Test zeigt: zu viel Dioxin in deutschen Legehennen

München - Einige Legehennen enthalten deutlich mehr Dioxin als erlaubt. Mehrere Staaten stoppen deutsche Ei- und Fleischprodukte. Gegen den Hersteller des Futterfetts werden immer neue Vorwürfe laut.

In deutschen Legehennen ist zu viel Dioxin gemessen worden. Drei Hühner hätten das 2,5-fache des erlaubten Gift- Grenzwerts aufgewiesen, bestätigte das Landwirtschaftsministerium in Berlin am Samstag. Derweil wurden neue Vorwürfe gegen die Futterfett- Firma Harles und Jentzsch laut: Der Verdacht des Betrugs und der Steuerhinterziehung liege nahe, sagte Sprecher Gert Hahne vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. Das Magazin “Der Spiegel“ berichtet zudem, das Unternehmen habe staatlichen Kontrolleuren überhöhte Dioxin-Werte vorenthalten.

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Im Bundeslandwirtschaftsministerium gehen derzeit die ersten Ergebnisse zahlreicher Dioxin-Analysen ein, teilte dessen Sprecher Holger Eichele am Samstag mit. Das Fettgewebe dreier Legehennen aus Nordrhein-Westfalen wies demnach erhöhte Dioxin-Gehalte von 4,99 Pikogramm Dioxin je Gramm Fettgewebe auf. Der Grenzwert liegt bei 2 Pikogramm je Gramm (pg/g). Ein Pikogramm ist ein billionstel Gramm. “Das Fleisch ist nicht in Verkehr gekommen. Die Tiere wurden getötet und die Tierkörper unschädlich vernichtet“, erklärte Eichele. “Alle Eier des Betriebs wurden von den Behörden zurückgerufen und die betreffenden Eiernummern im Internet veröffentlicht“, ergänzte er. Legehennen werden unter normalen Umständen unter anderem als Suppenhühner verkauft. Bei drei betrieblichen Eigenkontrollen von Hähnchen sei der Gehalt von 2 pg/g nicht überschritten.

Für Mastputen gab es drei Ergebnisse für drei Proben, auch hier sei der Höchstgehalt von 2 pg/g eingehalten. Sechs betriebliche Untersuchungen von Schweinefleisch zeigten keine Überschreitungen des Höchstgehalts von 1 pg/g. Nach Ansicht des niedersächsischen Ministeriumssprechers Hahne spricht vieles dafür, dass der Futterfetthersteller Harles und Jentzsch seine Kunden betrogen und technische Mischfettsäure als teures Futterfett verkauft habe. Für eine Tonne Industriefett habe die Firma bloß 500 Euro erlösen können, für eine Tonne Futterfett hätten die Kunden aber 1000 Euro bezahlt. Hier liege der Verdacht der falschen Rechnungsstellung und somit der Steuerhinterziehung nahe, sagte Hahne. Ohnehin ermittelt die Justiz gegen das Unternehmen wegen des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz.

Niedersachsen hält den Atem an

Allein Niedersachsen rechnet wegen des Futters mit Zehntausenden dioxinbelasteten Schweinen. Das Land hat vorsorglich insgesamt 3285 Schweine-Betriebe mit einem vorläufigen Handelsverbot belegt. Agrar- Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke (CDU) erwartet, dass 95 Prozent dieser Betriebe und deren Fleisch nicht mit erhöhten Dioxin- Grenzwerten belastet seien. Allein die verbleibenden 5 Prozent entsprechen jedoch - rechnerisch - einer Zahl von 164 Betrieben. Der Fettanteil im Schweinefutter ist deutlich niedriger als im Futter für Legehennen. Die Sperrung sei angeordnet worden, um mögliche Export-Probleme und Sanktionen durch die EU zu verhindern, sagte der Staatssekretär am Freitag in Hannover.

Das mindert internationale Sorgen nicht: Südkorea blockiert bereits seit Mitte vergangener Woche Schweinefleisch aus Deutschland. Das bestätigte der Sprecher von EU-Verbraucherkommissar John Dalli der Nachrichtenagentur dpa in Brüssel am Samstag. Nach Angaben der “Süddeutschen Zeitung“ ist Südkorea das erste Land, das wegen des Skandals ein Importverbot für deutsches Fleisch verhängt. Unterdessen haben britische Supermärkte Produkte, die von deutschen Dioxin-Eiern verseucht sein könnten, aus dem Regal genommen. Die meisten der Kuchen und Törtchen, die betroffen sein könnten, seien bereits verkauft und vermutlich schon gegessen, teilte die für Ernährung zuständige Behörde Food Standards Agency (FSA) mit. Russland verschärfte die Einfuhrkontrollen für deutsches Schweinefleisch und Geflügel.

Einen Importstopp schloss die Lebensmittelbehörde in Moskau nicht aus. Schon am Freitag hatte die Slowakei ein einstweiliges Verkaufsverbot für Eier und Geflügelfleisch aus Deutschland verhängt. Immerhin können die niedersächsischen Milchbauern aufatmen: “Sämtliche 462, vorsichtshalber gesperrten Milchbetriebe sind wieder freigegeben“, sagte Hahne in Hannover. Der Höchstgehalt für Dioxine in Rohmilch und Milcherzeugnissen von 3,0 Pikogramm pro Gramm Fett sei in keiner Probe überschritten worden. Seit bekanntwurde, dass Dioxin in deutsches Tierfutter gelangte, haben die deutschen Behörden in zahlreichen Betrieben vorsorglich Tiere töten lassen oder den Verkauf untersagt. Das Gift gelangte in Futter für Hühner und Schweine, das an Hunderte Höfe verkauft wurde. Der könnten in den nächsten Tage weitere positive Befunde folgen.

Wegen Dioxin-Verdachts haben die Behörden unter anderem in einem Thüringer Schlachthof rund 6,6 Tonnen Fleisch sichergestellt. Ein Teil davon stamme von Schweinen aus einem Mastbetrieb in Sachsen- Anhalt, wo die Tiere vermutlich dioxinbelastetes Futter erhalten haben, teilte das Gesundheitsministerium mit. Der Vorsitzende des EU-Parlamentsausschusses für Umwelt, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit, Jo Leinen, verlangte ein Treffen der EU-Fachminister und aller Verantwortlichen. “Die Praxis der Kontrollen in den Mitgliedsländern sollte überprüft und mögliche gesetzliche Lücken geschlossen werden“, sagte der deutsche Sozialdemokrat der Nachrichtenagentur dpa. “Es gibt deutliche Schwachstellen beim Transport und bei den Produktionsanlagen für Futtermittel. Wir brauchen eine strikte Trennung der Produktion von Futtermitteln und der von Industriestoffen. Heute werden in industriellen Agrarbetrieben auf in und demselben Hof Nahrungsmittel und Industriestoffe hergestellt. Die Silos stehen nicht weit voneinander entfernt. Das ist eine Schwachstelle, die nicht konkret gesetzlich geregelt ist.“ Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht auf der Grundlage der bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse von Eiern und Geflügelfleisch keine akute Gesundheitsgefahr für Verbraucher - zumindest nicht “durch den einmaligen Verzehr dieser Produkte“.

dpa

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