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CBD als Alternative zu Schmerzmitteln - hilft Cannabidiol wirklich?

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Von: Maria Sandig

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Natürliche Nahrungsergänzungsmittel sind gefragt. Darunter auch Cannabidiol, kurz CBD. Cannabidiol ist dafür bekannt, entspannende und krampflösende Wirkungen zu haben, auch Benedikt Gansczyk aus Leipzig schwört darauf. Doch auch, wenn CBD ohne Rezept erhältlich ist, ist die rechtliche Lage unklar und die Wirkung umstritten.

Leipzig – Vor etwa drei Jahren kommt für Benedikt alles zusammen: Sein Sohn kommt erst mit einem schweren Herzfehler auf die Welt und verstirbt. „Er hat uns leider nach sechs Wochen verlassen“, sagt der 33-Jährige, der als Art Director in einer Werbeagentur in Leipzig arbeitet.

Der Kinderwunsch bleibt, seine Freundin wird erneut schwanger. Doch dann kommt es zu einem Unfall. Der Zahn eines Gegenspielers bohrte sich bei einem Zusammenstoß bei einem Fußballspiel in seinen Kopf. Er kommt ins Krankenhaus. Danach leidet er unter starken Kopfschmerzen, hinzu kommen Ängste um das ungeborene Baby.

CBD als Schmerzmittel: Nicht lässt ihn seine Schmerzen vergessen, bis er CBD probiert

Zuerst bekommt er gegen die Schmerzen, die immer schlimmer werden, Ibuprofen. „Das wollte ich nicht auf Dauer, das macht die Nieren kaputt und irgendwann hatte es auch Auswirkungen auf meine Stimmung“, sagt Benedikt. Auch trotz Physiotherapie und Orthopädie tritt keine Besserung ein. Seine Ärztin äußert den Verdacht, dass die Schmerzen psychisch bedingt sind und als körperliches Symptom zum Ausdruck kommen, also psychosomatisch sind.

Benedikt Gansczyk aus Leipzig nimmt CBD, wenn er Schmerzen hat.
Benedikt Gansczyk aus Leipzig nimmt CBD, wenn er Schmerzen hat. © Maria Sandig

„Als ich von den gängigen Schmerzmitteln genug hatte, versuchte ich es mit pflanzlichen Alternativen“, sagt Benedikt. Nichts lässt ihn seine Schmerzen vergessen oder ertragen. „Bis ich CBD probierte.“

Cannabidiol, kurz CBD, ist ein Bestandteil der Hanfpflanze. Es zählt zu den Cannabinoiden, wie auch THC. Während THC im Cannabis, über dessen Legalisierung derzeit in der Ampel-Regierung diskutiert wird, auch für bewusstseinsverändernde Wirkungen sorgt, ist CBD für seine eher beruhigende und entkrampfende Wirkung bekannt. Denn im Gegensatz zu THC ist CBD kaum psychoaktiv und macht auch nicht „high“.

Vor dem Schlafen träufelt sich Benedikt täglich fünf Tropfen des CBD-Öls unter die Zunge. „Es dauert nicht lange, bis Nervosität, Schmerzen und Unruhe verschwunden sind.“ Mit THC habe er auch schon Erfahrungen gemacht. „Als Jugendlicher habe ich ab und an gekifft und dabei auch negative Erlebnisse gehabt, wie Fressflashs oder Übelkeit.“ Mit CBD spüre er keine negativen Symptome. „Es ist, als wären die Gedanken danach sortierter und ich entspannter.“ Seine Ärztin riet ihm von CBD ab. „Schlimmer werden konnte es nicht“, sagt er. „Weil ich nur Gutes gelesen habe, wollte ich es einfach ausprobieren.“

CBD-Produkte derzeit nicht zugelassen

Aber es gibt auch gegenteilige Aussagen von enttäuschten Schmerzpatienten, die berichten, dass sie keine Wirkung des CBD-Öls spüren. CBD-Produkte sind als Lebensmittel derzeit nicht zugelassen, aktuell werden CBD-Öle häufig als Aromaöle, oder Kosmetik verkauft – diese sind aber nicht zur oralen Aufnahme geeignet. Dass Influencerinnen und Influencer CBD auf sozialen Netzwerken vermehrt bewerben und Aussagen zu Auswirkungen auf das Schmerzempfinden oder die psychische Gesundheit treffen, sieht die Verbraucherzentrale kritisch.

Cannabidiol, kurz CBD, ist ein Bestandteil der Hanfpflanze.
Cannabidiol, kurz CBD, ist ein Bestandteil der Hanfpflanze. © Jens Kalaene/ dpa

Von experimentellen Selbsttherapien rät Dr. med. Christian Kessler, Oberarzt in der Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin, ab. Cannabis-Arzneimittel, auch CBD, verschreibe er grundsätzlich erst, wenn Menschen mit einer konventionellen Therapie am Ende seien. „Wenn wir medizinisch nachvollziehbar nicht weiterkommen, können Cannabinoide im Einzelfall eine Option sein.“

Oberarzt rät von experimentellen Selbsttherapien ab

Cannabinoide haben im Körper zahlreiche Wirkungen und Wechselwirkungen. Besonders bei Patienten, die andere Medizin nehmen. Eine gezielte Therapie sei aufgrund der vielen Eigenschaften von Cannabinoiden nur bedingt möglich.

„Das ist gleichermaßen Segen und Fluch. Während zum Beispiel CBD dem einen Menschen helfen kann, kann es bei einem anderen Menschen mit ähnlicher Fragestellung weniger wirksam sein. Die optimale Einstellung auf ein passendes Cannabis-Arzneimittel ist oft ein komplexer, individueller Prozess, der in jedem Fall ärztlich begleitet werden sollte.“


Hilft CBD bei der Behandlung des Corona-Virus?

Den Hype um CBD als Allheilmittel halte er in dieser Form für nicht zielführend. Seit einiger Zeit kursieren Nachrichten im Netz, dass CBD bei der Behandlung des Corona-Virus helfen könnte. „Das ist eine echte Räuberpistole. Es gibt keine Daten dafür, dass Cannabinoide ein coronaspezifische Wirkung haben“, sagt Kessler. Eine neue US-Studie stellt allerdings die These auf, dass Cannabis vor einer Corona-Infektion schützen könnte.

Durch die entzündungshemmenden Eigenschaften könnte es möglicherweise günstige Wirkungen auf Entzündungsreaktionen haben. „Aber ich würde mich auf der Basis der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage keinesfalls dazu hinreißen lassen, zu behaupten, dass Cannabinoide bei COVID-19 helfen können.“ Hierzu brauche es zunächst überzeugende Ergebnisse aus der klinischen Forschung. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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