Brutaler Mord an eigener Mutter

Karlsruhe - Er sitzt dort wie ein Junge vor dem Sonntagsgottesdienst. Ein silbernes Kreuz baumelt an einer Kette über dem Ringelpullover, die Hände ruhen gefaltet auf dem Tisch.

Hin und wieder schließt der 20-Jährige die Augen, während der Jugendrichter schildert, wie der junge Mann seine Mutter verprügelt hat - eine Stunde lang, mit der bloßen Faust, bis die Frau an ihrem eigenen Blut qualvoll erstickte. Neun Jahre lang muss er für den Mord an seiner 51-jährigen Mutter büßen, entschied die Kammer des Landgerichts Karlsruhe am Donnerstag. Neben dem jungen Mann sitzen sein Bruder (21) und ein gemeinsamer Freund (20) auf der Anklagebank. Auch sie müssen hinter Gitter - sie saßen während der Prügelorgie im März im Nebenzimmer und schritten nicht ein.

Dreieinhalb Tage lag die tote Mutter in der Wohnung - bevor der Vater eines geständigen Bekannten die Polizei alarmierte. Das mache selbst eine “hartgesottene Jugendkammer wie uns betroffen“, sagt der Vorsitzende Richter Bertram Schmidt zu dem bereits polizeibekannten Trio. “Sie ließen die entstellte Frau, ihre eigene Mutter, dort liegen, als wäre nichts geschehen.“

Nicht nur die Söhne wussten von der Tat, auch mehrere Bekannte schwiegen zunächst, obwohl sie die blutverkrustete Leiche gesehen hatten. “Uns zeigt das, dass es zu einer Verrohung der Gesellschaft gekommen ist“, bilanziert Richter Schmidt.

Ein sicheres Motiv für den Mord kann auch die Jugendkammer nicht an den Tag bringen: “Die Tat wurde wohl durch einen Gefühlsmix aus unterschwelligem Hass und blanker Wut auf die Mutter ausgelöst“, sagt Schmidt. Der ältere Bruder soll nach Aussage des geständigen jüngeren Angeklagten nicht zugeschlagen haben. Er hatte aber während des Martyriums seiner Mutter mit dem ebenfalls verurteilten Freund im Nebenzimmer gesessen - als die gellenden Schreie zu laut wurden, hatten sie die Musik aufgedreht.

Der 21-Jährige muss sich für Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen verantworten - er wird nach Erwachsenenstrafrecht zu drei Jahren Haft verurteilt. “Schutz ist keine Einbahnstraße“, sagt Richter Bertram. “Erwachsene Söhne müssen auch ein Garant für den Schutz ihrer Mutter sein.“

Der alkoholabhängige Hauptangeklagte und der Freund werden nach Jugendstrafrecht verurteilt, sie müssen zudem in eine Entziehungsanstalt. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Haft für den jüngeren, vier Jahre für den älteren Sohn gefordert. Der Freund hätte nach dem Willen der Anklage für insgesamt fünf Jahre ins Gefängnis gemusst. Die Verteidigung plädierte auf eine Verurteilung nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags, da der jüngere Sohn im Affekt gehandelt habe.

dpa

Rubriklistenbild: © Haag

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