Mobilfunk als Chance gegen das Virus?

Coronavirus: Telekom will Handydaten an das RKI übermitteln - droht jetzt noch ein Datenskandal?

Coronavirus: Kommt jetzt noch ein Datenskandal? Telekom und RKI wollen Handydaten auswerten. Datenschützer weisen auf Schwierigkeiten bei der Anonymisierung hin.

  • Die Bewegungsfreiheit in Deutschland ist seit Beginn der Woche massiv eingeschränkt - nicht alle halten sich daran.
  • Um das Ausmaß der Bewegung abzuschätzen, will das Robert-Koch-Institut jetzt Handydaten nutzen.
  • Datenschutzexperten zeigen sich beunruhigt.

Berlin - Schulen, Kitas, Spielplätze und viele Geschäfte sind geschlossen. Mit immer dringlicheren Appellen richten sich Politiker an die Bürger - alle sollen, wann immer möglich, zu Hause bleiben um die Ausbreitung des Coronavirus* in der Bevölkerung zu verlangsamen. Doch wie vielerorts deutlich wird: Bei Weitem nicht alle halten sich daran. 

Um einen Überblick darüber zu bekommen, wie viele Menschen sich noch auf den Straßen befinden, will das Robert-Koch-Institut in Zusammenarbeit mit der Telekom jetzt zu einer Maßnahme greifen, die - wie vieles andere - noch vor kurzer Zeit komplett unmöglich schien. 

Coronavirus Handydaten: Das RKI will Nutzerdaten auslesen lassen

In anderen Ländern wird die Erfassung der Bewegungsdaten der Bevölkerung längst schon praktiziert. Zum Beispiel in der Lombardei, der in Italien am stärksten betroffenen Region. Hier hat die Auswertung von Daten von Funkmasten ergeben, dass sich viele nicht an die Ausgangssperre halten. 

In China wurden nicht nur die Daten von Funkmasten genutzt, sondern Kontakte von Handynutzern über staatlich kontrollierte Apps und Daten von Eisenbahngesellschaften erfasst und zur Einleitung weiterer Maßnahmen genutzt. Wie der Tagesspiegel schreibt, gab der chinesische Staat ein Farb-Code-System in einer App aus, anhand dessen Nutzer etwa die Dauer einer nötigen Quarantäne ablesen konnten.

In Deutschland planen das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Telekom nachzuprüfen, ob die Bewegungsprofile von Menschen nachgelassen haben - mithilfe der Auswertung von Handydaten. Telekom und RKI versichern dabei, dass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind.

Coronavirus Handydaten: Datenschützer melden Zweifel an

Was Datenschützer EU-Datenschutzbeauftragte Wojciech Wiewiorowski anmahnt ist, dass „die vollständige Anonymisierung von Telefondaten technisch schwierig" sei. Dem widerspricht die Telekom - sie will bundesweite Daten übermitteln, die auf Kreise oder Gemeinden heruntergebrochen werden können. Ziel der Maßnahme ist es laut RKI, datenbasierte Entscheidungen treffen zu können.

In den USA ist die Trump*-Regierung unterdessen mit Facebook und Google im Gespräch, um etwa anhand von Nutzerdaten medizinische Notwendigkeiten besser vorhersagen zu können. Für die EU gilt: Die europäische Datenschutzgrundverordnung und die sogenannte E-Privacy-Richtlinie enthalten Klauseln für Ausnahmen zur Krisenbewältigung. Das heißt, dass in Krisenfällen grundsätzlich auch individuelle Nutzerdaten erfasst werden können oder die Daten mit Gesundheitsdaten verknüpft werden können. Grundlage müssten nationale Gesetze sein, die nur für Ausnahmefälle in Krisenzeiten gelten. 

*Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa / Joan Mateu

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