Elternbündnis sammelt "Killerspiele" ein

+
Christiane Sättler-Adel, Vorstand im Förderverein Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden, zeigt einen Button gegen Killerspiele.

Stuttgart - Zwei konkurrierende Sammelaktionen von Killer- Computerspielen sind am Samstag in der Stuttgarter Innenstadt friedlich verlaufen.

Ein nach dem Amoklauf von Winnenden gegründetes Elternbündnis sammelte “Killerspiele“ ein, um sie zu entsorgen. Bis zum frühen Nachmittag hatten vor allem Jugendliche etwa zwei Dutzend Computerspiele wie das umstrittene Counter-Strike in einen Müllcontainer geworfen.

Wenige hundert Meter entfernt hatten sich derweil überzeugte Computer-Spieler zu einer Gegenaktion postiert. Die Aktivisten sammelten unter dem Motto “Videospiele - Menschen verbinden statt aufhetzen“ Computer-Spiele, um sie an Jugendtreffs weiterzureichen. Sie fühlten sich “pauschal verurteilt“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbandes für Deutschlands Video- und Computerspieler, Patrik Schönfeldt.

Das Elternbündnis, das wegen seines Engagements gegen “Ego- Shooter“ (eine Kategorie von Computerspielen) und großkalibrige Waffen seit seinem Bestehen angefeindet wird, hatte für den Samstag aus Angst vor Angriffen einen privaten Sicherheitsdienst engagiert.

Elternbündnis-Vorstand Hardy Schober sagte, es gehe weniger um die Masse, denn um die Symbolik: “Wir wollen, dass diskutiert wird und ein Zeichen setzen, dass Killerspiele aus den Kinderzimmern verbannt werden.“ Schober hat bei dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen am 11. März, bei dem ein 17-Jähriger 15 Menschen und sich selbst erschoss, seine Tochter verloren. Er und seine Mitstreiter setzen sich für eine Ächtung von sogenannten Killerspielen ein, weil sie einen Zusammenhang zwischen ihnen und Amokläufen sehen. “Wenn ich einen Amoklauf in Deutschland mit der Aktion verhindere, ist das Ziel erreicht.“ Die Aktion soll in anderen Städten fortgesetzt werden.

Ein Aktivist des Spieler-Verbandes demonstrierte derweil am Samstag gegen die Ächtung von Computerspielen und gegen die Vernichtung von “Kulturgut“. Ein Plakat mit dem Slogan “Stoppt den Trauer-Terror“ wurde nach Beschwerden von Passanten aber schnell verstaut. Der Spieler-Verband begrüßte zwar die Bemühungen des Aktionsbündnisses, Eltern aufmerksam zu machen, dass nicht alle Medien für ihre Kinder geeignet sind. Die “massenhafte Vernichtung von Kulturgut“ könne aber angesichts der deutschen Geschichte falsch aufgefasst werden, sagte Schönfeldt.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Xi Jinping warnt vor Gefahren für China

Xi Jinping warnt vor Gefahren für China

Sparsam arbeiten: So pariert man ein Rinderfilet

Sparsam arbeiten: So pariert man ein Rinderfilet

Citroën C3 Aircross im Test: Aufbruch ins Abenteuerland

Citroën C3 Aircross im Test: Aufbruch ins Abenteuerland

Meistgelesene Artikel

Zeitumstellung 2017: Wann wird die Uhr auf die Winterzeit umgestellt?

Zeitumstellung 2017: Wann wird die Uhr auf die Winterzeit umgestellt?

Schamlos: Apotheker wegen mutmaßlichem Betrug mit Krebspräparaten vor Gericht

Schamlos: Apotheker wegen mutmaßlichem Betrug mit Krebspräparaten vor Gericht

Verurteilt: Jugendlicher versuchte aus Hass seine Eltern mit Axt zu töten

Verurteilt: Jugendlicher versuchte aus Hass seine Eltern mit Axt zu töten

Das kann jeder Zeuge für einen Menschen tun, der verbal angegriffen wird

Das kann jeder Zeuge für einen Menschen tun, der verbal angegriffen wird

Kommentare