„Ich bin der Gastgeber und fertig“

Rechtsextreme Vereinigung tagt bei türkischem Wirt - der bleibt ganz cool

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Rechtsextreme in Eschenlohe: GfP tagt bei türkischem Wirt (Symbolbild)

In Eschenlohe bei Garmisch wird die als rechtsextrem geltende Gesellschaft für freie Publizistik Ende August eine Tagung abhalten. Ihr Gastgeber: Ein türkischer Wirt.

Eschenlohe - Die Gesellschaft für freie Publizistik gilt als größte rechtsextreme Kulturvereinigung in Deutschland. Von Freitag, 30. August, bis Sonntag, 1. September, will sie in Eschenlohe ihre Mitgliederversammlung sowie einen Kongress abhalten. Ob es eine Gegendemo geben wird, stand am Freitag noch nicht fest. Offiziell gibt die Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) den Ort ihres Kongresses nicht bekannt.

Rechtsextreme Veranstaltung in Eschenlohe: Hier soll sie stattfinden

Auf der Einladung ist lediglich vom „Süden Deutschlands“ beziehungsweise dem „idyllischen Alpenvorland“ die Rede. Doch es kam heraus, dass die (GfP), die nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz die größte rechtsextreme Kulturvereinigung in Deutschland ist, in Eschenlohe tagen will. Im Alten Wirt.

Zunächst soll am Freitag, 30. August, abends die Mitgliederversammlung abgehalten werden. Am Samstag, 31. August, und Sonntag, 1. September, will die Organisation, der insbesondere rechtsextreme Verleger, Buchhändler, Redakteure und Schriftsteller angehören, dann zum Thema „30 Jahre nach dem Mauerfall – Aufstand der Völker Europas gegen Brüssel?“ tagen.

Poggenburg nach AfD-Austritt: Auftritt bei rechtsextremer Veranstaltung:

Als einer der Redner ist André Poggenburg (44) angekündigt. Von 2014 bis 2018 war er Vorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt. Seit 2016 ist Poggenburg Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt, wo er bis 2018 Fraktionsvorsitzender der AfD-Fraktion war. Heuer trat er aus der Partei aus. Er wurde dem völkisch-nationalistischen Flügel der AfD zugerechnet.

Laut dem bayerischen Verfassungsschutzbericht von 2018 stellt die GfP vor allem „drei Themen in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten: die Relativierung der Kriegsschuld, die ,Ausländerfrage‘ und die Meinungsfreiheit für die ,nationale Publizistik‘“. Ob eine Gegenveranstaltung geben wird, stand am Freitag noch nicht fest. „Wir sind in der Entscheidungsfindung“, sagt Doro Sührig, persönliche Referentin des Seehauser Landtagsabgeordneten Andreas Krahl (Grüne). „Wenn, dann wird das auf jeden Fall etwas Überparteiliches.“

Rechtsextreme Tagung in Eschenlohe: Politiker anderer Parteien alarmiert

Sührig hat nach eigenen Angaben schon mit Vertretern anderer Parteien gesprochen. Die GfP-Veranstaltung sei „fürchterlich, da sind wir uns alle einig“. Auch Krahl wird deutlich: „Das Oberland darf nicht zur Hochburg der rechten Szene werden. Gerade wir sind die Aushängeschilder Bayerns, wenn es um Weltoffenheit geht. Dass der Wirt seine Räumlichkeiten diesen Faschisten zur Verfügung stellt, kann nur ein Missverständnis/Unwissenheit sein. Wir dürfen auch in Eschenlohe nicht wegsehen und es akzeptieren, wenn Menschen wie Poggenburg unsere Demokratie und christlichen Werte des Zusammenlebens in Frage stellen.“

Bei der Polizei hat man den Kongress auf dem Schirm. Joachim Loy, Leiter der Murnauer Inspektion, rechnet mit rund hundert Teilnehmern. Die Polizei wartet ab, ob es eine Gegenveranstaltung geben wird, will aber auf jeden Fall mit verstärkten Kräften vor Ort sein, wobei andere Dienststellen Unterstützung gewähren. Loy erklärt, dass die GfP-Tagung nicht verboten sei. „Wir werden die Veranstaltung schützen, ob es uns gefällt oder nicht. Wir werden uns neutral verhalten, auch wenn es uns natürlich schwer fällt.“

Trotz rechtsextremer Tagung: Türkischer Wirt hat kein Problem

Trotz des rechtsextremen politischen Hintergrunds des Kongresses will Wirt Arif Aydin an der Veranstaltung festhalten. „Rechts oder links interessiert mich nicht“, sagt er. „Ich bin der Gastgeber und fertig.“ Kongressteilnehmer übernachten auch in dem Gasthof. Bürgermeister Anton Kölbl (CSU) ist nicht glücklich, die GfP im Ort zu haben. „Das gefällt mir nicht, das ist ja klar.“ Ihm wäre es am liebsten, wenn das Treffen nicht stattfinden würde.

Margret Nickel, die sich bei der GfP engagiert, rechnet nicht mit einer Gegenveranstaltung. Die Hessin gibt sich arglos: „Wir machen doch nichts Bösartiges.“ Sührig hofft derweil auf „Widerstand aus der Bevölkerung“.

Bereits im Jahr 2017 hatten die Grünen den wachsenden Rechtsextremismus in der Region um Eschenlohe kritisch kommentiert. „Rechtspopulismus ist nicht nur gesellschaftsfähig geworden, er ist auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen, beziehungsweise war schon immer dort“, so Referent Sebastian Lipp damals.

von Roland Lory 

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