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Strompreise 2022: Bis zu 120 Prozent mehr – hier wird es am teuersten

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Von: Johannes Nuß

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Kämpft gegen hohe Strompreise 2022: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck Grüne).
Bis zu 120 Prozent sollen Bestandskunden bei den Strompreisen 2022 mehr bezahlen. Damit es keine sozialen Härtefälle oder Stromsperren gibt, arbeitet die Bundesregierung mit Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne) an einer Strategie. (Symbolbild) © Christian Ohde/Kay Nietfeld/imago/dpa/Montage

Böse Entwicklung: Viele Versorger erhöhen den Strompreis 2022 – bis zu 120 Prozent im Vergleich. Betroffen sind Altverträge. Kommt der Strompreisdeckel?

Hannover/Berlin – Spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine schießen die Energiekosten und damit auch die Strompreise in 2022 in Deutschland deutlich in die Höhe. Der Gaspreis ist zwar eigentlich am meisten betroffen, doch inzwischen schlägt sich der Ukraine-Krieg auch auf die Strompreise nieder. Waren bis jetzt hauptsächlich Neukunden betroffen, so erhöhen die Energieversorger inzwischen auch Altverträge. Erhöhungen um bis zu 120 Prozent des Strompreises in 2022 sind keine Seltenheit. Doch Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) macht Hoffnung darauf, dass schon bald eine Strompreisbremse kommt. Dass der Strom bei zahlungsunfähigen Kunden abgestellt wird, soll ebenfalls verhindert werden.

Strompreise 2022: Aktuell müssen Kunden laut Check24 bis zu 120 Prozent für Energie mehr bezahlen

„Die hohen Strombörsenpreise sind auch Folge der gestiegenen Gaspreise. Gaskraftwerke sind essenziell im deutschen Strommix, um schwankende erneuerbare Energien auszugleichen und bestimmen so maßgeblich den Strombörsenpreis mit“, sagt der Geschäftsführer Energie von Check24, Steffen Suttner mit Blick auf die Strompreise 2022. Gerade erst haben in der Energiekrise 29 Unternehmen im Landkreis Diepholz einen Notruf abgesetzt.

Strompreise im Vergleich: Bereits im September 2022 schießen die Preise für Strom nach oben

Doch, viele Energieversorger in Deutschland wollen nicht abwarten und passen aktuell die Strompreise 2022 an. Soll heißen, sie erhöhen den Strompreis und das teilweise im Vergleich exorbitant. Nur im September und im Oktober werden mehr als 150 Stromlieferanten an der Preisschraube drehen – und zwar nach oben. Wie merkur.de berichtet, sollen bis zu 2,2 Millionen Kunden betroffen sein.

Entwicklung der Strompreise 2022: Am stärksten betroffen sind Kunden der Stadtwerke in Cottbus

Am stärksten betroffen sein werden wohl Kunden der Stadtwerke in Cottbus in Brandenburg. Wer hier einen Vertrag mit den Strompreisen in der Stufe CB|Privat_Basis hat, muss damit rechnen, dass sich sein Strompreis 2022 noch zum 1. Oktober erhöht. Als Basis gilt ein durchschnittlicher normaler Stromverbrauch von 5000 kWh, bei dem sich der Abschlag von 1603 Euro auf ganze 3531 Euro erhöht. Eine Erhöhung von 120,3 Prozent beziehungsweise eine Erhöhung des Strompreises um schlappe 1928 Euro im Jahr.

Strompreiserhöhung trifft in Niedersachsen vor allem die Kunden in Uelzen

Von der Strompreiserhöhung in Niedersachsen sind Kunden der Stadtwerke Uelzen besonders stark betroffen. Wer hier im Tarif „mycity basis HH“ ist, muss bei einem Stromverbrauch von 5000 kWh ab 1. Oktober statt bisher 1841 Euro nun 3835 Euro jährlich zahlen. Eine Preissteigerung von 108,3 Prozent.

Strompreis-Rechner: Tabelle zeigt die Strompreiserhöhung im Vergleich – eine Übersicht

In der folgenden Tabelle zum Strompreis-Rechner können Sie nachlesen, welche Grundversorger ihre Preise um mindestens 50 Prozent angehoben haben.

Aber nicht alle sind von den Erhöhungen des Strompreises 2022 gleichermaßen betroffen. Es gibt auch Energieversorger, die ihren Strompreis wenig bis gar nicht angepasst haben. Die Stadtwerke Gifhorn in Niedersachsen beispielsweise erhöhen aktuell ihren Strompreis nur um 0,13 Prozent, aufs Jahr gerechnet ergeben sich so Mehrkosten von gerade einmal 3 Euro.

Strompreise 2022: Die negative Strompreisentwicklung trifft Neukunden stärker als Bestandskunden

Noch heftiger trifft die Strompreisentwicklung allerdings die Neukunden im Jahr 2022. Aufgrund einer Gesetzesänderung im Juli 2022 sind Energieversorger berechtigt, bei Neukunden in der Ersatzversorgung den dreifachen Preis zu nehmen. Wer nämlich jetzt dazu gezwungen ist, den Stromanbieter zu wechseln, weil dieser beispielsweise den bestehenden Vertrag gekündigt hat, fällt automatisch in die Ersatzversorgung und da muss in den ersten drei Monaten richtig tief in die Tasche gegriffen werden, eben bis zu dreimal tiefer.

Entwicklung der Strompreise in Deutschland: In Bremen kostet Strom in der Ersatzversorgung bis zu 81,16 Cent

Beim Energieversorger swb in Bremen beispielsweise, müssen Neukunden in der Ersatzversorgung aktuell sage und schreibe 81,16 Cent pro Kilowattstunde berappen. Bei einem normalen durchschnittlichen Verbrauch von 5000 kWh ergibt sich so für die ersten drei Monate eine Abschlagszahlung von 347,44 Euro. Da hilft dann auch die Energiepreispauschale der Bundesregierung, von der nach Steuern sowieso nicht viel übrig bleibt, so gut wie überhaupt nicht.

Nach drei Monaten fällt der Kunde dann in die Grundversorgung und muss „nur“ noch 22,0,7 Cent je kWh zahlen. Dann mindert sich auch die Abschlagszahlung wieder und es sind bei 5000 kWh Verbrauch dann auch nur noch 100,68 Euro, die für den Strompreis im Monat berappt werden müssen.

Strompreise 2022: Bundesregierung bringt Strompreisbremse auf Weg – Strom- und Gassperren verhindern

Nicht gerade wenige Menschen in Deutschland fragen sich aufgrund der immer höher werdenden Strompreise 2022: Wie soll ich das alles noch bezahlen? Das gute ist, laut Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hat die Politik inzwischen eine Strompreisbremse auf den Weg gebraucht beziehungsweise ist gerade dabei, diese auf den Weg zu bringen. Angesichts der schieren Explosion bei den Energiepreisen 2022 in Deutschland wohl auch unumgänglich.

Steffi Lemke (Grüne), Verbraucherschutzministerin, und Robert Habeck (Grüne), Wirtschaftsminister.
Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke, hier mit Wirtschaftsminister Robert Habeck (beide Grüne), will einen Strompreisdeckel installieren, damit soziale Härtefälle vermieden werden. © Kay Nietfeld/dpa

Investieren statt Sparen: Auf Lindner wächst wegen hoher Strompreise und der Gasumlage der Druck

„Die Bundesregierung hat beschlossen, eine Strompreisbremse auf den Weg zu bringen“, sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Sie wird schon einmal die Zahl der Fälle verringern, in denen Menschen sich ihre Stromrechnung nicht mehr leisten können“, so Lemke. „Zusätzlich werden wir eine Regelung gesetzlich verankern, die Strom- und Gassperren verhindert.“ Beides zusammen sei ein wirksamer Schutz. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) fordert sogar einen Gaspreisdeckel. Und Finanzminister Lindner (FDP) legt eine Kehrtwende bei der Gasumlage hin.

An diesem Montag sind die Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine für die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher auch Thema eines Verbrauchertags in Berlin. Bei der digitalen Veranstaltung der Verbraucherzentralen will Lemke ihre Vorstellungen erläutern.

Ich habe die Sorge, dass es im nächsten Winter soziale Härtefälle geben könnte.

Bundesverbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne)

„Bei der Abfederung der Folgen von steigenden Energiepreisen und Inflation vermischen sich Sozialpolitik und Verbraucherschutz stark“, sagte die Politikerin. „Ich habe die Sorge, dass es im nächsten Winter soziale Härtefälle geben könnte.“ Als Ministerin für Verbraucherschutz sei für sie im Moment neben der Verhinderung von Strom- und Gassperren auch der Kündigungsschutz der Mieterinnen und Mieter essenziell. „Solche Maßnahmen wirken wie ein Sicherheitsnetz, und sie nehmen viele Ängste.“

Strom- und Gassperren seien schon jetzt an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Die Energieversorgungsunternehmen müssten Ankündigungsfristen einhalten. „Und eine Sperre darf nicht unverhältnismäßig sein“, betonte Lemke. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten daher zum Beispiel auf besondere Erschwernisse hinweisen, etwa wenn Kranke oder Kinder im Haushalt lebten. Lemke kündigte an: „Nun geht es darum, solche Optionen für den kommenden Winter anzupassen. Damit sorgen wir dafür, dass niemand keine Wärme- oder Stromversorgung mehr hat, weil er Rechnungen nicht bezahlen kann.“ Schließlich geht die Heizsaison 2022 gerade erst los.

Strompreise 2022: Kommission zum Wärme- und Gasmarkt erarbeitet Lösungen zu hohe Steigerungen

Lemke erinnerte an die Kommission zum Wärme- und Gasmarkt, die im Auftrag der Bundesregierung Lösungen gegen die Gasknappheit und die Preissprünge erarbeiten solle. „Von ihr erwarte ich Regelungen, die einerseits die Energiesicherheit, also die Versorgung für Verbraucher und Wirtschaft, sicherstellen, und die andererseits soziale Härten auffangen.“ Lemke sagte: „Der Verbraucherschutz muss in dieser Kommission mit am Tisch sitzen.“

Damit reagierte die Ministerin auch auf Äußerungen der Vorsitzenden des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Ramona Pop. Pop hatte sich verwundert darüber gezeigt, dass der Verbraucherzentrale Bundesverband nicht in die Expertenkommission Wärme/Gas der Regierung eingeladen worden sei. „Verbraucherinnen und Verbraucher müssen die Auswirkungen der Energiepreiskrise unmittelbar tragen“, hatte Pop die Auswirkungen der Strompreise 2022 betont. (mit Material der dpa)

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