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Omikron BA.2.75: So gefährlich ist die neue Corona-Variante Centaurus

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Von: Yannick Hanke

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Während Omikron BA.5 in Deutschland auf dem Vormarsch ist, beschäftigt sich die Wissenschaft auch mit Omikron BA.2.75. Besteht große Gefahr durch Centaurus?

Berlin – Auf kaum etwas ist in der Corona-Pandemie Verlass. Süffisant gesagt, bleibt der Wechsel die einzige, zuverlässige Konstante seit März 2020. Varianten und Mutationen vom Coronavirus stellen Politik und Wissenschaft immer wieder vor neue Herausforderungen. Diese heißt aktuell Omikron BA.5, die dominierende Variante in Deutschland, wie das Robert Koch-Institut (RKI) nicht müde wird, zu betonen. Mittlerweile ist in hiesigen Gefilden auch die Omikron-Variante BA.2.75 entdeckt worden. Geht von der neuen Corona-Variante eine Gefahr aus? Und was ist über Omikron BA.2.75, vom „Guardian“ auf den Namen „Centaurus“ getauft, bekannt?

Omikron BA.2.75: Was über die neue Corona-Variante Centaurus bekannt ist

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde die Omikron-Subvariante BA.2.75 aka Centaurus erstmals im Mai 2022 in Indien entdeckt. Konkret handelt es sich hierbei um eine Untergruppe der Omikron-Variante BA.2, die gemäß dem RKI noch bis Anfang Juni 2022 in Deutschland dominierte. Mittlerweile wurde sie jedoch von der vorherrschenden Omikron-Variante BA.5 verdrängt.

Im kleinen Bild ist ein Stempel zu sehen, auf dem „Omikron BA.2.75“ geschrieben steht. Im großen Bild hält eine Person ein Teststäbchen für die Entnahme einer Probe für einen PCR-Test in der Hand.
Was ist bisher über die neue Omikron-Variante BA.2.75 bekannt und wie gefährlich ist sie eigentlich? © Christian Ohde/imago/Britta Pedersen/dpa

Nach aktuellem Stand können Forscher noch nicht seriös einschätzen, wie schnell sich die neue Omikron-Sublinie BA.2.75 in Deutschland ausbreiten wird. Erste Infektionen wurden in der Bundesrepublik aber bereits festgestellt. Darauf verweist der Virologe Manuel Krone von der Uniklinik Würzburg gegenüber dem SWR. Da hierzulande jedoch nur wenige Proben von Omikron BA.2.75 respektive Centaurus typisiert werden, lasse sich erst mit einer gewissen Verzögerung feststellen, wie hoch der Anteil ausfällt.

Omikron BA.2.75 noch keine besorgniserregende Corona-Variante – doch ist Vorsicht vor Centaurus geboten

Noch stuft die WHO Omikron BA.2.75 nicht als „variant of concern“, also als besorgniserregende Variante, ein. Da noch fast alle relevanten Daten für diese Einstufung fehlen, kann der Schritt noch nicht vorgenommen werden. Richard Neher vom Biozentrum Basel verweist darauf, dass es noch keine Laborexperimente mit der Omikron-Variante Centaurus gebe.

Zudem würden nur eine Handvoll Sequenzierungen zu der Omikron-Subvariante Centaurus vorliegen. Alles in allem deutlich zu wenig, um valide Aussagen zu formulieren. Bekannt ist jedoch, dass Omikron BA.2.75 über relevante Mutationen verfügt, weswegen sich eine ausgiebige, präventive Beobachtung vom Subtypen von Omikron BA.2 empfiehlt.

Omikron BA.2.75 unterschiedlich genug zu Omikron BA.5, sodass sich Genesene erneut infizieren könnten

Aus Kreisen der Forschung heißt es, dass Omikron BA.2.75 weitere zwölf Mutationen mehr aufweist als die Originallinie Omikron BA.2. Und acht dieser neuen Mutationen bei Omikron BA.2.75 würden aus dem Spike-Protein resultieren. Im Vergleich zu Omikron BA.5, gegen das auch einst mit BA.1 oder BA.2 Infizierte nicht immun sind, sei Centaurus unterschiedlich genug, dass sich auch Genesene erneut infizieren könnten, lautet die Einschätzung vom Virologen Manuel Krone.

So verhält es sich auch mit von BA.1 oder BA.2 Genesenen, die sich dennoch mit Omikron BA.5 anstecken können. Die leise Hoffnung von Experten: Herkömmliche Corona-Schnelltests, die nicht mehr kostenlos sind, sowie PCR-Tests sollen Omikron BA.2.75 erkennen.

Omikron BA.2.75: Hoffnung, dass sich Corona-Variante Centaurus in Deutschland nicht so durchsetzt wie Omikron BA.5

Wie eingangs erwähnt, ist Omikron BA.5 gegenwärtig die dominierende Corona-Variante in Deutschland. Da Omikron BA.5 bereits überaus ansteckend ist, wäre es zumindest möglich, dass sich Omikron BA.2.75 nicht so stark in der Bundesrepublik ausbreiten wird. So lautet zumindest die Einschätzung von Richard Neher, der zudem anmerkt:

Es gab in der Pandemie schon einige Varianten und Subvarianten, die zwar kurzzeitig bei uns kursierten, sich aber nicht durchsetzen konnten, während sie anderswo durchaus vorherrschend geworden sind.

Richard Neher vom Biozentrum Basel gegenüber dem SWR

Ein Beispiel hierfür sei die Omikron-Subvariante BA.2.12.1., die in den USA für eine Corona-Welle gesorgt hatte. In Deutschland hingegen wurde sie von der hochansteckenden Omikron-Variante BA.5 und ihrer womöglich variierenden Inkubationszeit verdrängt. Ähnlich verhält es sich mit der Epsilon-Variante, die in Peru im Umlauf war, nicht aber in Deutschland. Dasselbe gilt für die Beta- und Gamma-Varianten, die eher in Brasilien kursierten.

Ausbreitung von Omikron BA.2.75 auch abhängig von Herdenimmunität in Deutschland

Die Frage, ob sich eine Variante vom Coronavirus auch in Deutschland verbreitet, hängt letztendlich auch von der oft beschworenen Herdenimmunität der Bevölkerung ab. Je nachdem, welche Corona-Varianten bereits vorherrschend waren, ist diese ganz verschieden ausgeprägt.

Richard Neher meint, dass die Bevölkerung in Deutschland, die sich auch durch eine Vielzahl an Patienten auf den Intensivstationen kennzeichnet, durch Impfungen und Infektionen bereits eine gute Immunität aufgebaut haben könnte. Möglicherweise auch schon gegen Omikron BA.2.75 respektive Centaurus. Das garantiere zwar nicht, dass es zur Infektion kommt, schütze jedoch vor einem schweren Verlauf bis hin zu Long Covid oder dem Tod. Hoffentlich ist zumindest darauf Verlass.

Omikron BA.2.75 auch als Centaurus bekannt: Virologen in Sorge wegen neuer Corona-Variante

Mittlerweile wurde Omikron BA.2.75 respektive Centaurus auf die Liste der Corona-Varianten genommen, die das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) überwacht. Von Shishi Luo, Leiterin der Abteilung für Infektionskrankheiten bei Helix, einem US-Virussequenzierungsunternehmen, heißt es, dass Omikron BA.2.75 in vielen Teilen der Welt selbst bei geringerer Virusüberwachung entdeckt wurde.

Und das sei ein Hinweis für die schnelle Ausbreitung der Omikron-Variante Centaurus. Auch, wenn noch wenig über Omikron BA.2.75 bekannt ist: Impfstoffe und Auffrischungsimpfungen seien immer noch die beste Verteidigung gegen eine schwere Corona-Erkrankung. Centaurus sei aber auch eine Erinnerung daran, dass sich das Coronavirus ständig weiterentwickle und ausbreite. Oder, wie Luo von der „Welt“ zitiert wird: „Wir müssen akzeptieren, dass wir jetzt mit einem höheren Risiko leben als früher“. Wohl wahr.

* Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt am Donnerstag, 14. Juli 2022, um 15:49 Uhr aktualisiert.

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