Ettal: Auch Pater sexuell missbraucht?

Ettal - In Ettal ist möglicherweise auch ein Pater sexuell missbraucht worden. Zudem wurde am Freitag bekannt, dass ein Pater Fotos von halbnackten Klosterschülern auf Homosexuellen- Seiten im Internet veröffentlicht hat.

Der Pater, der angibt, missbraucht worden zu sein, sei dazu mit einem früheren Ettaler Pater im Gespräch, der sich an ihn gewandt habe, berichtete der vom Kloster eingesetzte Sonderermittler Thomas Pfister am Freitag in Ettal. Angaben zum Täter machte Pfister nicht.

Außerdem wurde laut Pfister bekannt, dass ein Pater Fotos von halbnackten Klosterschülern auf Homosexuellen- Seiten im Internet veröffentlichte. Der beschuldigte Pater habe die Fotos der Buben mit freiem Oberkörper bei Bergwanderungen gemacht. Der Pater sei von seinen Aufgaben entbunden worden. Die zuständige Staatsanwaltschaft habe zur Aufklärung der Vorwürfe am Dienstag mehrere Rechner in dem Kloster sichergestellt. Frühere Schüler hatten im Internet nach Mitschülern gesucht und deren Fotos gefunden.

Die katholische Kirche in Bayern will die Vorwürfe zu Missbrauchsfällen schonungslos aufklären. Der vom oberbayerischen Kloster Ettal eingesetzte Sonderermittler Thomas Pfister betonte, er sei bei seinen Untersuchungen keinerlei Beschränkungen unterworfen.

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Er habe viele erschütternde E- Mails von früheren Klosterschülern erhalten. Demnach waren Kinder und Jugendliche in der Schule und im Internat des Klosters früher zum Teil systematisch körperlicher und seelischer Misshandlung sowie sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Die Vorwürfe richteten sich gegen mindestens 10 Patres, in der Summe müsse von mindestens 100 Opfern ausgegangen werden. Auch im Bistum Regensburg rief die Beauftragte zur Aufklärung sexuellen Missbrauchs, Birgit Böhm, alle Betroffenen auf, sich zu melden.

Die Ettaler Vorgange in vergangenen Jahrzehnten sind nach den Worten des Sonderermittlers zwar verjährt. Wenn sie aber von weltlichen Gerichten verhandelt worden wären, hätten sie wahrscheinlich zu jahrelangen Haftstrafen geführt, sagte Pfister. Eine systematische Kultur des Wegschauens und Verschweigens im Kloster habe ebenso wie eine falsch verstandene Solidarität den Tätern ihr Treiben erleichtert. Es habe sich bei den Vorfällen um Verfehlungen Einzelner gehandelt, man dürfe sich die Benediktiner- Abtei deshalb nicht als Gemeinschaft prügelnder und missbrauchender Klosterbrüder vorstellen. Und vor allem müsse man scharf zwischen dem Kloster von gestern und dem von heute unterscheiden.

Chronologie der Missbrauchsfälle

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Pfister ist Strafverteidiger in München und wurde von der Abtei mit der Prüfung der Vorwürfe gegen mehrere Mönche beauftragt. Bei den E-Mails früherer Ettaler Schüler sei keine einzige dabei gewesen, von der man hätte sagen können, dass es sich bei den Inhalten um offenkundigen Unsinn handele, sagte Pfister. Er zitierte aus mehreren Schreiben, in denen frühere Schüler von ihren traumatisierenden Erfahrungen berichteten. Unabhängig von Pfisters internen Ermittlungen laufen strafrechtliche Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft.

Im Skandal um sexuellen Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen ging es unterdessen um zwei frühere leitende Geistliche des Knabenchors. Die beiden Männer, die im Jahr 1984 gestorben sind, sollen wegen der Taten zu Haftstrafen verurteilt worden sein, berichtete der Sprecher des Bistums Regensburg, Clemens Neck, am Freitag. Der eine Verdächtige, ein ehemaliger Religionslehrer und stellvertretender Institutsleiter, wurde 1958 aus dem Dienst am Domspatzen-Gymnasium entfernt. Der andere Geistliche war wenige Monate auch Internatsleiter, er soll 1971 verurteilt worden sein.

Aktuelle Fälle lägen der Diözese Regensburg nicht vor, hieß es. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass es weitere Täter gebe und diese noch im Dienst seien.

Der frühere Leiter der Regensburger Domspatzen, Georg Ratzinger (86), hat nach eigenen Angaben keine Kenntnis über Missbrauchsfälle bei dem weltberühmten Knabenchor. Das sagte der Bruder von Papst Benedikt XVI. am Freitag dem Bayerischen Rundfunk in Regensburg. Georg Ratzinger leitete die Domspatzen von 1964 bis 1994.

dpa

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