"Je schwächer der Wunsch, desto..." 

Kein Whatsapp, kein Instagram, kein Facebook: was passiert, wenn Menschen zehn Tage auf ihr Smartphone verzichten

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Bei einer Studie verzichten Menschen zehn Tage lang auf ihr Smartphone. 

Eine Studie aus Dortmund zu Whatsapp, Instagram und Co. hat getestet, wie Menschen reagieren, die zehn Tage auf ihr Smartphone verzichten - das Ergebnis überrascht. 

Frankfurt - So so, der moderne Mensch erholt sich also besser von Alltagsstress und beruflicher Belastung, wenn er sich „bewusste Auszeiten“ vom Smartphone gönnt? Vielleicht gibt es zwei, drei unter diesen modernen Menschen, die sagen: „Eine überraschende Erkenntnis!“ Dann mag es ein, zwei Dutzend andere geben, die diese Meldung etwas altklug abtun dürften mit den Worten, dass ja wohl das Gegenteil die Nachricht gewesen wäre. 

Verzicht auf Smartphone 

Spannend ist doch vor allem die Frage: Wie viele der Damen und Herren, die sich bei so smarten Dienstleistern wie Instagram, WhatsApp und Facebook um die Nutzerbindung und die Erhöhung der Verweildauer kümmern, werden jetzt nervös? Jetzt, da eine kleine Studie der International School of Management (ISM) in Dortmund vorliegt, derzufolge „sich bewusste Auszeiten vom Smartphone positiv auf unsere psychische Erholung auswirken“. 

Anders formuliert: „Bei regelmäßigen Pausen nimmt das Verlangen nach dem Smartphone ab, das Abschalten von der Arbeit gelingt besser und es fällt uns leichter, zu regenerieren.“ So jedenfalls heißt es in der Meldung, die gestern von der Deutschen Presse-Agentur verbreitet wurde. 

Ausgehend davon, dass die Abgrenzung von Freizeit und Arbeitszeit „ein wichtiger Bestandteil für die psychische Gesundheit“ ist, hat Cassandra Zinn, die Autorin der „Tagebuchstudie“, eine Gruppe von Teilnehmern gebeten, zehn Tage aufs Smartphone zu verzichten und über diese Zeit Buch zu führen. 

Zehn Tage ohne Whatsapp, Instagram und Co. 

Für ihre Abschlussarbeit wertete Zinn die Antworten der Studienteilnehmer aus und kam zu folgendem Schluss: Über den Untersuchungszeitraum hinweg nahm das Verlangen nach dem Smartphone nicht nur ab, sondern der Effekt war umso stärker, je länger auf das Smartphone verzichtet wurde. 

Heißt also: Wenn der moderne Mensch erstmal zwei, drei Tage ohne den supersmarten Handschmeichler rumgebracht hat, sickert allmählich die Erkenntnis ins Bewusstsein, dass es auch ganz gut ohne geht. Keine Emails im Zug beantworten, kein Feedback ans Planungstool, kein Conf-Call in der Kaffeebar? Herrlich! Oder, um es mit den Worten der Autorin zu sagen: „Je schwächer der Wunsch nach dem Smartphone war, desto besser erholten sich unsere Studienteilnehmenden.“ 

Oder anders formuliert: „Wer für einen längeren Zeitraum auf das Smartphone verzichtet, verspürt weniger das Gefühl der Abhängigkeit und erlebt Entspannung intensiver.“ 

Spätestens jetzt sollten also die Zeitdiebe in den Verweildauer-Erhöhungs-Abteilungen der bereits genannten Konzerne nervös werden. Denn die Studie gibt laut dpa „nicht nur empirische Hinweise darauf, dass eine Auszeit vom Smartphone das mentale Abschalten erleichtert und das Gefühl von Entspannung und Kontrolle fördert“. 

Die beiden Autorinnen des Artikels „Abschalten – Psychische Belastungen durch bewusste Smartphone-Auszeiten abbauen“, der bereits im Fachblatt „Wirtschaftspsychologie“ (1/2-2019) erschienen ist, folgern auch, dass sich das gezielte Einrichten von smartphonefreien Zonen in Unternehmen, Schulen oder Universitäten positiv auf die Nutzer auswirken kann. 

Eine App, um vom Smartphone abzuschalten? 

„Viele Menschen beklagen zwar einerseits, zu viel Zeit mit dem Smartphone zu verbringen und sich unter Antwortdruck zu befinden“, sagt Autorin Ute Rademacher. „Andererseits gelingt es ihnen eigenständig nur sehr schwer, das Smartphone zur Seite zu legen und sich die Pausen zu nehmen, die für die Regeneration erforderlich sind.“ Nun, das wäre vielleicht eine Frage, an der sich die App-Entwickler ein bisschen abarbeiten könnten? Stichwort: Loslass-App. 

Die könnte man dann auch als „Mom&Dad“-Version anbieten, die dabei hilft, sich ganz sanft vom Telefon zu lösen, wenn der Nachwuchs irgendwas will. Denn da scheint es auch Bedarf zu geben, wie ein Appell des Magazins „Junge Familie“ nahelegt. 

In der Ausgabe 4/2019 geht es nämlich auch um das Thema „Babys richtig füttern: Handy weg beim Fläschchengeben“. Hier wird nicht um den heißen Brei herumgeredet: „Auch wenn es verlockend erscheinen mag, während des Fütterns fernzusehen, Emails zu checken oder Nachrichten zu beantworten: Ablenkungen sollten vermieden werden.“ 

Verzicht auf Smartphone heilt 

Und wer nun mit der frei gewordenen Hand nichts anzufangen weiß, dem wird glücklicherweise eine Empfehlung gereicht: „Während mit einer Hand die Milchflasche gehalten wird, sollte stattdessen die andere die Haut des Säuglings berühren oder das Köpfchen streicheln.“ Auch dabei lässt sich wunderbar entspannen. Und das fördert auch noch die Eltern-Kind-Bindung.   Von Boris Halva

Welche Alternativen gibt es für den Messenger Whatsapp?* Wir haben einige zusammengestellt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen einen Polizisten aus Mühlheim. Ihm wird vorgeworfen, rechtsextreme Bilder per Whatsapp verschickt zu haben.


*fr.de ist Teil der Ippen-Digital-Zentralredaktion.


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