Missbrauchs-Skandal in Kaserne Mittenwald

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In der Edelweiß-Kaserne in Mittenwald sind Gebirgsjäger stationiert. Ob diese Kaserne vom Missbrauchsskandal auch betroffen ist, ist noch unklar.

Mittenwald - Nach der Totenkopf-Affäre (2006) sind die Mittenwalder Gebirgsjäger neuerdings bundesweit in die negativen Schlagzeilen geraten. Junge Soldaten wurden mit entwürdigenden Mutproben und Aufnahmeritualen schikaniert.

Diese mussten bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweineleber essen, um in einer internen Hierarchie aufsteigen zu können, berichtete ein ehemaliger Rekrut in einer Beschwerde an den Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe. Auch würden Soldaten gezwungen, sich vor Kletterübungen vor den versammelten Kameraden zu entkleiden. Das berichteten die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwoch) und das ZDF.

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Ein Sprecher der für die Gebirgsjäger zuständigen Einheit bestätigte die Vorfälle der dpa: "Die Rituale haben sich zwischen Mannschaftsdienstgraden vollzogen." Ältere Soldaten des Hochgebirgsjägerzuges hätten von jüngeren bestimmte Aufnahmerituale verlangt, "um als echte Gebirgsjäger zu gelten". Vorgesetzte seien aber nicht beteiligt gewesen.

"Es wurden etliche Beschuldigte genannt in dieser Sache", sagte der Sprecher. Einige davon gehörten der Bundeswehr inzwischen nicht mehr an. Nach den bisherigen Ermittlungen des Bataillons sei es zu den Ritualen außerhalb der Dienstzeit und außerhalb der Kaserne gekommen. Die Anfang Februar begonnenen Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verlangte im ZDF: "Aufklären, abstellen und Konsequenzen ziehen." Guttenberg hat selbst in Mittenwald seinen Wehrdienst geleistet. Ganz anders äußert sich dagegen ein Ministeriumssprecher am Mittwoch: Konsequenzen würden nicht gezogen.

Robbe hält die Angelegenheit für einen Fall von offenbar größerer Dimension. "Wenn diese Rituale mit Körperverletzung im Zusammenhang stehen und wenn Rekruten, die ja unter dem besonderen Schutz des Dienstherren stehen, misshandelt werden, dann gilt hier null Toleranz", sagte er im ZDF. "Dann muss alles aufgedeckt werden."

Dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt sagte Brigadegeneral a. D. Uwe Richardsen: „Spinner gibt’s immer wieder.“ Richardsen hatte 1959/1960 als Offizier Dienst in der Edelweißkaserne getan. Den Verantwortlichen gibt er folgenden Rat: „Erst mit den Leuten reden, dann eine Nacht drüber schlafen.“ Das werden der Kommandeur des Bataillons 233, Fred Siems, der Standortälteste Jürgen Radermacher und Vertreter der übergeordneten 10. Panzerdivision in Sigmaringen sicherlich auch tun (müssen).

Die Beschwerde ging Ende Januar bei Robbe ein und stammt von einem ehemaligen Wehrpflichtigen. Demnach existiert bei den Gebirgsjägern des Bataillons 233 unter den Mannschaftsdienstgraden schon seit den 80er Jahren eine interne Hierarchie, genannt "der Hochzugkult". In diesem sei man zunächst drei Monate "Fux" und müsse für die "Cheflage" spülen und putzen. Aufsteigen könne man nur, wenn man verschiedene Aufnahmerituale bestehe. So musste sich der Soldat im Sommer 2009 zwei Tage lang außerhalb der Dienstzeit anstrengenden Prüfungen stellen und dabei große Mengen Alkohol trinken. Dabei würden Soldaten auch gezwungen, rohe Schweineleber und Rollmöpse mit Frischhefe zu essen. Die Frischhefe bewirke, dass sich die Betroffenen innerhalb kürzester Zeit heftig übergeben mussten.

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