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Biogas soll Energiekrise lösen – doch Umweltschützer warnen

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Von: Bjarne Kommnick

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Eine Studie zeigt, dass Biogas fast die Hälfte der Stromproduktion durch Gaskraftwerke decken könnte. Doch Umweltschützer warnen davor.

Leipzig – Eine Kurzstudie des Deutschen Biomasseforschungszentrum und des Wuppertal Instituts zeigt, dass Biogas insgesamt 46 Prozentz des erzeugten Stroms durch Gaskraftwerke in Deutschland decken könnte. Auftraggeber der Studie ist das Energieunternehmen Energy2market aus Leipzig und die Berliner Beratungsfirma DWR eco, wie „tagesschau.de“ berichtet hatte. Insgesamt könne der Anteil von Biomethan bereits auf drei Prozent steigen, so die Expertinnen und Experten, bislang liege der Anteil erst bei einem Prozent auf dem deutschen Gasmarkt. Doch Umweltschützer warnen davor.

StadtLeipzig
Bevölkerung587.857
Fläche297,6 km²
Gegründet1015

Energiekrise: Auch Bundesregierung setzt auf Biogas

Doch für den Biogas-Aufschwung müssten noch einige Hürden bewältigt werden. Laut Studie müssten die Kapazität um ein Vielfaches erweitert werden, damit die Option Biogas flexibel eingesetzt werden könne. Jakob Medick von DWR eco erklärt: „Die energiewirtschaftlich notwendige Flexibilisierung würde Anlagenbetreiber technisch und betriebswirtschaftlich vor nur schwer zu realisierende Herausforderungen stellen“. Doch Lösungen sind gefordert, denn immerhin fürchtete die Bundesregierung zuletzt den Ausfall von Millionen Heizungen aufrgund der Gaskrise.

Maisanlieferung auf Biogasanlage.
Eine Studie zeigt, dass Biogasanlagen 46 Prozent des Stromerzeugnisses von Gaskraftwerken decken könnten. © dpa/Ingo Wagner

Deshalb will auch die Bundesregierung kurzfristig auf Biogas in der Energiekrise setzen. Das Wirtschaftsministerium hatte mitgeteilt: „So soll insbesondere die Biogaserzeugung ausgeweitet werden, indem unter anderem die vorgegebenen jährliche Maximalproduktion der Anlagen ausgesetzt wird“. Außerdem heißt es: „Unter den erneuerbaren Energien nimmt Biogas eine besondere Rolle ein. Es eignet sich zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme, als Kraftstoff und als Erdgasersatz“. Trotzdem liegt der Fokus nicht ausschließlich auf Biogas, deshalb hat auch die Bundesregierung einem niederländischen Unternehmen genehmigt, Erdgas vor Borkum zu fördern.

Fachverband Biosgas: Neue Gesetze könnten kurzfristig 20 Prozent mehr Biogas-Leistung bringen

Zwar bezeichnet Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie, die Aussage der Regierung als „mutmachendes und erfreuliches Signal“, jedoch weist sie dabei auch auf die zahlreichen Hürden für die Etablierung von Biogas hin. Der Fachverband Biogas glaubt demnach, dass es ein vereinfachtes Erneuerbare-Energien-Gesetz geben müsste. Zudem müsste das Bau- und Genehmigungsrecht angepasst werden. Dann könnten kurzfristig laut Fachverband etwa 20 Prozent mehr Leistung im Bereich Biogas erreicht werden. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil prophezeite zuletzt, dass die Energiekrise in zwei Jahren überwunden sei.

Umweltschützer warnen vor Biogas-Ausbau

Auch wenn Biogas eine erneuerbare Energie ist, warnen Umweltschützerinnen und Umweltschützer vor dem Ausbau von Biogas. Eine Sprecherin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärt gegenüber kreiszeitung.de: „Der BUND hat große Bedenken, fossile Energieträger eins zu eins durch biogene Rohstoffe ersetzen zu wollen“. Weiter heißt es: „Biogas als Alternative für Erdgaslieferungen zu verkaufen, ist aus unserer Sicht ökologisch fragwürdig“.

Denn bereits jetzt sei der Druck auf die Landnutzung äußerst hoch und die Auswirkungen einer Ausweitung der Biomassenerzeugung für ineffiziente Energiegewinnung würden Biodiversität und Ökosysteme zusätzlich unter Druck setzen, so der BUND. So wird beispielsweise ein großer Teil der Maisfelder in Deutschlands ausschließlich für die Bioenergie genutzt. Mais ist dafür bekannt, negative Einflüsse auf die Umwelt auszuüben, da er Artenvielfalt, den Boden und das Wasser massiv gefähre.

BUND warnt vor Biogas-Ausbau: „Nicht genug Landflächen vorhanden“

„Die Verwendung von biogenen Rohstoffen als Nahrungsmittel beziehungsweise Werkstoff steht aus unserer Sicht vor einer energetischen Nutzung, denn es ist schlicht nicht genug Landfläche vorhanden, um alle Nutzungen zu bedienen“.
Biogasanlagen könnten deshalb nur eine „vor allem dezentrale Ergänzungen im Energiemix für Spitzenverbrauchszeiten sein, und sollten möglichst mit Reststoffen befüllt werden“.

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