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Experte über Booster-Impfung: Verzicht kann „tödlich sein“

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Von: Jennifer Köllen

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Viele Deutsche verzichten nach der Corona-Impfung auf den Booster. Das kann sehr gefährlich sein. Darum sollte man sich unbedingt die Auffrischungsimpfung holen.

Berlin – Während die Corona-Regeln in Deutschland gelockert werden, fiel die Maskenpflicht in den meisten Bundesländern am 2. April 2022. Kürzlich hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sogar davon gesprochen, dass Corona-Infizierte nicht mehr in die Isolation müssten. Kurz darauf ruderte er zwar zurück, doch natürlich suggeriert dies alles den Bürgern: Corona ist nicht mehr so gefährlich. Diese Annahme hält der Leiter des Corona-Krisenstabs im Kanzleramt, Generalmajor Breuer, für falsch. Wer auf den Schutz der Booster-Impfung verzichte, riskiere sogar sein Leben.

Corona: Experte über Booster-Impfung – Verzicht kann „tödlich sein“

In einem Interview mit der Zeitung Welt sagte Breuer, die Politiker setzten nun „auf die Eigenverantwortung der Menschen im Land. Ich kann aber jedem nur raten, die Maske nicht an den Nagel zu hängen, sondern weiterzunutzen, wo immer notwendig.“

Auch zu der derzeitigen Impfmüdigkeit in Deutschland äußerte sich Breuer. „Wir haben aktuell eine Impflücke von zwölf Millionen, so viele Erwachsene haben sich zweimal immunisieren, aber nicht boostern lassen. Diese Leute sind zwar impfwillig, verzichten aber auf einen zuverlässigen Schutz“, erklärte der Leiter des Corona-Krisenstabs über den Corona-Schutz der Booster-Impfung. Er könne sich nicht erklären, warum die Menschen die Booster-Impfung, also eine dritte und vierte Corona-Impfung, nicht wahrnehmen würden.

Corona: Experte über Schutz der Booster-Impfung – Verzicht der Auffrischungsimpfung kann „tödlich sein“

Ziel sei es jetzt, die Impflücke zu schließen und so viele Menschen wie möglich zu immunisieren. Auch mit Auffrischungsimpfungen. Dann gab Breuer eine klare Corona-Warnung aus, um sich für den Schutz der Booster-Impfung starkzumachen: „Und ich warne davor, die dritte Impfung ausfallen zu lassen – das kann tödlich sein.“

Grafik: Ein älteres Paar steht auf einer Spritze
Booster-Impfungen – Experten und das RKI sagen: Sie schützen vor schweren Verläufen und dem Tod. (Symbolbild) © Gary Waters/imago

Schutz der Booster-Impfung: So sinnvoll ist die dritte Impfung gegen Corona

Doch stimmt es wirklich, was Breuer über einen Verzicht gegenüber der Auffrischungsimpfung sagt? Kann es sehr gefährlich sein, sich nach zwei Corona-Impfungen nicht boostern zu lassen? Studien zum Schutz der Booster-Impfung zeigen: So ist es. Denn der Impfschutz und somit der Schutz vor einem schweren Verlauf mit tödlichem Ausgang verbessert sich mit dem Booster extrem.

Ein Team um Shlomit Yaron von den Clalit Health Services in Tel Aviv verglich die Sterblichkeit von Menschen, die zweimal mit einem mRNA-Impfstoff geimpft wurden, mit der von Menschen, die zusätzlich eine Auffrischimpfung bekommen hatten. In die Studie flossen Daten ein von mehr als einer dreiviertel Million Menschen. Sie waren 50 Jahre oder älter und ihre Zweitimpfung lag mindestens fünf Monate zurück. In der Gruppe mit der Booster-Impfung lag das Risiko, an Corona zu sterben, nur bei einem Zehntel im Vergleich zur Gruppe ohne Schutz der Booster-Impfung.

Auch andere Studien bestätigen die Ergebnisse aus Tel Aviv. Die Ergebnisse zeigen, „dass der Booster wieder einen extrem guten Schutz vor einer Infektion bringt, besonders vor schwerer Erkrankung“, sagt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. „Und das über alle Altersgruppen. Also: Jeder profitiert von einem Booster“, so Watzl zur Deutschen Presse Agentur.

Schutz der Booster-Impfung – RKI über Auffrischungsimpfungen, schweren Verlauf und Tod

Die geschätzte Effektivität der Auffrischimpfung in Hinblick auf eine Krankenhauseinweisung beziffert das Robert Koch-Institut (RKI) für die als besonders gefährdet geltenden Menschen ab 60 Jahren mit 87 Prozent. Auf Twitter ergänzte das Institut zum Schutz der Booster-Impfung, dass eine vollständige Impfung und vor allem ein Booster sehr gut vor schwerem Verlauf und Tod schützten. Zudem sei die Krankheitsschwere bei einer Corona-Infektion nach einer Impfung grundsätzlich geringer.

Schutz der Booster-Impfung – Warum reichen zwei Corona-Impfungen nicht aus?

Zwei Corona-Impfungen reichen also nicht aus, um sich wirklich vor dem Virus zu schützen. Der Grund: Der Impfschutz lässt mit der Zeit nach. Ein Booster bzw. eine Auffrischungsimpfung bewirkt, dass sich deutlich mehr Antikörper gegen das Coronavirus bilden.

Die Hersteller Biontech/Pfizer konnten in der Phase-III-Studie für den Booster zeigen, dass eine Auffrischungsimpfung signifikante neutralisierende Antikörpertiter hervorruft. Die Zahl der Antikörper war laut Biontech/Pfizer einen Monat nach der Corona-Impfung ganze 3,3-mal so hoch wie nach der zweiten Coronaimpfung. Der Schutz der Boosterimpfung senkt das Eintreten eines schweren Verlaufs also deutlich.

Ist die Booster-Impfung als Schutz vor allem wegen der derzeit vorherrschenden Corona-Variante Omikron wichtig? Die derzeitigen Corona-Impfstoffe schützen Studien zufolge deutlich weniger vor einer Infektion mit Omikron oder dem Subtyp BA.2 der Corona-Variante als vor der zuvor dominierenden Delta-Variante. Und dennoch sollte der Schutz der Booster-Impfung auch hier keineswegs unterschätzt werden.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den Booster mit einem mRNA-Impfstoff drei Monate nach der Zweitimpfung. Die Empfehlung gilt für alle Erwachsenen. Derzeit haben sich in Deutschland knapp 49 Millionen Menschen eine Auffrischungsimpfung geben lassen, wie es in einem Bericht des Robert Koch-Instituts steht (Stand: 7. April).

Booster-Impfung: Menschen ab 70 Jahren sollten sich eine vierte Auffrischungsimpfung holen

Älteren Menschen rät die Stiko sogar zu einer vierten Corona-Impfung: Menschen ab 70 Jahren und Menschen mit Vorerkrankungen könnten sonst einen schweren Verlauf erleiden. Solche Verläufe können nach wie vor tödlich ausgehen – auch bei einer Infektion mit Omikron.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) forderte kürzlich sogar eine Empfehlung oder gar eine Impfpflicht für alle Menschen ab 60 Jahren, die bei einer Abstimmung im Bundestag allerdings eine empfindliche Schlappe einstecken. Der Deutschen Presse Agentur sagte Lauterbach, Studien aus Israel hätten gezeigt, dass in dieser Altersgruppe die Sterblichkeit im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion durch eine vierte Impfdosis noch einmal um 80 Prozent reduziert werden könne. Dies gelte im Vergleich zur dritten Impfung.

Lauterbach warnte bei einem Treffen der EU-Gesundheitsminister Ende März davor, auf einen Impfstoff gegen Omikron zu warten. Eine Zulassung könne noch bis zum Herbst dauern. 

Booster-Impfung – Sollen sich auch jüngere Menschen eine vierte Impfung holen? Ist das sinnvoll?

Sollten sich dann auch noch jüngere Menschen eine vierte Impfung holen? Das ist unnötig, findet offenbar Reinhold Förster, der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI). Zur Deutschen Presse Agentur sagte er: „Ein generelles Absenken der Altersschwelle bei der Impfempfehlung ist momentan nicht angezeigt.“ Für den Aufbau eines langanhaltenden Schutzes vor Corona würden drei Immunisierungsschritte ausreichen. Das sind also zwei Corona-Impfungen und ein Booster. Oder zwei Impfungen und eine Corona-Infektion.

Booster-Impfung trotz Corona-Lockerungen weiterhin wichtig: Pandemie ist noch nicht vorbei

Trotz aller Corona-Lockerungen zur Maskenpflicht darf man eines nicht vergessen: Corona ist noch nicht vorbei. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Covid-Pandemie nicht zu Ende ist in Europa“, sagte auch Lauterbach beim Treffen der EU-Gesundheitsminister Ende März. „Wir haben sehr hohe Fallzahlen, wir haben leider auch sehr hohe Sterbezahlen“, warnte der Gesundheitsminister seine Kollegen auch im Hinblick darauf, weiterhin den Schutz der Booster-Impfung zu propagieren. „Die Lage ist in Europa, was die Pandemie angeht, schlechter als das Gefühl der Menschen.“ *24hamburg.de , fr.de, wa.de und kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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