Biontech-Impfstoff für Minderjährige

Israel gibt Impfstoff für Kinder ab fünf Jahren frei – wann folgt Deutschland?

Zusammen mit den USA avanciert Israel zum Corona-Vorreiter. Denn dort ist der Biontech-Impfstoff nun für Kinder ab fünf Jahren freigegeben. Die genauen Hintergründe.

Berlin/Tel Aviv – Während sich die Ständige Impfkommission (Stiko) nicht zuletzt hinsichtlich Empfehlungen für Boosterimpfungen für alle Altersgruppen in Deutschland bedeckt hält, ist Israel bereits mindestens einen Schritt weiter. Denn dort darf der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer* nun auch Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren verabreicht werden. Darüber berichtet die dpa.

Unternehmen:Biontech
Gründung:2008
CEO:Uğur Şahin (2008–)
Hauptsitz:Deutschland
Gründer:Uğur Şahin, Özlem Türeci, Christoph Huber
Tochtergesellschaften:BioNTech Innovative Manufacturing Services GmbH u.v.m.

Israel lässt Corona-Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige zu – Impfkampagne soll am 21. November starten

Diese Entscheidung hat das israelische Gesundheitsministerium am Sonntag, 14. November 2021, getroffen. Zuvor hatte sich bereits ein Beratergremium für dieses Vorgehen ausgesprochen. Bislang galt die Impfzulassung nur für Erwachsene sowie für Kinder ab zwölf Jahren.

In Israel dürfen künftig auch Kinder zwischen fünf und elf Jahren mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus geimpft werden. (kreiszeitung.de-Montage)

„Wir hoffen, dass wir die Kampagne schon am Sonntag beginnen können“, heißt es von Miri Misrachi. Die führende Vertreterin der Krankenkasse Maccabi bezieht sich damit auf den 21. November. Ihres Wissens nach sollen die erforderlichen Impfdosen drei bis vier Tage vorher in Israel ankommen.

Experten empfehlen Israels Gesundheitsministerium Biontech/Pfizer-Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren

Unter Berufung auf den Generaldirektor des israelischen Gesundheitsministeriums berichtet die Zeitung„Haaretz“, dass „die Vorteile des Impfstoffs dessen Risiken bei weitem überwiegen“. Zu diesem Schluss seien die vom entsprechenden Ministerium konsultierten Berater mehrheitlich gekommen. Nur zwei der insgesamt 75 Fachleute hätten gegen eine Freigabe des Präparats für Kinder ab fünf Jahren gestimmt.

Derweil ist in Europa – und somit auch in Deutschland – noch kein Corona-Impfstoff zugelassen, der Kindern unter zwölf Jahren gespritzt werden darf. Doch hatten Biontech und Pfizer längst eine Zulassung ihres Präparats für Fünf- bis Zwölfjährige beantragt. Dies war bereits Mitte Oktober erfolgt. Getan hat sich seitdem noch nichts. Immerhin: die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA soll noch vor Weihnachten erfolgen.

Angst vor gesellschaftlichen Anfeindungen: Israelische Expertenkommission muss im Geheimen tagen

Erst Anfang November hatte auch Impfstoffhersteller Moderna einen Antrag auf Zulassungserweiterung für Kinder von sechs bis elf Jahren in der Europäischen Union (EU) gestellt. Aufgrund eines erhöhten Risikos für Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen empfiehlt die Stiko das Moderna-Präparat Spikevax jedoch nicht mehr für Menschen unter 30 Jahren. Offiziell ist dieses Präparat in der EU jedoch schon für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen.

Doch zurück nach Israel, wo das Gremium mit großer Mehrheit empfohlen hatte, auch Kinder zu impfen, die eine Corona-Infektion bereits ausgestanden haben. Soll die Spritze jedoch direkt nach der Genesung erfolgen oder erst nach einer gewissen Übergangszeit? Diese Frage führte zu gespaltenen Meinungen, berichtet die dpa. Letztendlich hätte rund ein Drittel der Experten für ein sofortiges Impfen plädiert. Demgegenüber stand fast die Hälfte der Fachleute, die zum Abwarten riet.

Übrigens: Damit sich die Mitglieder der israelischen Expertenkommission vor Anfeindungen aus der Gesellschaft schützen konnten, fand die Abstimmung nicht-öffentlich statt. Angst bestand vor allem aufgrund der gesellschaftlich aufgeheizten Debatte innerhalb Israels über ein Für und Wider der Corona-Impfungen für Minderjährige*.

Corona-Vorreiter USA: Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige in der Staaten freigegeben – Deutschland hält sich zurück

Das erste Land, das Corona-Impfungen auch bei Fünf- bis Elfjährigen durchführt, ist Israel allerdings nicht. Schon Ende Oktober hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA eine Notfallzulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder dieser Altersgruppe erteilt*. Wie schon in den Staaten soll auch in Israel die Menge von zehn Mikrogramm gespritzt werden. Zum Vergleich: Für Kinder ab zwölf Jahren sowie Erwachsene sind jeweils 30 Mikrogramm vorgesehen.

Die Impfstoff-Hersteller Biontech und Pfizer geben die Wirksamkeit bei Kindern zwischen fünf und elf Jahren mit knapp 91 Prozent an. Bezogen wird sich mit diesem Wert auf symptomatische Erkrankungen. Und dennoch herrscht in Deutschland große Zurückhaltung, was Impfungen bei Kindern dieser Altersgruppe angeht.

Auf seiner Homepage greift das Robert Koch-Institut (RKI) die Stiko-Ausführungen hinsichtlich Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen auf. Doch ist hier nur explizit die Rede von 12- bis 17-Jährigen. Hier heißt es auch, dass für Kinder unter zwölf Jahren „eine Zulassung und eine Beurteilung der STIKO von entsprechenden Impfstoffen noch“ aussteht. Daran hat sich seit dem 17. September nichts geändert.

Stiko-Empfehlung ignoriert: Eltern lassen ihre chronisch kranken Kindern gegen Corona impfen

Doch sind unabhängig von der offiziellen Stiko-Empfehlung auch Einzelfälle zu verzeichnen, bei denen Kinder, die jünger als zwölf Jahre sind, geimpft worden sind. Der WDR berichtet über einen Kinderarzt aus dem nordrhein-westfälischen Arnsberg, der schon von Familien mit chronisch kranken Kindern zwischen fünf und elf Jahren aufgesucht wurde.

„Der erste unter Zwölfjährige, den ich gegen Corona geimpft habe, brauchte bei früheren Atemwegsinfekten schon mehrmals Sauerstoff. Die Eltern hatten große Angst, dass es bei einer Corona-Infektion noch schlimmer werden könnte“, wird Kinderarzt Burkhard Lewerenz zitiert. Bislang seien es jedoch nicht mehr als zehn Kinder aus der angesprochenen Altersgruppe gewesen, die vom Pädiater geimpft wurden. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Cavan Images/imago images & Dinendra Haria/dpa & Jonas Walzberg/dpa

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