Bestechlichkeit: Drei Jahre Haft für Star-Chirurg

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Der Mediziner Professor Christoph Broelsch (l.) mit seinem Anwalt Rainer Hamm im Gerichtssaal.

Essen - Der Starchirurg Christoph Broelsch (65) ist vom Landgericht Essen wegen Bestechlichkeit, Nötigung, Betrug und Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden.

In der Urteilsbegründung bezeichneten die Richter das Verhalten des Angeklagten als stellenweise “absolut unerträglich“. Sie führten aus, die meisten Patienten seien über das Ansinnen des Chefarztes zwar auch “schockiert“ gewesen. Trotzdem hätten sie in der Hoffnung auf Genesung die Zahlungen in Höhe von bis zu 10 000 Euro geleistet.

Einem Patienten soll der Professor dabei klar gemacht haben: “Ich brauche die Knete aber vor der Operation.“ In einem anderen Fall soll sich Broelsch bereit erklärt haben, die Spende von 10 000 Euro in zwei Raten zu teilen. Dabei soll er gesagt haben, die zweiten 5000 Euro würden aber auch dann fällig, “wenn der Patient auf dem Tisch bleibt“.

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Mit dem Urteil blieb das Gericht ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte lediglich eine Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung für angemessen gehalten. Das Gericht sah es nach der umfangreichen Beweisaufnahme in seinem am Freitag verkündeten Urteil als erwiesen an, dass sich Transplantationsexperte zwischen 2002 und 2007 in 30 Fällen der Bestechlichkeit schuldig machte, davon in drei Fällen in Tateinheit mit Nötigung sowie in einem Fall in Tateinheit mit Betrug. Außerdem verurteilte das Gericht den Mediziner wegen Betruges in acht Fällen und wegen Steuerhinterziehung in zwei Fällen. Die Staatsanwaltschaft hatte für Broelsch eine vierjährige Haftstrafe und drei Jahre Berufsverbot gefordert, sein Verteidiger dagegen auf Freispruch plädiert. Broelsch selbst wies die Vorwürfe noch in seinem Schlusswort entschieden zurück.

Der Mediziner handelte laut Anklage aus Gier

Staatsanwalt Hans-Joachim Koch hatte in seinem Schlussplädoyer erklärt, Broelsch sei für viele Patienten der letzte Strohhalm gewesen. Das habe er schamlos ausgenutzt. Die Patienten hätten sich das Leben bei ihm erkaufen und als Gegenleistung für eine zeitnahe und von ihm durchgeführte Operation eine “Geldspende“ leisten müssen. Der Mediziner habe eigensüchtig und aus bloßer Geldgier gehandelt, betonte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer.

Broelsch war auch der Leibarzt des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau.

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