Frost und Tauwetter bringen neue Probleme

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Glatteis in Hamburg. Der Herr geht barfuß und ein anderer Passant stürzt.

Hamburg - Nach dem Schnee kommt nun das Tauwetter mit Glatteis, hohen Pegelständen und einstürztenden Dächern. Der Winter bleibt Deutschland noch ein wenig erhalten.

Deutschland kommt ins Rutschen: Der wilde Wechsel von Tauwetter und Frost hat vielerorts neue Probleme verursacht. Straßen und Wege verwandelten sich in matschige oder spiegelglatte Eisbahnen und bescherten zahlreichen Schülern “eisfrei“. Streusalz wird vielerorts zunehmend zur Mangelware. Auf einem vereisten Bahnsteig im osthessischen Neuhof rutschte eine 16-Jährige aus, sie wurde von einem Zug überrollt und getötet. In Hamburg rückte die Feuerwehr innerhalb von vier Stunden mehr als 55 Mal aus, weil Fußgänger auf spiegelglatten Fußwegen stürzten und sich verletzten. In der Hansestadt blieben wie in Schleswig- Holstein und Niedersachsen viele Schulen geschlossen, weil die Dächer einzustürzen drohten. Das Bildungsministerium in Kiel stellte für diesen Freitag jedoch wieder normalen Schulbetrieb in Aussicht.

Linienbusse wurden in einigen Landkreisen gestoppt. In Freudenstadt wurde eine Planierraupe von einem Schneerutsch 50 Meter in die Tiefe gerissen, den sie selbst ausgelöst hatte. Der 43 Jahre alte Fahrer wurde leicht verletzt. Der Mann habe im Auftrag der Stadt am frühen Morgen Schnee eine Böschung hinuntergeschoben, den die Winterdienste abgeladen hatten, teilte die Polizei mit. Dabei gaben die Schneemassen unter dem zwölf Tonnen schweren Fahrzeug nach. Dank einer Luftbrücke haben die Menschen auf der von Eis eingeschlossene Ostseeinsel Hiddensee nun ausreichend Lebensmittel. “Dem Eisberg ist durch den Hubschraubereinsatz die Spitze genommen“, sagte Bürgermeister Manfred Gau. Die Stimmung auf der Insel sei gefasst. “Wir leben in der Natur, mit der Natur und von der Natur“, sagte Gau. Auf einer Insel müsse man bei extremen Wetterlagen wie dieser mit Einschränkungen rechnen. Am Mittwoch hatte ein Helikopter sieben Tonnen Lebensmittel, Medikamente und ander Dinge nach Hiddensee gebracht und Touristen aufs Festland geflogen.

Steigende Pegelstände an der Mosel

An der Mosel rechnen die Behörden mit steigendem Hochwasser. In Trier (Rheinland-Pfalz) erwartet das Hochwassermeldezentrum Mosel am Wochenende weiteres Hochwasser. Am Donnerstag erreichte der Mosel- Pegel dort 6,70 Meter, der Jahresdurchschnitt liegt bei 3,30 Meter. Probleme auch bei der Bahn: Gleisschäden bremsten den ICE-Verkehr auf der Strecke zwischen Nürnberg und München. Statt mit Tempo 300 dürften die Superschnellzüge dort streckenweise nur noch mit 160 Sachen rollen, sagte eine Bahnsprecherin in München und bestätigte einen Bericht der Ingolstädter Tageszeitung “Donaukurier“. Für die Fahrgäste ergäben sich so Verspätungen von rund zehn Minuten. Die Sicherheit sei nicht gefährdet. An manchen Stellen sei die Befestigung der Schienen an darunterliegenden Kunststoffplatten beschädigt. “Wir überprüfen die Gleise jetzt“, sagte die Sprecherin. Sobald die Prüfung beendet ist, soll das Tempolimit wieder aufgehoben werden. Wann dies der Fall ist, hänge auch vom Wetter ab.

Sorgen bereiteten Massen nassen Schnees auf vielen Dächern. Die Polizei in Kiel verbot vorsorglich das Betreten von Schulgebäuden. In Mecklenburg-Vorpommern musste ausgerechnet eine Skihalle vorübergehend geschlossen werden. Seit Mittwoch sei das Personal der Halle mit ihren 330 Meter langen Abfahrten damit beschäftigt, das Dach zu räumen, teilte der Betreiber mit. Auch im Sauerland ächzten die Dächer unter der Schneelast. In Attendorn stürzten zwei Männer in die Tiefe, als sie auf dem Dach einer Reithalle den Schnee räumten. Dabei verletzten sie sich schwer. Mehrere Betriebe wurden gesperrt.

Keine Besserung in Sicht

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ist vorerst keine Besserung in Sicht. Die von Westen kommende Warmluft komme in Richtung Nordosten nur “zögerlich“ voran. In der kommenden Woche sei zudem bereits mit neuer Kaltluft aus dem Osten zu rechnen. Allerdings will das Wasser- und Schifffahrtsamt in Stralsund nun ein Ersatzschiff, die “Grömitz“, für den Aufbruch einer Fahrrinne zu der Insel bereitstellen. Der eigentliche Eisbrecher “Ranzow“ ist nicht mehr einsatzbereit, da die Dauerbelastung der vergangenen Tage das Steuerbord-Ruder beschädigt hatte. Beide Eisbrecher können bis zu 30 Zentimeter starkes Eis brechen.

Wann die “Grömitz“ zum Einsatz kommt, teilte das Amt nicht mit. Auf dem Wasser um Stettin (Szczecin) waren vier deutsche und sieben polnische Eisbrecher im Einsatz, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Eberswalde. In den kommenden Tagen soll es dort aber wieder kälter werden. Die FDP forderte angesichts der Engpässe im Winterdienst eine bundesweite Streusalzreserve. “Der Bund muss als Auftraggeber alle Bundesländer zur Vorhaltung einer Mindestreserve an Salz drängen, damit im gesamten Bundesgebiet die Bundesverkehrswege auch in Wintersituationen uneingeschränkt befahrbar sind“, sagte der FDP- Verkehrsexperte Patrick Döring der “Rheinischen Post“ (Donnerstag).

dpa

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