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„Meilenstein“ in der Diabetes-Bekämpfung: Medikament verzögert Krankheitsbeginn

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Von: Carolin Gehrmann

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In den USA wurde ein neues Medikament zugelassen, dass den Ausbruch von Diabetes Typ 1 bei Kindern verzögert. In Deutschland sieht man das als „Meilenstein“ in der Bekämpfung der Krankheit.

Bremen – Den Ausbruch der genetisch bedingten „Zuckerkrankheit“ Diabetes mellitus Typ 1 medikamentös verhindern zu können, wäre ein Durchbruch in der Bekämpfung der Krankheit. In den USA wurde nun das Medikament „Teplizumab“ zugelassen, dem das zumindest zeitweise gelingt. Auch wenn die hemmende Wirkung nicht von Dauer ist, sondern der Beginn der Krankheit lediglich verzögert wird, gilt das Mittel dennoch als „Meilenstein“ in der Bekämpfung von Diabetes – auch bei deutschen Experten.

Diabetes: Neues Medikament verhindert zeitweise Ausbruch der Autoimmunkrankheit

Bei Diabetes mellitus vom Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. Das Immunsystem richtet sich dabei gegen den eigenen Körper und greift die Zellen in der Bauchspeicheldrüse an, die das Hormon Insulin produzieren. Der Zucker aus dem Blut kann in der Folge nicht mehr vom Körper aufgenommen werden. Der Blutzuckerspiegel ist dadurch dauerhaft erhöht. Betroffene müssen sich in der Regel für den Rest ihres Lebens Insulin spritzen.

Diabetes mellitus
Diabetes entwickelt sich oft bereits im Kindesalter. Ein neues Medikament kann den Ausbruch der Krankheit um zwei Jahre verzögern. © Jörg Carstensen/dpa

Corona und Diabetes: Seit Beginn der Pandemie 15 Prozent mehr Diabeteskranke

Ein Typ-1-Diabetes entwickelt sich meist bereits im Kindesalter. Genetische Faktoren spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Die Rate der Neuerkrankungen steigt allerdings weltweit. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr 3.700 Kinder und Jugendliche an der sogenannten Zuckerkrankheit. Die Corona-Pandemie hat der Krankheit ebenfalls neuen Auftrieb gegeben und für mehr Diabetes-Fälle gesorgt: Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ging die Zahl der Neudiagnosen zwischen Anfang 2020 und Mitte 2021 um 15 Prozent nach oben. Die genauen Gründe dafür sind noch unklar.

Neues Diabetes-Mittel in den USA: Krankheitsbeginn wird um zwei Jahre hinausgezögert

Das Medikament „Teplizumab“, das von der US-Arzneimittelbehörde FDA vergangene Woche zugelassen wurde, handelt es sich um Antikörper, welche die falsch geleitete Autoimmunreaktionen unterdrücken und damit auch die Attacke auf die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Laut einer Studie, die in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine erschienen ist, kann es so den Beginn der Krankheit im Schnitt um zwei Jahre hinauszögern.

Auch wenn Teplizumab die Krankheit nicht vollständig verhindern kann, spricht die Direktorin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz-Zentrum München, dennoch von einem „absoluten Meilenstein“ in der Behandlung des Typ-1-Diabetes. Zum ersten Mal stehe damit ein Medikament zu Verfügung, das bereits im Frühstadium der Krankheit wirkt. In den USA ist es für Kinder ab acht Jahren zugelassen. Das Ziel, die Krankheit künftig ganz verhindern zu können, ist damit möglicherweise ein Stück näher gerückt.

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