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Erneuerbare Energien weiter auf dem Vormarsch: Windkraft sorgt für Rekord – und Probleme

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Von: Yannick Hanke

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Auch in Deutschland sind Erneuerbare Energien gefragt. Vor allem die Windkraft sorgt hierzulande für einen Rekord. Ganz ohne Probleme geht es aber auch nicht.

Berlin – Um den Klimawandel einzudämmen, muss Deutschland die Energiewende schaffen. Das ist Fakt. Doch wo steht das Land eigentlich, wenn es speziell um den Ausbau der Windkraft geht? Grundsätzlich kann bei der Öko-Energie in deutschen Gefilden ein Rekord verzeichnet werden. Doch gibt es auch Probleme, die zuletzt am Sonntag, 15. Januar 2023, auftraten.

Erneuerbare Energien (EE) in Deutschland: Windkraft sorgt für einen neuen Rekord – und Probleme zugleich

An diesem Datum konnte Deutschland erneut einen Rekord bei der Erzeugung erneuerbarer Energien (EE) erreichen. Das lag nicht zuletzt an den starken Winden an der Küste. Problem nur: Womöglich waren diese sogar schon etwas zu stark. In Baden-Württemberg hatte die TransnetBW-App Stromgedacht Alarm geschlagen – und Verbraucher sogar zum Stromsparen aufgerufen.

Über den Rekord bei der Erzeugung erneuerbarer Energien in Deutschland sollte Bruno Burger informieren. Der Professor am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE berichtet über die neuesten Entwicklungen in diesem Bereich regelmäßig via Twitter. So hatten erneuerbare Energien einen Anteil von 95,9 Prozent an der Last, die sich aus Stromverbrauch und Netzverlusten zusammensetzt. An besagtem Sonntag wären vom in Deutschland erzeugten Strom 78,3 Prozent aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Windkraft, gekommen.

Windenergie mit großen Auswirkungen auf Deutschlands Stromnetz – Warnung für Verbraucher

Doch, das gehört auch zum eingangs erwähnten Rekord dazu: In diesem Kontext sind nicht nur erfreuliche Nachrichten zu vermelden. Denn so viel Windstrom hat auch Auswirkungen auf das gesamte Stromnetz. Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW hatte sich hierzu bereits auf Twitter geäußert:

Parallel dazu hatte die zu TransnetBW gehörende App Stromgedacht eine Warnung für die Verbraucher ausgesprochen. In dieser hieß es, dass sie die Nutzung energieintensiver Geräte entweder zeitlich vorverlegen oder nach Möglichkeit zwischen 17:00 und 19:00 Uhr ganz ausfallen lassen sollen. Und das alles, obwohl durch den extrem starken Wind besonders viel Windstrom erzeugt werden konnte. Warum?

Windkraft in Deutschland: Ungleichgewicht im deutschen Stromnetz bei viel Wind im Norden

Der Hintergrund ist die Stabilisierung des Stromnetzes. Ein konkretes Beispiel zur Veranschaulichung: Wird an besonders stürmischen Tagen an der mit Windkraftanlagen gut ausgestatteten Nordseeküste besonders viel Strom erzeugt wird, im Süden jedoch weniger, dann kann das zu Ungleichgewichten im Netz führen.

Wasser steht auf einem Feld vor einem Windpark.
Im Bereich der Erneuerbare Energien (EE) sorgt die Windkraft in Deutschland für einen Rekord – und Probleme. © Christian Charisius/dpa

In diesem Fall muss TransnetBW Windkraftanlagen herunterfahren, im Süden Deutschlands zusätzliche Kraftwerke hochfahren oder aber auch kurzfristig Strom aus dem Ausland zukaufen. Wie der Südkurier berichtete, hätte TransnetBW solche Eingriffe zur Stabilisierung des Netzes allein in der ersten Dezemberwoche 2022 mehr als 60 Mal angeordnet.

„Das Ungleichgewicht kommt nicht durch die Windräder, sondern durch die Netze. Die schützen wir heute mit Redispatch und langfristig mit dem Netzausbau“, hieß es von TransnetBW selbst via Twitter.

Deutschland muss auf Erneuerbare Energien setzen – auch fürs Klimaziel

Ein aktuelles Beispiel, das zeigt: Geht es um Erneuerbare Energien in Deutschland und wird der Blick speziell auf die Windkraft gerichtet, dann liegt allem Anschein nach noch einiges im Argen. Dabei ist es derzeit so wichtig wie noch nie, Alternativen zum Gas aus Russland zu finden. Als Reaktion auf die Sanktionen gegen das Land, hatte Präsident Wladimir Putin die Gaslieferungen nach Westeuropa weitgehend eingestellt. Dadurch sind Gas- und Strompreise in nie gekannte Höhen katapultiert worden. Die Verbraucher bekommen das schmerzhaft zu spüren.

Der mit Abstand wichtigste Stützpfeiler für die Energiewende ist die Windkraft. Bis spätestens 2045 will Deutschland klimaneutral werden. Doch schon das Klimaziel 2030 gerät ins Wanken. Fakt ist: nach aktuellen Berechnungen des Branchenverbandes Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hätten Windkraftanlagen 2022 etwa ein Sechstel der gesamten hiesigen Stromerzeugung abgedeckt. Das reicht noch nicht. Bis 2030 müssen im Schnitt täglich sechs Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils rund vier Megawatt (MW) gebaut werden.

Windkraft soll in Deutschland größeren Stellenwert einnehmen – Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) legt Leistung fest

Nach dem Willen der Politik in Form der Bundesregierung soll die installierte Leistung bis 2045 mehr als verdreifacht werden. Ein ehrgeiziges Ziel, zumal Deutschland 2022 nur Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von rund zwei Gigawatt (GW) zugebaut hat. Zeitweise wurden in den Plänen der Regierung sogar drei Gigawatt, also 3000 Megawatt, als Zielmarke kommuniziert.

De facto ist in der aktuellen Version des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) allerdings von einer installierten Leistung von insgesamt 69 Gigawatt im Jahr 2024 die Rede. Das würde einem Zubau von insgesamt etwa 13 Gigawatt für die Jahre 2022, 2023 und 2024 entsprechen. Was aber bedeutet das für die kommenden Jahre?

Nach Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende müssten 2023 und 2024 jeweils 5,4 Gigawatt, 2025 bis 2028 jeweils zusätzlich 7,5 Gigawatt sowie 2029 und 2030 sogar acht Gigawatt pro Jahr produziert werden.

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