„Zu viel versprochen“

Corona–Impfungen für Kinder: Termin-Chaos und ungeklärte Fragen für Eltern

Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und sechzehn Jahren sollen bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot erhalten. Vieles bleibt aber weiter unklar.

Deutschland – Eltern, die sich vom Impfgipfel am Donnerstag (27. Mai) Klarheit über das Thema „Impfungen für Kinder“ erhofft hatten, wurden weitestgehend enttäuscht. Viele Fragen rund um die konkrete Umsetzung sowie die Impfempfehlung der Stiko sind weiterhin offen, berichtet RUHR24*.

Bundesministerium für Gesundheit (BMG)oberste Bundesbehörde
BehördenleitungJens Spahn (CDU)
HauptsitzBonn, NRW

Corona-Impfungen: Keine Sonderkontingente für Kinder – Ministerpräsidenten sind verärgert

Jens Spahn hatte eigentlich im Vorfeld gegenüber der Bild am Sonntag eine Impfkampagne für Schüler bis Ende August angekündigt. Dazu plante er, eigene Impfdosen bereitzustellen. Dieses Thema sorgte beim Impfgipfel am Donnerstag (27. Mai)* für einen regelrechten Zoff zwischen dem Minister und den Länderchefs, denn auch sie waren von einem Sonderkontingent für Kinder ausgegangen (Infos zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24).

Mehr noch: Im letzten Beschluss der Konferenz der Gesundheitsminister wurde versprochen, dass die Bundesländer, die ein Konzept für einen solchen Impfplan für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 vorlegen, „vom Bund die hierfür erforderlichen Impfdosen für die Erst- und Zweitimpfungen zusätzlich“ erhielten.

Beschluss des Impfgipfels: Kein zusätzlicher Impfstoff und auch keine Impfkampagne für Kinder

Auch die Bundesbildungsministerin hatte sich deutlich für einen solchen Impfplan für Kinder ausgesprochen.* Als erstes Land war Niedersachsen daraufhin vorgeprescht und hatte ein Konzept vorgelegt, dass auch die Schulen mit in die Impfungen einbezieht.

Seit dem Impfgipfel ist allerdings klar: „Zusätzlich“ bedeutet in dem Beschluss gar nicht zusätzlich, denn es wird kein Vakzin extra für Kinder bereitgestellt werden. In der Konferenz führte diese Klarstellung Spahns zu Unmut unter den Länderchefs, der auch in den anschließenden Pressekonferenzen zum Ausdruck kam. Der vorhandene Impfstoff soll stattdessen jetzt so umverteilt werden, dass Kinder der entsprechenden Altersklasse ebenfalls geimpft werden können.

Hat nach Ansicht vieler Ministerpräsidenten bei Kinder-Impfungen zu viel versprochen: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Impfungen für Kinder ab dem 7. Juni möglich: Die wichtigsten Infos im Überblick

Konkret wurde dabei Folgendes beschlossen, beziehungsweise verdeutlicht:

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Minister gehen davon aus, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur den Impfstoff von Biontech/Pfizer am Freitag (28. Mai) für Kinder zwischen zwölf und 16 Jahren EU-weit zulässt.
  • Im Falle der Zulassung durch die EMA lautet das klare Versprechen der Bundeskanzlerin: Alle Kinder ab zwölf Jahren erhalten bis zum Herbst ein Impfangebot.
  • Kinder und Jugendliche können ab dem Ende der Priorisierung (ab dem 7.6.2021) einen Impftermin bekommen.
  • Es wird keine gesonderten Termine für Kinder geben – Eltern müssen sich wie alle anderen um einen Impftermin (zum Beispiel bei den Ärzten) bemühen.
  • Die Länder können zusätzliche Konzepte entwickeln, mit denen Kindern und Jugendlichen spezielle Impfangebote gemacht werden. Es ist also zu erwarten, dass die konkrete Umsetzung von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein wird.
  • Es wird aber keine Impfpflicht für Kinder geben – ebenso, wie es für Erwachsene keine gibt.
  • Der sichere Schulbetrieb wird unabhängig davon gewährleistet, ob Schüler geimpft sind oder nicht.
  • Das ist – zumindest für die Jüngeren – auch gar nicht anders möglich, denn wie Angela Merkel (CDU) erklärt, wird es „in absehbarer Zeit“ keinen Impfstoff für Jüngere geben.
  • Auch Reisen sollen für ungeimpfte Kinder möglich sein. Angela Merkel (CDU) macht hier deutlich, dass es dazu schließlich die Corona-Tests gebe.
  • Die Stiko wird zeitnah eine Empfehlung für die Altersgruppe vorlegen. Derzeit gilt es als wahrscheinlich, dass die Impfungen nur für vorerkrankte Kinder empfohlen werden.

Letzteres sorgt derzeit bei vielen Eltern für Verunsicherung. Denn: Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL möchten rund 70 Prozent aller Eltern ihre Kinder impfen lassen. Wenn die Stiko nun keine Empfehlung aussprechen wird, könnte sich das ändern.

Corona-Impfungen für Kinder – Stiko tut sich schwer mit einer Empfehlung

Verwirrend ist in diesem Zusammenhang insbesondere die Tatsache, dass die Stiko davon spricht, es gäbe noch „ein unklares Risiko“, denn die Datenlage zu den Nebenwirkungen sei noch zu gering. Biontech/Pfizer hatten zuvor immer wieder betont, die Studiendaten hätten gezeigt, dass der Impfstoff für diese Altersgruppe „sehr gut verträglich“ sei – die Nebenwirkungen ähnelten denen bei Erwachsenen.

Tatsache ist, dass sich auch führende Kinderärzte aktuell gegen eine Impfempfehlung für Kinder aussprechen. Nutzen und Risiko müssten weiter abgewogen werden, heißt es vonseiten vieler Mediziner.

Eltern dürfen nicht unter Druck gesetzt werden – Kinderärzte gegen Impfempfehlung

Das Hauptargument von Stiko und Kinderärzten ist es dabei, dass die Kinder selbst von den Impfungen einen gesundheitlichen Nutzen haben müssten – und diese nicht aus gesellschaftlichem Druck heraus passieren dürften.

Auch die Bundesärztekammer (BÄK) gibt der Stiko recht, wie das Ärzteblatt berichtet. Ihr Vorsitzender, Klaus Reinhardt, mahnte ebenfalls, dass man keinen politischen Druck auf Eltern ausüben dürfe, Kinder zu impfen. Erst müsse klar sein, wie groß die Gefährdung durch Covid-19* für Kinder wirklich sei. Ebenso müssten weitere wissenschaftlichen Erkenntnisse gesammelt werden. Auch Virologe Hendrik Streeck mahnt in dieser Frage zur Vorsicht, wie fuldaerzeitung.de* berichtet.

Corona: Der Deutsche Ethikrat befürwortet Impfungen für Kinder

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates Alena Buyx ist hingegen für eine Impfung von Kindern. Auch Kinder erkrankten schwer. Ebenso gäbe es auch bei Kindern Fälle von Long-Covid.

Sie hätten daher ebenfalls ein Recht auf eine Impfung. Als weiteres Argument führt sie den Gruppenschutz an: Kinder wären durch Impfungen in Schulen besser geschützt.

Kinder gegen Corona impfen lassen oder nicht? Haltung der Stiko verunsichert

Fragen werfen in diesem Zusammenhang auch die Aussagen von Virologe Christian Drosten und RKI-Chef Lothar Wieler auf. Beide hatten kürzlich betont, dass Virus gehe nicht weg, und jeder, der nicht geimpft sei, stecke sich zwangsläufig an – das gelte ebenso für ungeimpfte Kinder. Viele Eltern stellen sich dementsprechend die Frage, ob ihre Kinder sich ohne Impfung anstecken werden.

Auch der Ministerpräsident Niedersachsens, Stephan Weil (SPD), zeigte sich im Anschluss an den Impfgipfel sichtlich irritiert über die Haltung der Stiko: „Dass die Ständige Impfkommission jetzt plötzlich den Sinn einer flächendeckenden Impfung von Schülerinnen und Schülern infrage stellt, irritiert mich und viele andere Menschen“, so der Ministerpräsident.

Berlins regierender Bürgermeister kritisiert: Spahn hat „zu viel versprochen“

Und weiter: „Vor ein paar Wochen hieß es noch, Schulen seien Brutstätten der Pandemie.“ Tatsächlich sind die Inzidenzen bei Kindern im Vergleich zu anderen Altersgruppen vielfach höher, wie auch Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) für seine Stadt feststellt. Dass es jetzt dennoch keine eigene Impfkampagne für Jüngere geben wird, rechtfertigt Müller damit, dass sie „ja nicht schwer“ erkrankten.

Dennoch ist auch er verärgert über die Verwirrung um die zusätzlichen Kinder-Impfungen. In der ZDF-Sendung von Maybrit Illner bemängelt der regierende Bürgermeister, „dass das Bundesgesundheitsministerium da zu viel versprochen hat.“

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer bemerkt auf einer Pressekonferenz: „Wenn wir keinen zusätzlichen Impfstoff bekommen, brauchen wir eine neue Einschätzung der Lage.“ Es bleibt also abzuwarten, welche weitergehenden Regeln für Kinder-Impfungen die einzelnen Bundesländer festlegen werden. *RUHR24 und fuldaerzeitung.de sind ein Angebot des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Matthias Bein/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Meistgelesene Artikel

Schwerster Unfall seit Jahren: Vier Tote auf der A5 - Polizei erklärt erste Details und einen Verdacht

Schwerster Unfall seit Jahren: Vier Tote auf der A5 - Polizei erklärt erste Details und einen Verdacht

Schwerster Unfall seit Jahren: Vier Tote auf der A5 - Polizei erklärt erste Details und einen Verdacht
Aida mit 1G: Nur noch Geimpfte! Kreuzfahrt-Riese setzt klares Statement

Aida mit 1G: Nur noch Geimpfte! Kreuzfahrt-Riese setzt klares Statement

Aida mit 1G: Nur noch Geimpfte! Kreuzfahrt-Riese setzt klares Statement
„Freedom Day“: SPD und Grüne lehnen Ende der Corona-Regeln ab

„Freedom Day“: SPD und Grüne lehnen Ende der Corona-Regeln ab

„Freedom Day“: SPD und Grüne lehnen Ende der Corona-Regeln ab
Corona trotz Impfung: Diese Symptome sprechen für eine Infektion

Corona trotz Impfung: Diese Symptome sprechen für eine Infektion

Corona trotz Impfung: Diese Symptome sprechen für eine Infektion

Kommentare