Früh Hinweise auf sexuelle Übergriffe in Jesuiten-Akten

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Ordensführer Stefan Dartmann.

Berlin - Schon vor fast 30 Jahren fanden sich Hinweise über den sexuellen Missbrauch von Schülern an einem Berliner Elitegymnasium in den Akten der Jesuiten.

Bereits im Jahr 1981 sei in einem offenen Brief in verklausulierter Form darauf hingewiesen worden, sagte Ordensführer Stefan Dartmann am Montag in Berlin. “Ich schäme mich dafür, dass damals nichts unternommen worden ist“, fügte er hinzu. Dartmann bat nicht nur die mindestens 20 Opfer der sexuellen Übergriffe in Berlin um Entschuldigung für die Missbräuche. “Ebenso bitte ich um Entschuldigung für das, was von Verantwortlichen des Ordens damals an notwendigem und genauem Hinschauen und angemessenem Reagieren unterlassen wurde.“

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Der Pater Provinzial berichtete, die beiden beschuldigten Jesuiten-Pater hätten in den 70er und 80er Jahren nicht nur Schüler des Canisius-Kollegs missbraucht. Zu beiden Lehrern fänden sich in den Ordensakten Hinweise auf Fehlverhalten auch an anderen Orten wie Hamburg, St. Blasien, Hildesheim und sogar aus Mexiko, Chile und Spanien. In allen Fällen sei der Missbrauch inzwischen verjährt. Dartmann bestätigte, dass auf einen der Lehrer im Jahr 1986 ein Mordanschlag verübt worden sei, den er leicht verletzt überlebt habe. Einer Meldung der “Berliner Morgenpost“ zufolge beging der Täter, ein Missbrauchsopfer, anschließend Selbstmord.

Beide Jesuiten waren Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre aus dem Orden ausgeschlossen worden. Einer der beiden Lehrer habe aus Chile geschrieben und seinen Austritt damit begründet, er wolle “dem Teufelskreis von Verfehlungen“ entgehen und heiraten.

Opfer fühlten sich im Stich gelassen

Dartmann sagte, in den Missbrauchsfällen trügen alle Verantwortung, nur die Opfer nicht. “Sie haben sich im Stich gelassen gefühlt.“ In Emails hätten sie darauf hingewiesen, dass die Übergriffe unentdeckt geblieben seien, “weil uns damals niemand geglaubt hätte“. Dartmann fügte hinzu: “Wir glauben den Opfern.“

Der Rektor des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, sagte, es sei “vielleicht ein Skandal“, dass die Verjährensfrist bei sexuellen Übergriffen ohne Vergewaltigung nur zehn Jahre betrage. Obwohl er früher Hinweise bekommen habe, sei ihm erst jetzt der “systematische Charakter der Übergriffe klargeworden“. Im Jesuitenorden gebe es nur interne Anzeigepflichten. Er frage sich deshalb: “Stimmt unser Verfahren?“

Zwischenbericht innerhalb von 14 Tagen

Inzwischen hat der Orden die Rechtsanwältin Ursula Raue beauftragt, die Missbrauchsfälle zu untersuchen. Sie ist die unabhängige Beauftragte der Jesuiten für Missbrauchsfälle. Sie wolle innerhalb der nächsten 14 Tage einen Zwischenbericht vorlegen, sagte Dartmann.

Der oberste Jesuit erklärte, seit 1978 habe er rund 1.200 Mitbrüder gehabt. Man könne jetzt “nicht auf Verdacht alle Akten durchstöbern“ und nach weiteren Missbrauchsfällen suchen. Es gelte vielmehr ein Klima von Aufklärung und Vertrauen zu schaffen. “Die Dinge sind vorgekommen, und ich fürchte, sie werden auch weiter vorkommen“, sagte Dartmann.

DAPD

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