Kampf gegen Corona

Junge (12) stirbt nach Impfung: Wie gefährlich sind Impfstoffe für Kinder?

Der tragische Tod eines zwölfjährigen Jungen in Cuxhaven wirft eine wichtige Frage auf: Wie sicher sind Corona-Impfstoffe für Kinder? Das sind die Fakten.

Cuxhaven – Ein zwölfjähriger Junge ist in Cuxhaven zwei Tage nach seiner Corona-Zweitimpfung mit Biontech/Pfizer gestorben. Das bestätigte der Landkreis Cuxhaven am Mittwoch, 3. November 2021, nachdem bereits Gerüchte in den sozialen Medien kursierten.

Corona-Impfstoffe:ModernaBiontech/Pfizer
Hersteller/Entwickler:Moderna, NIAIDBioNTech, Fosun Pharma, Pfizer
Art des Impfstoffs:RNARNA
Applikationsform:Intramuskuläre InjektionIntramuskuläre Injektion

Wie das Paul-Ehrlich-Institut auf Nachfrage mitteilte, war das Kind vorerkrankt, litt bereits seit Längerem an einer schweren Herz- und Gefäßkrankheit. „Bisher sind die Todesursache und die Frage, ob die Covid-19-Impfung beteiligt sein könnte, unklar“, so das Paul-Ehrlich-Institut in einer Mitteilung.

Junge (12) stirbt in Cuxhaven nach Impfung: Endgültiges Obduktionsergebnis steht aus

In einem vorläufigen Obduktionsergebnis sahen es Experten des Rechtsmedizinischen Instituts am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)* allerdings als wahrscheinlich an, dass der Tod des Kindes auf die Impfung zurückzuführen sei. Das vollständige Obduktionsergebnis steht noch aus, es wird im Laufe des Donnerstags, 4. November 2021, oder am Freitag erwartet, wie eine Sprecherin des Landkreis Cuxhaven gegenüber kreiszeitung.de bestätigte.

„Man wird das letzte Obduktionsergebnis abwarten müssen, um wirklich fundiert dazu Stellung nehmen zu können“, mahnte der Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht gegenüber n-tv an. Der Mediziner sagte aber auch: „Sollte sich herausstellen, dass die Impfung tatsächlich ursächlich für den Tod war, dann wird dieser Fall eine ganz andere Betrachtung der Corona-Impfungen von Kindern mit sich bringen.“

Junge (12) stirbt nach Impfung – Experte mahnt: „Jetzt ganz genau hinschauen“

Wie auch immer das Ergebnis sein werde, eine Sache steht für Dr. Christoph Specht bereits fest: „Dass man nun bei Impfungen für Kinder ganz genau hinschauen muss“, so der Arzt bei n-tv. Es habe sich bereits jetzt das Gefühl breit gemacht, dass Impfungen für Kinder eine total sichere Sache und jedes geimpfte Kind auf jeden Fall auf der sicheren Seite wäre.

Dass das nicht so sein würde, wäre von vornherein klar gewesen. Deshalb habe sich auch die Ständige Impfkommission (Stiko) mit der Empfehlung zunächst relativ schwergetan – und habe die Impfung erst einmal nur für vorerkrankte Kinder ausgesprochen und solche, die zum Beispiel mit sehr gefährdeten Personen zusammenleben.

Wie gefährlich sind Impfstoffe für Kinder? Das sagen US-Forscher

Mittlerweile hat die Stiko die Impf-Empfehlung auf Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren ausgeweitet – mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna als erste in Europa dafür zugelassenen Impfstoffen. Doch nun wirft der Fall aus Cuxhaven erneut die Frage auf: Wie sicher sind Corona-Impfstoffe für Kinder wirklich?

In Deutschland dürfen Kinder ab 12 Jahren mit Biontech und Moderna geimpft werden. Die Zulassung für jüngere Kinder steht noch aus. Biontech/Pfizer hat sie bereits beantragt, die europäische Arzneimittelbehörde EMA kündigte an, möglichst noch vor Weihnachten darüber entscheiden zu wollen.

Da die Datenlage bei Impfstoff-Studien für Kinder in Deutschland noch relativ dünn ist – so wurden laut Wissenschaftsmagazin Quarks bislang 2000 Kinder mit Biontech getestet und 3700 mit Moderna – lohnt der Blick über den Atlantik: Laut Daten der kanadischen Zulassungsbehörde traten Impfreaktionen unter Jüngeren häufiger auf als bei Erwachsenen – etwa um ein Fünftel mehr.

Mit diesen Impfreaktionen seien kurzfristige Symptome nach der Impfung gemeint: Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Schmerzen, Müdigkeit, Hautrötung oder Jucken an der Einstichstelle.

Wie sicher sind Impfungen für Kinder? Nebenwirkungen treten häufig auf

Auch in den USA, wo bereits mehrere Millionen Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft wurden – und die Impfung von Kindern ab fünf Jahren bereits erlaubt ist – gibt es Studien. So zeigt eine Befragung der US-Gesundheitsbehörde CDC unter 129.000 Geimpften zwischen 12 und 17, dass Impfreaktionen relativ häufig auftraten. In der Woche nach der ersten Dosis – meist einen Tag nach der Impfung – klagten 63,9 Prozent der Kinder zwischen 12 und 15 Jahren über lokale Reaktionen, wie Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle. Bei 48,9 Prozent traten systemische Reaktionen wie Müdigkeit, Fieber, Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen auf.

Bei der zweiten Impfung lag die Quote systemischer Reaktionen bei 63,4 Prozent. Ähnliche Ergebnisse habe man auch bei Jugendlichen zwischen 16 und 17 Jahren feststellen können.

Schwerwiegende Nebenwirkungen, wie Herzmuskelentzündungen, seien nicht aufgetreten, heißt es in der US-Studie. Allerdings seien seltene Nebenwirkungen, sollten sie denn auftreten, immer erst nach deutlich mehr Impfungen zu beobachten. Sprich: nach der Zulassung.

Corona-Impfung für Kinder: Zusammenhang zwischen Impfung und Erkrankung festgestellt

Wie das Wissenschaftsmagazin Quarks berichtet, hätten Wissenschaftler seit dem Frühjahr bei jungen Menschen eine Häufung von Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) festgestellt, die nach einer mRNA-Impfung auftraten. 90 Prozent der Betroffenen seien Jungen und männliche Jugendliche gewesen.

Die Feststellung der Wissenschaftler: Bei Menschen zwischen 16 und 29 Jahren scheint es einen Zusammenhang zwischen Impfung und Erkrankung zu geben.

Corona-Impfung: So hoch ist das Risiko einer Herzmuskelentzündung

Wie hoch das Risiko ist, nach der Impfung an einer Herzmuskelentzündung zu erkranken, zeigen folgende Zahlen: Bei einer israelischen und männlichen Altersgruppe von 16- bis 19-Jährigen lag das Risiko bei 15 Personen unter 100.000 Geimpften. Die Forscher beobachteten mehr Fälle, als sie für diese Altersgruppe erwarteten.

Bei den 16- bis 19-Jährigen waren es 13,7-mal mehr Fälle, bei den 20- bis 24-Jährigen 8,5-mal mehr Fälle und bei den 25- bis 29-Jährigen siebenmal mehr Fälle. Um daraus aber Schlüsse für das Risiko nach Impfungen ziehen zu können, müssen Geimpfte und Infizierte gegenübergestellt werden. Das haben Forscher aus Israel gemacht. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass das Risiko einer Herzmuskelentzündung bei Corona-Infizierten sechsmal so hoch war, als bei Geimpften.

Nebenwirkungen nach Corona-Impfung für Kinder: „Schwere Verläufe können nicht ausgeschlossen werden“

Mehrere Studien bestätigten auch: Die meisten Fälle von seltenen Nebenwirkungen – etwa 75 bis 95 Prozent – verlaufen mild. In der Regel können Kinder und Jugendlichen das Krankenhaus nach wenigen Tagen wieder verlassen – ohne Beschwerden oder Auffälligkeiten.

Bleiben allerdings die restlichen Prozent: Auch das Paul-Ehrlich-Institut bestätigt in seinem aktuellsten Sicherheitsbericht, dass schwerwiegendere Verläufe in Einzelfällen nicht ausgeschlossen werden können. In den meisten Fällen von Herzmuskel- (Myokarditis) und Herzbeutelentzündungen (Perikarditis) – beide können tödlich enden – hätten sich Patienten nach Behandlung und Ruhe schnell wieder besser gefühlt.

Tödliche Nebenwirkungen nach Impfung: Risiko bei Moderna höher

Bislang seien mehr als 92 Millionen Impfdosen Biontech und Moderna verimpft worden. Im Berichtszeitraum vom 27. Dezember 2020 bis einschließlich 30. September 2021 seien 1243 Verdachtsmeldungen einer Myo-/Perikarditis gemeldet worden – wobei die Melderate bei Jungen und männlichen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren sowie jungen Männern unter 30 Jahren am höchsten gewesen sei.

Ob es einen Unterschied zwischen den Impfstoffen von Biontech und Moderna bezüglich schwerer Nebenwirkungen gibt, sei bislang nicht sicher. Allerdings würden Spontandaten aus Deutschland zeigen, dass das Risiko nach der Impfung mit Moderna bei jungen Männern und Frauen höher sein könnte, als nach der Impfung mit Biontech. Eine mögliche Erklärung wäre, dass die verabreichte Dosis beim Moderna-Impfstoff um das Dreifache höher ist.

Meldungen über das Auftreten einer Anaphylaxie, einer potenziell lebensbedrohlichen allergischen Reaktion, nach der Impfung seien sehr selten: In Deutschland sind zirka sechs Fälle auf eine Million Erstimpfungen für jeden der beiden mRNA-Impfstoffe bekannt. Bei Zweitimpfungen sind es etwa ein bis zwei Fälle auf eine Million Impfungen.

Wie gefährlich sind Impfstoffe für Kinder? Das sagt die Datenlage

Alle bisherigen Ergebnisse zusammengenommen, lässt sich von einer sicheren Corona-Impfung für Kinder sprechen. Allerdings ist die weltweite Datenlage noch relativ dünn. Da aber immer mehr Kinder ab 12 in zahlreichen Ländern geimpft werden, verbessert sie sich zunehmend. Dennoch wären mehr Studien, die sich mit Impfungen für Kinder befassen, sinnvoll.

Corona-Impfungen können – wie alle anderen Impfungen auch – bei Kindern zu Nebenwirkungen führen. Laut Studien aus den USA und Kanada können diese sogar etwas häufiger als bei Erwachsenen auftreten. Und: Die Chancen stehen höher, je jünger das Kind ist. Zudem steigen die Chancen nach der Zweitimpfung.

Dabei allerdings wichtig zu erwähnen: Die Nebenwirkungen sind in den allermeisten Fällen nicht schwerwiegend und beschränken sich dabei auf Müdigkeit und Kopfschmerzen – im schlimmsten Fall auf Fieber.

Kinder gegen Corona impfen: Lebensgefährliche Impfreaktionen möglich

Potenziell lebensgefährliche Impfreaktionen können in seltenen Fällen auftreten, verlaufen aber meist mild – und vor allem: nie tödlich. Laut Paul-Ehrlich-Institut gebe es in Deutschland bislang keine bestätigten Todesfälle von 12- bis 17-Jährigen, die im Zusammenhang mit der Covid-Impfung stünden.

Zudem gibt es keine bestätigten Fälle von Menschen, die an einer Impfung gestorben sind. In Deutschland sind 1802 Menschen gestorben, nachdem sie gegen Corona geimpft wurden. Bei allen Vorfällen gebe es laut Paul-Ehrlich-Institut einen zeitlichen Zusammenhang – jedoch keinen kausalen. Heißt: Die Menschen können an allerlei anderen Komplikationen gestorben sein, wie es jeden Tag passiert.

Soll ich mein Kind gegen Corona impfen lassen? Risiko und Chancen abwägen

Eltern müssen abwägen, ob sie ihre Kinder impfen lassen wollen. Der erhöhten Chance, Nebenwirkungen – zumeist mild, sehr selten schwer –zu bekommen, steht das erheblich höhere Risiko gegenüber, an Corona zu erkranken.

Auch wenn Covid-19 bei Kindern nur in seltenen Fällen schwer verläuft, gibt es bestätigte Todesfälle – wenn auch sehr wenige: Dem Robert Koch-Institut (RKI) liegen 17 geklärte Todesfälle in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen vor. Bei 11 der 17 offiziellen Todesfälle litten die Kinder zudem an relevanten Vorerkrankungen. Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine Studie aus England*.

Die Frage, ob Kinder an Corona-Spätfolgen, Long-Covid, erkranken können, ist immer noch ungeklärt. Das meint Symptome, die nach der Infektion auch Monate später auftreten können. Sehr selten gibt es Kinder, die Monate nach einer Corona-Infektion müde, verwirrt oder nicht fit sind, berichtet Quarks. In diesen Fällen zeigten sich zudem andauernde Hautausschläge oder Entzündungen. Es ist möglich, dass diese Kinder Monate, Jahre oder sogar ihr ganzes Leben damit zu kämpfen haben. Eine Impfung könnte mögliche Langzeitfolgen sowie Todesfälle verhindern.

Wie sinnvoll sind Corona-Impfungen für Kinder? „Die vierte Welle rollt“

Da die rund 14 Millionen Kinder und Jugendlichen in Deutschland ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ausmachen, kann eine Impfung helfen, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Denn die Zahl der Neuinfektionen steigt wieder, erreichte am Donnerstag, 4. November 2021, sogar einen neuen Höchststand. „Die vierte Welle rollt mit voller Wucht“, verkündete auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Nach wie vor hält ein Großteil der Experten Impfungen für den Schlüssel, um die Pandemie zu besiegen. Auch Impfzentren sollen offenbar wieder öffnen. Im Herbst und Winter können Schulen wieder zu Hotspots werden. Und auch wenn bei infizierten Kindern selten schwere Krankheitsverläufe oder gar Todesfälle auftreten – sie können Menschen anstecken, die besonders gefährdet sind. Manche sehen das allerdings nicht so: Wohl infolge des tragischen Todes des 12-Jährigen sind Impfgegner im Landkreis Uelzen vor einer Schule aufmarschiert und haben dort Schülerinnen und Schüler bedrängt*. * kreiszeitung.de und az-online.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

  

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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