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Corona erhöht Gürtelrose-Risiko: Zusammenhang mit Windpocken-Virus bestätigt

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Von: Carolin Gehrmann

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Eine Studie belegt den Zusammenhang zwischen Corona und einem erhöhten Gürtelrose-Risiko. Was ein Windpocken-Erreger damit zu tun hat und was die Symptome sind.

Bremen – Dass eine Corona-Infektion schwere Folgen wie Long Covid nach sich ziehen kann, ist bekannt. Der Leidensdruck ist oft enorm: „Brain Fog“ erschwert nach Long Covid nicht selten über längere Zeit den Alltag. Und bei einigen kommt es im Anschluss an Long Covid sogar zu Depressionen. Doch eine Ansteckung mit dem Coronavirus kann auch noch zu einer weiteren unangenehmen Erkrankung führen: Gürtelrose.

Der Zusammenhang zwischen Corona-Infektionen – von unter anderem BA.2.75 über XXB bis hin zu BQ.1.1 gibt‘s aktuell jede Menge Omikron-Varianten – und dem Auftreten der schmerzhaften Hautkrankheit wurde in einer amerikanischen Studie bestätigt.

Warum dies so ist, was ein Windpocken-Erreger damit zu tun hat und was für Symptome auftreten.

Studie aus den USA belegt Zusammenhang zwischen Corona-Infektion und Gürtelrose

Die Nachrichten rund um das Coronavirus und den Umgang damit sind aktuell ein wenig ambivalent – auch wenn die Liste möglicher Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung immer länger zu werden scheint. Während einige Bundesländer wie Schleswig-Holstein oder Bayern die Isolationspflicht von Corona-Infizierten aufheben wollen, warnen Experten vielerorts vor einem schweren Corona-Pandemie-Winter – ausgelöst vor allem durch die sich immer weiter ausbreitenden und hochansteckenden Omikron-Varianten wie BA.2.75, den sogenannten „Höllenhund“ BQ.1.1 oder die neuere Variante XBB. Das Risiko, an Covid-19 zu erkranken ist gerade jetzt, da es im Herbst und Winter wieder kälter wird, hoch. Bei vielen Menschen besteht auch die Wahrscheinlichkeit einer Reinfektion – je nach Omikron-Virusvariante der Erstinfektion erhöht sich das Risiko.

Nach Corona-Infektion: Gürtelrose-Risiko erhöht sich laut Studie um mindestens 15 Prozent

So reiht sich nun mit der Gürtelrose nun offenbar eine weitere Erkrankung zu den möglichen Folgen einer Corona-Infektion in die lange Liste ein. US-amerikanische Wissenschaftler um Amit Bhavsar vom Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline fanden demnach einen klaren Zusammenhang zwischen den beiden Erkranungen Corona und Gürtelrose. Laut der Studie erhöht sich das Gürtelrose-Risiko bei über 50-Jährigen um 15 Prozent. Das Alter ist nach den Erkenntnissen der Forschenden ein entscheidender Faktor für den Ausbruch der Hautkrankheit – aber auch die Schwere der Covid-19-Erkrankung.

Nach einem schweren Coronaverlauf mit Krankenhausaufenthalt ist das Risiko sogar um 21 Prozent erhöht. Für die neue Studie, die im Fachmagazin „Open Forum Infectious Diseases“ veröffentlicht wurde und die Zusammenhänge zwischen einer Corona-Infektion und der Gürtelrose beleuchtet, werteten die Forschenden Krankenversicherungsdaten von rund 1,6 Millionen Personen im Hinblick auf die Frage aus, ob im Anschluss an eine Corona-Erkrankung verstärkt Gürtelrosen auftreten.

Zusammenhang zwischen Corona und Gürtelrose: Windpocken-Erreger verantwortlich

Für die Hautkrankheit Gürtelrose ist allerdings nicht das Coronavirus selbst, sondern ein anderes Virus verantwortlich: das Varizella-Zoster-Virus. Die meisten Erwachsenen tragen es in sich, da es auch die hochansteckende Infektionskrankheit Windpocken auslöst. Die meisten Älteren wurden als Kinder nicht dagegen geimpft und haben bereits einmal in ihrem Leben Windpocken gehabt.

Computer-Illustration eines Windpocken-Erregers
Das Windpocken-Virus heißt Varizella-Zoster und kann auch noch Jahrzehnte später eine Gürtelrose auslösen, wenn das Immunsystem geschwächt ist. © Science Photo Library/IMAGO

Das Tückische an der „Kinderkrankheit“ Windpocken ist jedoch: Die Viren verbleiben inaktiv im Körper, auch wenn die akute Krankheit überstanden ist. Sie „schlummern“ gewissermaßen in den Nervenknoten – und das ein Leben lang. Das Immunsystem eines Menschen sorgt normalerweise dafür, dass sie nichts anrichten können. Ist dieses jedoch geschwächt – wie bei einer Corona-Infektion –, dann können die Varizella-Zoster-Viren erneut ausbrechen und in Form einer Gürtelrose zuschlagen.

Bei Über-50-Jährigen besteht erhöhtes Gürtelrose-Risiko – oft schon kurz nach einer Corona-Infektion

Der medizinische Fachbegriff für Gürtelrose ist Herpes Zoster. Aus den in der Studie ausgewerteten Daten ging hervor, dass die Krankheit oft schon eine Woche nach der Covid-Erkrankung auftrat – bei einigen sogar schon kurz danach. Die Betroffenen kämpften dann gleich mit zwei Erkrankungen: Corona und Gürtelrose. Die Hautkrankheit kann aber auch erst verzögert auftreten. Laut der Studie auch noch acht bis zehn Wochen später. Das Risiko normalisiert sich erst sechs Monate nach der Corona-Ekrankung wieder.

Zusammenhang zwischen Corona und Gürtelrose: Geschwächtes Immunsystem ist der Schlüssel

Da das Immunsystem durch eine Corona-Infektion stark belastet wird, sind die Immunzellen stark erschöpft – die Abwehrkräfte „schwächeln“. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, ist das oft noch der Fall. Und so kommt es neben Long Covid und Co. eben häufig auch zu einer Gürtelrose. Die Abwehrzellen schaffen es schlicht nicht mehr, die im Körper schlummernden Varizella-Zoster-Viren in Schach zu halten. Die Erreger werden wieder aktiv und vermehren sich.

Symptome von Gürtelrose treten oft kurz nach Ansteckung mit Corona auf

Die Symptome von Gürtelrose, die nach einer Corona-Infektion auftreten können, sind Müdigkeit, Kopfschmerzen und oft auch Fieber. Laut aponet.de „wandern“ die wieder aktivierten Erreger entlang der Nervenbahnen zur Haut und verursachen dort Schmerzen und typische Ausschläge und Bläschen. Meist sind nur die Nerven einer Körperseite betroffen, daher zeigt sich der Hautausschlag oft auch nur einseitig als Band.

Zunächst kommt es in den betroffenen Bereichen zu Schmerzen, die Haut ist extrem gereizt und empfindlich. Ein bis zwei Tage lang treten Hautrötungen auf, die im weiteren Verlauf zu Bläschen werden. Spätestens jetzt sollte eine Arztpraxis aufgesucht werden, denn die antiviralen Medikamente (Viro-Statika), die das Varizella-Zoster-Virus bekämpfen, sollten innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten der Beschwerden eingenommen werden. Gegen die Schmerzen helfen gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracemtamol.

Gürtelrose heilt meist nach vier Wochen aus – jedoch sind schwere Komplikationen möglich

Eine Gürtelrose heilt meist nach vier Wochen aus. Die Bläschen heilen dann ab und das Immunsystem regeneriert sich. Es kann jedoch auch zu Komplikationen kommen, wenn die Erreger auch Bereiche im Kopf betroffen haben wie Augen oder Ohren. Dann können Hör- oder Sehprobleme zurückbleiben. Rund 15 bis 20 Prozent der Gürtelrose-Patienten entwickeln laut Focus außerdem eine sogenannte postzosterischen Neuralgie (PZN), also bleibende Nervenschmerzen an den Nervenbahnen, an denen sich die Erreger entlang bewegt haben. Das kann sich in Dauerschmerzen oder Schmerzattacken äußern, oft über viele Monate.

Impfung gegen Gürtelrose für Menschen ab 60 Jahren empfohlen

Damit es im besten Fall gar nicht erst zu einer Gürtelrose kommt, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts (RKI) allen Menschen ab 60 Jahren eine Zoster-Impfung. Sie wird von den Krankenkassen übernommen. Der Totimpfstoff kann in der Regel vom Hausarzt verabreicht werden. Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Asthma wird die Impfung schon ab 50 Jahren empfohlen.

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