Mit den Armen eines Toten: Patient kann Finger bewegen

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Karl Merk im Oktober 2008.

München - Fast genau ein Jahr nach der weltweit ersten Transplantation von zwei kompletten Armen kann der Patient - der Allgäuer Landwirt Karl Merk - inzwischen sogar schon die Finger der linken Hand ein wenig bewegen.

Das hat das Münchner Klinikum rechts der Isar, an dem die mehr als 15 Stunden dauernde Operation geglückt war, am Montag mitgeteilt. Die Ärzte seien mit der Zwischenbilanz sehr zufrieden, hieß es. Sie wollen künftig auch anderen Patienten, die Arme oder Hände verloren haben, eine Transplantation ermöglichen. "In Zukunft wollen wir gemeinsam mit den anderen beteiligten Kliniken und Instituten ein Zentrum für Extremitätenrekonstruktion etablieren", sagte der Mediziner Prof. Hans-Günther Machens.

Bei einem Arbeitsunfall hatte ein Maishäcksler dem Bauern Merk vor sieben Jahren beide Arme abgerissen. Finger, Hände und Unterarme waren weltweit zwar schon seit längerem erfolgreich transplantiert worden - mit der Verpflanzung von zwei kompletten Armen betraten die Münchner Mediziner jedoch Neuland.

Dem spektakulären Eingriff gingen jahrelange Vorarbeiten voraus. Zwar hatten die Chirurgen bereits Erfahrungen mit der Transplantation von Rattenbeinen und in anderen Tierversuchen mit Hunden gesammelt. Aber die komplizierte Transplantation hatte man zuvor auch noch mit zwei Leichen aus der Anatomie der Klinik bis ins Detail üben müssen, wie die Mediziner damals berichtet hatten. Danach musste nur noch ein männlicher Spender gefunden werden, der bei Alter, Hautfarbe, Größe und Blutgruppe zum Empfänger passte.

Am Abend des 25. Juli 2008 war es soweit: Die Angehörigen eines Verstorbenen willigten in die Transplantation ein. Damit begann der Wettlauf der Ärzte mit der Zeit. Denn auch in gekühltem Zustand behält das Gewebe des Spenders ohne Durchblutung nur wenige Stunden seine volle Funktionalität. Hinzu kam, dass der Spender erheblich größer war als der Empfänger: Die Ärzte mussten deshalb die Knochen in der richtigen Länge abschneiden.

Seit damals musste Merk unzählige Stunden zur Physiotherapie, teilte die Klinik am Montag weiter mit. Dabei lernte er nach und nach, seine neuen Arme immer besser zu nutzen. Und dabei brauchte er viel Geduld - weil seine Nervenzellen nur langsam in die neuen Arme nachwuchsen. Auch Phasen mit Abstoßungsreaktionen überstand der Patient mit Hilfe starker Medikamente. "Die Regeneration der Transplantate ist sehr erfreulich", sagte Machens der Mitteilung zufolge. "Inzwischen muss Herr Merk nur noch einmal wöchentlich ins Klinikum rechts der Isar kommen." Merk will sich an diesem Mittwoch in Memmingen Fragen der Medien stellen.

dpa

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