Foodwatch

So eklig ist es in deutschen Gastro-Küchen

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Lebensmittelkontrolleuren fanden unter anderem eine mumifizierte Ratte in einer Küche.

Berlin - Mumifizierte Ratten, Schimmel, Bakterien und Ekel-Fett sind Alltag in den Küchen deutscher Gastro-Betriebe: Foodwatch hat die Lebensmittelkontrollen als ineffektiv kritisiert.

Die derzeitigen Lebensmittelkontrollen reichten nicht aus und Informationen über Beanstandungen seien für Bürger kaum zu bekommen, heißt es in einem Bericht, den die Verbraucherschutzorganisation am Donnerstag in Berlin vorstellte.

Krapfen werden in pechschwarzem Fett frittiert - das ist krebserregend.

„Die Politik schützt die Schmuddelbetriebe besser als die Verbraucher“, sagte Matthias Wolfschmidt von Foodwatch. Seit Jahren werde in Deutschland bei Kontrollen jeder vierte Lebensmittelbetrieb und fast jede fünfte Fleischprobe beanstandet, ohne dass Verbraucher die Namen von Unternehmen und Produkten erfahren würden. Stattdessen gebe es im Ringen um ein bundesweit einheitliches Gesetz ein „Zuständigkeits-Ping-Pong“ zwischen Bund und Ländern.

Darüberhinaus funktioniere das neue Verbraucherinformationsgesetz kaum: Wer von Behörden konkrete Auskünfte über Lebensmittelbetriebe oder mutmaßlich negative Kontrollergebnisse erfragt, beißt trotz des neuen Verbraucherinformationsgesetzes meist auf Granit. Laut einem am Donnerstag von der Verbraucherorganisation Foodwatch vorgestellten Praxistext geben die zuständigen Stellen die Informationen oft gar nicht oder nur gegen horrende Summen heraus. Von 54 Anfragen zu Ergebnissen und Beanstandungen, die Foodwatch in Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gestellt hatte, seien nur sieben komplett und kostenfrei beantwortet worden.

Schimmel und Bakterien wachsen auf diesen Eiern.

Für ihren Report "Von Maden und Mäusen" stellte die Organisation 54 Anfragen in Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Sie wollte wissen, in welchen Betrieben oder Produkten die behördlichen Kontrollen Probleme bei der Hygiene oder den Lebensmitteln ans Licht gebracht hatten. Allein für die Herausgabe der als gesundheitsgefährdend oder -schädlich eingestuften Proben aus einem Jahr verlangten die niedersächsischen Behörden 10.000 Euro. Die Stadt Essen wollte für 140 beanstandete Fleischproben fast 20.000 Euro haben. „Hätten wir alle Anträge vollständig weiterverfolgt, hätte das zusammen genommen etwa 174.000 Euro gekostet“, heißt es in dem Bericht. "Die Politik schützt die Schmuddelbetriebe in Deutschland besser als die Verbraucher", kritisierte Foodwatch-Vizechef Matthias Wolfschmidt.

Eine mit altem Fett und Teigresten verschmutzte Teigmaschine.

Auch mit der gesetzlich vorgeschriebenen Veröffentlichung von Grenzwertüberschreitungen bei Schadstoffen und Verstößen über der Bußgeldgrenze von 350 Euro sei es nicht weit her: Fast alle Bundesländer haben die Veröffentlichungen wegen zahlreicher Klagen aus der Wirtschaft ausgesetzt. Auch seien die Infos im Internet für Bürger kaum aufzufinden.

"Allen Skandalen zum Trotz lässt der Staat seine Bürger seit Jahren im Stich", erklärte Wolfschmidt. "Verbraucher müssen endlich erfahren, wer die Gammelfleisch-Händler oder Pferdefleisch-Panscher sind - ansonsten fehlt den Betrieben der Anreiz, sich an die Gesetze zu halten und der nächste Lebensmittelskandal ist nur eine Frage der Zeit." Foodwatch fordere deswegen die automatische Veröffentlichung aller Ergebnisse - "im Internet und an der Tür eines jeden Betriebes, Supermarktes oder Restaurants". Dänemark, New York und Toronto hätten längst vorgemacht, das nur dies Schmuddel-Wirte oder Wurst-Strecker stoppe.

dpa/afp

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