Covid-19-Ausbruch

Corona-Alarm in Seniorenheim: Landkreis erstattet Strafanzeige - schwere Vorwürfe der Betreiber

In Wildeshausen bei Oldenburg ist einem Seniorenheim das Coronavirus ausgebrochen. Der Geschäftsführer ist freigestellt worden. Nun ist Strafanzeige gestellt worden.

  • In Wildeshausen (Niedersachsen) ist das Coronavirus ausgebrochen
  • Seniorenheim steht im Zentrum des Covid-19-Ausbruchs
  • Streit zwischen Landkreis Oldenburg und Seniorenheim eskaliert

Update, 7. April, 11.45 Uhr: Rund um den Coronavirus-Ausbruch im Seniorenheim Atrium am Wall in Wildeshausen (Niedersachsen) hat sich ein Streit entwickelt. Mitarbeiter und der Geschäftsführer des Seniorenheims erheben schwere Vorwürfe gegen die Kreisverwaltung. Der Landkreis Oldenburg hat seinerseits Strafanzeige gegen das Seniorenheim erstattet. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg laufen.

Coronavirus in Seniorenheim in Wildeshausen: Infektionen in Notunterkunft

Update, 5. April, 9.55 Uhr: Auch in der Notunterkunft in Bookholzberg, in die 15 zu diesem Zeitpunkt noch nicht positiv gestesten Atrium-Bewohner umgezogen sind, wurden nun Covid-19-Erkrankungen festgestellt. Die Betroffenen wurden zurück ins Seniorenheim Atrium am Wall nach Wildeshausen gebracht. Auf der Hinfahrt nach Bookholzberg soll es erneut zu Verfehlungen bei den Corona-Schutzmaßnahmen gekommen sein, berichtet kreiszeitung.de*.

Update, 3. April, 15.15 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg und die Polizei Delmenhorst haben Ermittlungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen die Vorschriften des Infektionsschutzgesetz und etwaiger anderer Straftaten aufgenommen.

Die Geschäftsführung der Wildeshauser Seniorenresidenz Atrium am Wall hat mit „großem Bedauern“ zur Kenntnis genommen, dass die Anzahl der Bewohner mit einer Coronavirus-Infektion am Donnerstag wesentlich höher lag als am Freitag vergangener Woche und entschuldigt sich. Geschäftsführer Thomas Münch weist aber Anschuldigungen zurück: „Wir haben seitens des eigenen Managements alles vorgegeben, um genau diese Situation zu verhindern. Von der Pflegedienstleitung und den Pflegekräften sind die vom Gesundheitsamt angeordneten Maßnahmen auf jeden Fall streng umgesetzt worden. Trotzdem werden wir intern prüfen, ob es bei der Umsetzung der behördlich angeordneten Maßnahmen Probleme gegeben hat.“

Coronavirus im Seniorenheim in Wildeshausen: Mehr Fälle gemeldet

Update von 14.15 Uhr: In einer Pressemeldung erklärt der Landkreis Oldenburg, warum die Teil-Evakuierung des Seniorenheims unabwendbar war. Zudem wurden zahlreiche weitere Infizierte gemeldet, die im Atrium am Wall in Wildeshausen wohnen oder dort tätig sind. Mit einem Bus und Rettungsfahrzeugen wurden 15 Bewohner des Seniorenheims zu einem Gästehaus in einem Nachbarort gefahren, berichtet kreiszeitung.de*.

Update, 2. April: Überraschende Entwicklungen in der Behandlung der Coronainfizierten in der Wildeshauser Seniorenresidenz Atrium. Wie jetzt bekannt wurde, hat Geschäftsführer Thomas Münch den bisherigen Einrichtungsleiter Knuth Maier-Preuß vom Dienst freigestellt. Zu den Gründen wollte er sich nicht äußern. Angehörige hatten jedoch kritisiert, dass Maier-Preuß noch am Sonntagabend ohne Maske und Schutzkleidung bei nichtinfizierten Bewohnern im Zimmer gewesen war. So auch bei einem Mann, der eine chronische Lungenkrankheit im Endstadium sowie Krebs hat (Verwandte der Redaktion bekannt).

Der Umzug begann am Donnerstag gegen 11 Uhr.

Unterdessen plant derLandkreis Oldenburg nach Informationen unserer Zeitung für heute den Umzug der nichtinfizierten Bewohner in ein leerstehendes Hotel in Bookholzberg (Ganderkesee). Die Sachen seien bereits gepackt, so Angehörige. Nun werde aber noch abgewartet, wie viele Personen nicht mit dem infiziert sind. Um das festzustellen, hatte das Gesundheitsamt am Mittwoch weitere Schnelltests veranlasst - die Ergebnisse lagen am Donnerstagvormittag noch nicht vor.

Update, 1. April: Für alle Bewohner und alle Mitarbeiter des Atrium in Wildeshausen ist eine 14-tägige Quarantäne verordnet worden. Die negativ getesteten Bewohner sind, sofern sie nicht vorher schon Einzelzimmer hatten, in solchen untergebracht worden, berichtet kreiszeitung.de*. Die Quarantäne bedeutet für alle Bewohner Verbleib auf dem Zimmer. Spaziergänge durch die Einrichtung sind nicht möglich. Auch für alle Mitarbeiter, ob positiv oder negativ getestet, ist eine 14-tägige Quarantäne angeordnet. Mit einer Ausnahme: „Die Aussetzung der Quarantäne unter Auflagen für die Arbeitszeit.

Update, 19.45 Uhr: Corona-Ausbruch im Landkreis Oldenburg: Es gibt einen weiteren Todesfall in der Seniorenresidenz Atrium am Wall in Wildeshausen. Wie der Landkreis Oldenburg am Montagabend berichtete, ist am Montag ein 89-jähriger Bewohner gestorben, der zu den 23 Covid-19 positiv getesteten Bewohnern gehörte. „Zu schwersten Vorerkrankungen, die eine deutlich höhere Anfälligkeit bedeuten, kam nun eine Infektion mit dem Coronavirus hinzu“, so Pressesprecher Oliver Galeotti.

Corona in Wildeshausen: Erster Todesfall eines Kreiseinwohners 

Die Infektion sei durch die Betestung der gesamten Einrichtung am vergangenen Freitag ermittelt worden. Auf Covid-19 hinweisende akute respiratorische Symptome hatte die Einrichtung vorher nicht festgestellt. Damit hat der Landkreis Oldenburg bedauerlicherweise den ersten Todesfall eines Kreiseinwohners im Zusammenhang einer Infektion mit dem Coronavirus zu beklagen. (dr)

Im Zentrum der Coronavirus-Epidemie in Wildeshausen steht das Seniorenheim Atrium am Wall.

Update vom 30. März, 18 Uhr. Unterdessen hat das Seniorenheim Atrium in Wildeshausen nach Auskunft seines Geschäftsführers Thomas Münch Probleme, genügend Pflegepersonal vorzuhalten. Laut der Corona-Tests des Gesundheitsamtes des Landkreises Oldenburg hatten sich 18 der 41 Pflegekräfte und damit fast die Hälfte mit dem Coronavirus infiziert. 

Corona-Infektionen in Seniorenheim: Gesunde Mitarbeiter in Sorge

Sorge bereiten Münch jedoch besonders die gesunden Mitarbeitenden, die aus Furcht vor einer Ansteckung nicht mehr zur Arbeit kommen wollen. „Das ist menschlich nachvollziehbar, stellt uns aber vor große Probleme, weil natürlich auch die nicht infizierten Bewohner versorgt werden müssen“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst am Montag. 

Gegenüber kreiszeitung.de* teilte er aber mit: „Es sieht gut aus, das wir die nächsten 14 Quarantäne-Tage vernünftig mit ausreichend Personal abdecken können.“ Offenbar ist aber dank einer Lieferung mit Schutzartikeln durch das Gesundheitsamt und einer angekündigten Spende von 300 Filtermasken zumindest bis Ende der Woche gesichert, dass die Mitarbeiter des Atriums geschützt sind. In der Küche und der hauseigenen Wäscherei gibt es laut Münch keine Infektionen. (dr)

Corona-Ausbruch im Landkreis Oldenburg: Virus in Seniorenheim eingeschleppt

Erstmeldung vom 30. März: Wildeshausen – Ausnahmezustand in der Seniorenresidenz Atrium am Wall in Wildeshausen. Thomas Münch, Geschäftsführer der Residenz, teilte am Sonntagmittag auf Anfrage von kreiszeitung.de* mit, dass Stand Sonnabend um 18 Uhr 23 Bewohner positiv und 28 negativ auf den Coronavirus getestet wurden. Von den Mitarbeitern wurden 18 positiv und 23 Mitarbeiter negativ auf Covid-19 getestet.

Bei einer Person, die in der Nacht zu Freitag an der Corona-Infektion verstorben ist, handelte es sich laut kreiszeitung.de* um einen 89-jährigen Mann aus Delmenhorst, der sich in Kurzzeitpflege im Atrium befand. Er litt unter mehreren Vorerkrankungen und wurde ins Krankenhaus Johanneum eingeliefert, wo er starb. Er gilt nicht als Auslöser der Infektionen im Atrium. Offenbar wurde das Coronavirus von außen eingeschleppt. Am wahrscheinlichsten ist es nach Aussagen von Münch, dass es von einem der Mitarbeiter in die Einrichtung gebracht wurde.

Corona-Test beseitigt Dunkelziffer im Atrium Wildeshausen

Laut Informationen von kreiszeitung.de waren am Freitag Mitarbeiter des Gesundheitsamtes vor Ort und haben bei allen Bewohnern und Angestellten einen Corona-Test durchgeführt. Die Getesteten und deren Angehörige wurden offenbar am Sonnabend telefonisch über die Ergebnisse informiert. „Somit haben wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Unsicherheiten oder Dunkelziffern mehr im Haus“, schreibt Münch, der darauf verweist, dass seine Einrichtung eines der ersten Häuser in Deutschland gewesen sei, die wegen der Corona-Krise für Besucher geschlossen hatten. „Wir haben über die vergangenen Wochen eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz der Bewohner durchgeführt, die weit über die vorgegebenen Hygienemaßnahmen hinausgehen. Trotz allem ist es uns leider nicht gelungen, das Coronavirus aus unserer Pflegeeinrichtung fernzuhalten“, ergänzte er.

Von Angehörigen gab es allerdings wohl schon vor Tagen die Kritik, dass die Pflegenden in der Seniorenresidenz trotz der Corona-Krise keinen Mundschutz tragen. Auf Nachfragen sei von der Heimleitung erklärt worden, dass man Niemanden dazu zwingen könne. Münch relativierte das. „Bis Freitag hatten wir keine Möglichkeit, Schutzanzüge und sichere Masken zu bekommen, obwohl wir es versucht haben. Wir werden jetzt aber mit ausreichend Schutzkleidung und Masken versorgt“, sagte er mit Blick auf der Coronavirus.

Bewohner mit Covid-19-Befund werden auf Zimmern versorgt

„Vom Gesundheitsamt wurden uns klare Anweisungen erteilt, wie jetzt weiter vorzugehen ist, damit die Versorgung unserer Bewohner gesichert ist“, so Münch weiter. „Bewohner mit positivem Covid-19-Ergebnis verbleiben in ihren Zimmern und werden dort komplett versorgt. Die Versorgung erfolgt von ebenfalls Covid-19-positiv getesteten Mitarbeitern, deren Gesundheitszustand es ihnen aber ermöglicht, zu arbeiten. Es gibt für positiv getestete Mitarbeiter eine Ausnahmegenehmigung zur häuslichen Quarantäne für die Arbeitszeit in unserem Hause.“

Die negativ getesteten Bewohner werden wiederum von negativ getesteten Mitarbeitern im Atrium Wildeshausen versorgt. Auch diese Bewohner sind wegen des Coronavirus für zwei Wochen in Einzelunterbringung. Nach Informationen unserer Zeitung sind die Türen der Bewohner mit grünen oder roten Zetteln gekennzeichnet, um schnell zu erkennen, ob sich dahinter eine erkrankte Person befindet oder nicht. Offenbar gibt es derzeit im Atrium nur schwache Verläufe der Viruserkrankung.

108 bestätigte Corona-Erkrankungen im Landkreis Oldenburg

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Einwohner im Landkreis Oldenburg ist nach dem Ausbruch der Infektion in einem Wildeshauser Seniorenheim am Montag auf 108 Personen gestiegen. Als genesen gelten laut Mitteilung der Kreisverwaltung vom Sonntagnachmittag neun Personen. Somit gab es am Montag 99 Erkrankte im Landkreis Oldenburg. Der genaue Eintragsweg des Coronavirus in das Seniorenheim lässt sich der Mitteilung zufolge nicht mehr mit Bestimmtheit klären. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, jedoch deutet das Ausmaß der Infektionszahlen in Bezug auf die zeitliche Kontamination und den Ausbruch der Erkrankung darauf hin, dass das Virus nicht erst vor Kurzem eingetragen wurde“, schreibt der Landkreis. 

Lesen Sie auch: Corona-News im Niedersachsen-Ticker von kreiszeitung.de*

„Es ist eine fürchterliche Entwicklung. Sie führt uns allen aber auf brutale Weise vor Augen, wie wichtig die Beschränkungen wie Betretungsverbot oder auch Kontaktverbote sind“, erklärt Landrat Carsten Harings. „Wir müssen uns alle weiter strikt daran halten, um eine Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Den erkrankten Bewohnern wünsche ich ebenso wie den Mitarbeitern und allen anderen Erkrankten im Landkreis schnelle und gute Genesung.“

dr

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Rubriklistenbild: © Bornholt

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