Besorgnis erregende Deutschen-Studie

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Ihn mögen die Deutschen: Bundespräsident Joachim Gauck

Berlin - Die Deutschen haben einer Studie zufolge ein gespaltenes Verhältnis zu ihrem Land. Viele sind außerdem pessimistisch, politikverdrossen und haben Angst vor der Zukunft.

Das Klischee der fleißigen und pünktlichen Deutschen entspricht für die Mehrheit der Bundesbürger nicht mehr ihrer Lebensrealität, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts Rheingold Salon hervorgeht. Lediglich 35 Prozent schätzen sich demnach als „typisch deutsch“ ein, 36 Prozent stuften sich als „nicht typisch deutsch“ ein. Der Rest äußerte sich unentschieden. Gleichzeitig äußerte sich eine große Mehrheit der Befragten unzufrieden über die politische und wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands.

An der repräsentativen Studie im Auftrag der Brauerei Öttinger nahmen mehr als 1.000 Personen teil. Zudem wurden 200 Frauen und Männer in Einzel- und Gruppeninterviews befragt.

Die Spaltung zwischen dem öffentlichen Deutschlandbild und dem privaten Leben sei so deutlich wie nie zuvor, sagte Studienleiter Jens Lönneker. Das Klischee von den fleißigen, pünktlichen und strebsamen Deutschen werde zwar hochgehalten, aber wenig geliebt. Stattdessen habe sich ein Doppelleben einwickelt: Dem „Fassaden-Deutschland“ stehe das „gelebte, private Deutschland“ gegenüber. Fast zwei Drittel der Befragten stimmten der Aussage zu, dass die Deutschen gar nicht so ehrlich, pünktlich und gewissenhaft seien wie angenommen.

Pessimismus und Politikverdrossenheit

Gleichzeitig hadert ein Großteil der Deutschen mit der Entwicklung des Landes. 72 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Deutschland weit hinter seinem Potenzial zurückbleibt. Fast 90 Prozent beklagten eine übermäßige Bürokratie. Der Aussage „Deutschland geht immer mehr den Bach runter“ stimmten schließlich 70 Prozent der Studienteilnehmer zu. Mehr als 60 Prozent befürchten, dass Deutschland zur Zwei-Klassen-Gesellschaft wird. Gleichzeitig fordern zwei Drittel, dem „allgemeinen Werteverfall“ den Kampf anzusagen.

Auch das Vertrauen in die Politik ist offenbar wenig ausgeprägt. 80 Prozent warfen den Volksvertretern Wankelmütigkeit und mangelnde Tatkraft vor. 81 Prozent haben den Eindruck, dass die Politiker die wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhänge selbst nicht verstehen. Lediglich Bundespräsident Joachim Gauck erhielt gute Noten: 70 Prozent fühlen sich von ihm gut vertreten. Sich selbst politisch zu engagieren, ist aber nur jedem Dritten ein persönliches Anliegen. Für lediglich 28 Prozent tragen viele Kinder zum persönlichen Glück bei.

Große Sehnsucht haben die Deutschen der Studie zufolge nach Sicherheit: 96 Prozent legen demnach Wert auf verlässliche Beziehungen zu den Menschen in ihrem Umfeld. Dass neun von zehn Befragten eine sichere Rente wichtig ist, überrascht dabei ebenso wenig wie die Tatsache, dass Gesundheit (98 Prozent), Fitness im Alter (90 Prozent) und finanzielle Unabhängigkeit (94 Prozent) bei den Deutschen hoch im Kurs stehen.

Der Rheingold Salon gehört zum Rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen.

dapd

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