Boostern, Boostern, Boostern

Corona in Deutschland: „Wir sind im Blindflug“ – Christian Drosten zu Omikron

Bei der Corona-Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Lauterbach und RKI-Chef Wieler steht Christian Drosten Rede und Antwort. Der Virologe warnt weiter vor Omikron.

Berlin – Die Corona-Pressekonferenz vor allem im Hinblick auf die rasante Verbreitung durch die Corona-Variante Omikron hat nicht nur Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf den Plan gerufen. Auch der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, und der Virologe Christian Drosten informierten über die derzeitige Corona-Lage in Deutschland. Der Leiter am Institut der Virologie an der Berliner Charité wies – ebenso wie Lauterbach und Wieler – auf den Ernst der Corona-Lage in Deutschland hin. Wegen der Omikron-Welle stellten sich für die Politik weiterhin enorme Herausforderungen, hieß es.

Corona-Inzidenz in Deutschland: RKI vermeldet Höchstwert – Drosten erschüttert mit „Wir sind im Blindflug“-Aussage zu Omikron

Zurzeit jagt bei der Corona-Inzidenz in Deutschland ein Rekordwert den nächsten. Am Freitag, 14. Januar 2022, vermeldete das RKI 92.223 neue Corona-Fälle* im gesamten Bundesgebiet und 286 Todesfälle, die an oder im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind. Dieser Umstand ergibt eine deutsche Corona-Inzidenz von 470,6. Spitzenreiter bei der Sieben-Tage-Inzidenz bleibt weiterhin das Bundesland Bremen mit einer Inzidenz von 1427,2, während sich in Niedersachsen der Landkreis mit der geringsten Corona-Inzidenz mit einem Wert von 125,5 in Deutschland befindet.

Gerade bei diesen Werten, die im Vergleich zu Italien noch niedrig liegen*, ist weder dem Virologen Christian Drosten, noch RKI-Chef Wieler oder Gesundheitsminister Karl Lauterbach zum Lachen zumute. Vielmehr warnt und mahnt das Corona-Dreigestirn weiter ob der gravierenden Corona-Zahlen. „Wir sind im Blindflug“, erklärte Drosten auf der Corona-Pressekonferenz über Omikron.

Virologe Drosten über Omikron in Deutschland: „Wissen nicht, ob wir das Virus schon laufen lassen können“

Im Zusammenhang mit der hochinfektiösen Corona-Variante erklärte der Virologe Drosten weiter: „Wir wissen im Moment nicht, ob wir das Virus schon laufen lassen können in Deutschland“, so der Corona-Experten. „Die schlechte Nachricht ist: Wir haben zu viele Ungeimpfte über 60, die Impflücke ist zu groß. Das ist nicht gut.“

„Wir wissen, dass zunehmend ältere Menschen betroffen sein werden“, warnte auch RKI-Chef Wieler. Die Todeszahlen gingen derzeit zwar zurück, „das wird sich aber wieder ändern“ – ebenso wie die Hospitalisierungsrate.

Christian Drosten (l-r), Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, Lothar Wieler, Präsident vom Robert Koch-Institut (RKI), und Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, äußern sich in der Bundespressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage.

Man könne derzeit einfach nicht voraussehen, ob das Virus – wie es bei vielen anderen Viren ist – auf die Bevölkerung treffen könne ohne Maßnahmen. Deswegen sei es noch immer so wichtig, weiterzuimpfen und zu boostern. Denn nach der Aussage von Christian Drosten sei es gut, dass Omikron milder verlaufe, aber die Fallzahlen seien natürlich trotzdem zu hoch. Gleichzeitig prangerte der Corona-Experte die „doppelte Botschaft“ an, die momentan in Deutschland die Runde macht: „Derzeit wird vieles missverstanden“, so der Chef der Virologie der Berliner Charité. Eine Einschätzung, die der RKI-Chef zuvor ebenfalls unterstrich.

RKI-Chef teilt Christian Drostens Einschätzung zur Corona-Variante – „Omikron dominiert in Deutschland“

„Die Impfungen verhindern nicht unbedingt eine Ansteckung, das ist wahr“, gestand RKI-Chef Lothar Wieler bei der Pressekonferenz ein, teilte zuvor allerdings die Einschätzung von Christian Drosten zu Omikron. „Aber sie schützen vor einem schweren Verlauf. Impfungen helfen also, das Gesundheitssystem und alle anderen wichtigen Bereiche nicht zu überlasten“, sagte Wieler und stellte zuvor bereits klar, dass die Corona-Variante in Deutschland die Corona-Zahlen weiter steigen lassen wird.

„Omikron dominiert in Deutschland, die Zahlen werden weiter steigen“, gab sich auch der RKI-Chef keinen Corona-Illusionen hin. Rund ein Prozent der Bevölkerung sei derzeit mit Corona infiziert.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach schätzt Corona-Lage kritisch ein: „Werden in ein schwieriges Fahrwasser kommen“

Neben Christian Drosten und Lothar Wieler sieht auch der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Corona-Lage im Land weiterhin kritisch. Daher spricht der SPD-Politiker auch keineswegs von einer bundesweiten Entspannung. „Die derzeitigen Studien zu Omikron könnten nicht eins zu eins auf Deutschland anwendbar sein“, mahnt der SPD-Politker Lauterbach, der auch noch andere Baustellen auf dem Plan hat.

„Diese Nachrichten sind so nicht übertragbar. Ich warne davor, eine Durchseuchung zu akzeptieren“, so Lauterbach weiter. „Wir hätten zu viele Opfer.“ Grund sei vor allem, dass in Deutschland noch zu viele Ältere ungeimpft seien und die Studien vor allem bei jüngeren Patienten durchgeführt wurden.

Lauterbach und Bundesregierung wollen die „Omikron-Wand“ in einen „Omikron-Hügel“ verwandeln

Erneut erklärt Lauterbach, dass die Bundesregierung versuchen will, die „Omikron-Wand“ in einen „Omikron-Hügel“ zu verwandeln. Es gebe aber bisher keinen Grund zur Entwarnung. Die Verdoppelungszeit liegt derzeit bei knapp einer Woche, so Lauterbach. „Die Regeln wirken“. Auch Drosten schlägt in Bezug auf die Corona-Maßnahmen in die gleiche Kerbe.

Der Virologe macht deutlich, dass die Verdoppelungszeit in Deutschland deutlich langsamer sei als in anderen Ländern. „Der R-Wert ist allerdings seit längerer Zeit wieder über 1“, so Drosten weiter. „Das muss man drücken.“ Dabei spielt der Schulstart jetzt nach den Ferien als Knackpunkt eine entscheidende Rolle. Allerdings lassen sich bei Omikron immerhin immer wieder neue Symptome an Lippen, Nägeln und Haut zur Prävention feststellen. Erst kürzlich machte ein neues Omikron-Symptom* in medizinische Kreisen wieder die Runde.

Trotz Omikron-Welle glaubt Lauterbach nicht an Schulschließungen – Kinder geben viel für Schutz von Ungeimpften auf

Auf die Fragen, ob Lauterbach für eine Impfpflicht ist und was man für den Schutz an Schulen tue, bezieht der Gesundheitsminister klar Stellung. Eine Impfpflicht sei wichtig, um endlich alle Gruppen durchzuimpfen und meint damit eben nicht nur die erste oder zweite Impfung, sondern auch eine Booster-Impfung gegen Corona. 

Dann werde das Leben auch für alle einfacher, die derzeit auf vieles verzichten, weil es noch so viele Ungeimpfte gibt. „Auch unsere Kinder geben derzeit viel auf, um die Ungeimpften zu schützen“, so der SPD-Politiker. Ebenso äußerte sich auch Lothar Wieler. „Es gibt eine Gruppe von Menschen, die man mit der herkömmlichen Kampagne nicht mehr erreicht“, so der RKI-Chef. „Wir retten durch eine Impfpflicht einfach mehr Leben.“

Lauterbach fegt Corona-Lockerungen aufgrund der „schweren Omikron-Welle vom Tisch – Drosten rechnet mit weiterer Impfung gegen Corona-Variante

Auch wenn Schulschließung derzeit nicht auf der Agenda des Gesundheitsministers stehen, sieht Lauterbach dennoch keinen Grund für falschen Optimismus oder gar Corona-Lockerungen. „Lockerungen kann man zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen“, stellt der Gesundheitsminister klar. „Wir befinden uns mitten in einer schweren Omikron-Welle.“ Die sei für viele Menschen gefährlich. „Wir haben keinen Anlass für Lockerungen“, verdeutlichte Lauterbach.

Dafür sieht auch Christian Drosten keinen Grund. Stattdessen geht der Virologe davon aus, dass im Sommer oder Herbst nochmals eine Impfung mit einem angepassten Impfstoff für die Omikron-Variante fällig ist. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld | dpa

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