Concorde-Absturz: Gericht sucht Schuldige

Paris - Knapp zehn Jahre nach dem Absturz einer Concorde mit 97 Deutschen an Bord bei Paris beginnt am Dienstag vor einem Gericht die Suche nach den Schuldigen.

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Stichwort: Concorde

Die Angeklagten im Concorde-Prozess

Das Überschallflugzeug der Air France war am 25. Juli 2000 kurz nach dem Start auf ein Hotel gestürzt. Die Staatsanwaltschaft wirft fünf Angeklagten und der US-Fluggesellschaft Continental fahrlässige Tötung vor. Von einem Continental-Flugzeug stammte ein Metallteil auf der Startbahn, das den offiziellen Ermittlungen zufolge eine verhängnisvolle Kettenreaktion auslöste: Beim Überrollen der Titan-Lamelle platzte ein Reifen der Concorde und beschädigte einen Tank.

Hier ist ein Video von dem Absturz zu sehen!

Das ausströmende Kerosin entzündete sich, das Flugzeug mit 109 Menschen an Bord stürzte auf ein Gebäude. Am Boden kamen vier Menschen ums Leben. Continental-Anwalt Olivier Metzner will diese Version des Unfallhergangs vor Gericht zu Fall bringen und 20 Zeugen aufrufen, nach deren Aussage die Concorde bereits brannte, bevor sie über die Metall-Lamelle rollte.

Bilder vom tragischen Concorde-Absturz

Bilder vom tragischen Concorde-Absturz

Das Flugzeug sei an jenem Tag nicht flugtauglich gewesen, weil es überladen gewesen sei und ein Teil zur Stabilisierung der Räder gefehlt habe. Er werde die Einstellung des Verfahrens beantragen, weil die Airline nur als Sündenbock herhalten solle, erklärte Metzner. Entlastende Elemente seien nicht berücksichtigt worden. Auch die Anwälte der drei französischen Angeklagten, zwei Verantwortliche des Concorde-Programms sowie ein damaliger Mitarbeiter der französischen Flugaufsichtsbehörde, fordern ein Ende des Verfahrens.

Abstandshalter am linken Fahrwerk fehlte

Das Interesse der Angehörigen der deutschen Urlauber an Bord der Unglücksmaschine ist nach Darstellung von Anwälten eher gering. Der Mönchengladbacher Jurist Christof Wellens, der auch Vorsitzender der von Hinterbliebenen gegründeten Vereins Crash ist, sagte der Nachrichtenagentur DAPD, die zivilrechtlichen Forderungen - also die Entschädigungen - seien bereits 2001 zufriedenstellend geregelt worden. Nach so langer Zeit dürfte ein Prozess eher alte Wunden aufreißen als positive Effekte bei der Bewältigung der Katastrophe haben.

Ähnlich äußerte sich der Opferanwalt Ronald Schmid. Wellens sagte, eine Handvoll Betroffener aus Deutschland wolle als Beobachter an dem Prozess in Pontoise bei Paris teilnehmen, der am frühen Nachmittag (14.30 Uhr) beginnen sollte. Der Jurist ließ ebenfalls Zweifel an dem Bericht der französischen Behörde für Unfalluntersuchung (BEA) anklingen. Er verwies auf Berichte, wonach ein Reifen der Maschine nicht richtig in der Spur gewesen sei und dadurch überbelastet gewesen sein könnte. Die BEA hat in ihrem Abschlussbericht erklärt, das Fehlen eines Abstandshalters am linken Drehgestell habe nichts mit dem Unfall zu tun gehabt. Auch eine Überladung des Flugzeugs um eine Tonne beim Start könne dabei vernachlässigt werden. Der Prozess vor dem Gericht in Pontoise ist zunächst bis zum 28. Mai terminiert.

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