpions-Sänger Klaus Meine oder Rockpoet Heinz Rudolf Kunze. Im November hatte der Rocker angekündigt, sich mit seiner Sicherheitsfirma aus Hannovers Rotlichtviertel am Steintor zurückzuziehen. Danach investierte er unter anderem in ein Ausflugslokal für Familien. Hannovers Vize-Polizeipräsident Thomas Rochell meint dazu: „In wie weit er auf dem Weg ist in die Bürgerlichkeit, das vermag ich nicht zu sagen und das treibt mich auch nicht um.“

Nach dem GSG-9-Einsatz ist ein seriöses Image für den bulligen Rockerchef erst einmal dahin. Für die Nachbarn bot sich wieder einmal Gesprächsstoff. Im vergangenen Jahr hatte eine blutige Beißattacke von Hanebuths ausgebüxten Hunden für Schlagzeilen gesorgt. „Es hat etwas Unheimliches. Wenn ich die bewaffneten Beamten sehe, habe ich eine Gänsehaut“, sagte eine Frau, die mit ihrem Hund spazierenging. Und ein älterer Mann schimpfte aus dem Auto heraus: „Es ist ein Skandal, wenn um 5.00 Uhr ein Hubschrauber über einem Wohngebiet kreist!“

dpa

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