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Welche Anzeichen für Long Covid sprechen – und wann Sie zum Arzt gehen sollten

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Von: Carolin Gehrmann

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Die Diagnose Long Covid ist aufwändig und kompliziert. Zudem herrscht viel Unwissenheit über die Krankheit – bei Betroffenen und Ärzten. Bei einigen Zeichen ist ein Arztbesuch sinnvoll.

Bremen – Long Covid kann viele verschiedene Gesichter haben. Die Beschwerden, die nach einer Corona-Infektion bei den Betroffenen auftreten, sind vielschichtig. Von starker Erschöpfung, dem sogenannten Fatigue-Syndrom, über Konzentrationsprobleme oder „Brain Fog“ bis hin zu Geschmacksverlust. Die Symptome können stark variieren und sind je nach Patient ganz individuell ausgeprägt. Ihnen gemeinsam ist allerdings, dass sie über einen langen Zeitraum nach der akuten Infektion bestehen bleiben.

Long Covid-Symptome äußern sich auf unterschiedliche Weise – oft ist die Diagnose wegen mangelnder Kapazitäten schwierig

Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Symptome von Long Covid ist es nach wie vor oft schwierig, die Krankheit zu erkennen.

Sowohl für die Betroffenen selbst, die ihre Beschwerden nicht klar einordnen können, als auch für Hausärztinnen und -ärzte, deren zeitlichen, personellen und finanziellen Kapazitäten häufig nicht ausreichten, um jedem Symptom ihrer Patienten systematisch auf den Grund zu gehen, wie die Gefäßmedizinerin Claudia Ellert im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Focus erklärt.

Bei Long Covid gebe es kein Schwarz-Weiß, führt Ellert aus. Die Krankheit zeige sich nicht nur auf verschiedenen Ebenen, sondern sei auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Je nachdem, welche Symptomatik im Vordergrund stehe, erfordere dies eine andere Behandlung. Auf keinen Fall, so betont sie, dürfe die Krankheit bagatellisiert werden. Die Folgen von Corona würden ihrer Ansicht nach noch immer nicht ehrlich diskutiert, sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik.

Mit jeder Infektion steigt das Risiko für Langzeitfolgen und Log Covid – auch für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Dass aufgrund der Omikron-Varianten das Risiko von Reinfektionen steigt, findet Ellert besorgniserregend. Denn es sei ein Irrtum zu glauben, dass man eine Corona-Infektion auch beim zweiten oder dritten Mal „gut wegstecken“ würde, nur weil es beim ersten Mal so war., sagt die Expertin dem Focus. Viele Patienten hatten nach der ersten Infektion keine Probleme und nach der zweiten litten sie unter langanhaltenden Beschwerden. Zu wenige Menschen wüssten darüber Bescheid, dass auch das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit jeder Ansteckung mit dem Coronavirus ansteige.

FOTOMONTAGE Themenfoto LONG COVID. Auf einem Krankenschein, Arbeitsunfaehigkeitsbescheinigung steht die Diagnos Long Cov
Einige Menschen leiden nach ihrer Corona-Infektion unter Long Covid. © IMAGO / Sven Simon

Es gibt Anzeichen, die auf eine anhaltende Belastungsreaktion durch Long Covid hindeuten

Gefährlich könne es werden, wenn Betroffene gar nichts über ihre eigene Long Covid-Problematik und dem damit verbundenen erhöhten Risiko für solche Folgeerkrankungen wüssten – sei es, weil sie sich selbst nicht darüber bewusst sind, dass sie selbst Long Covid haben oder weil sie keine offizielle Diagnose von einer Ärztin oder einem Arzt erhalten haben. Es gebe jedoch ein paar Anzeichen, die darauf hindeuten, dass der Körper eine anhaltende Belastungsreaktion zeigt. Deshalb sollte nach einer Corona-Erkrankung jeder verstärkt darauf achten, konstatiert Ellert.

Long Covid ist kein psychisches Problem – es gibt handfeste Hinweise für körperliche Ursachen der Beschwerden

Long Covid werde oft fälschlicherweise als psychisches Problem abgestempelt. Doch es gebe einige handfeste Hinweise, die auf eine physische Ursache der Beschwerden hindeuten. In erster Linie zeige sich das durch Störungen bei der Herzfrequenzregulation, wie die Gefäßchirurgin erklärt. „Eine erhöhte Herzfrequenz im Ruhezustand kann darauf hindeuten, dass der Körper mit der Bewältigung der Krankheit noch immer beschäftigt ist“, sagt Gefäßmedizinerin Claudia Ellert laut Focus. Außerdem würde bei vielen Betroffenen der Puls übermäßig ansteigen, wenn sie sich von der liegenden in eine aufrechte Körperposition begeben.

Long Covid: Erhöhte Herzfrequenz zeigt, dass Körper noch mit Bewältigung der Corona-Erkrankung beschäftigt ist

Dies muss nicht unbedingt erst vom Hausarzt festgestellt werden, sondern Patienten seien dazu angehalten, sich selbst in dieser Hinsicht genau zu beobachten. Wenn das Herz wie überschießend auf Belastung reagiert und auch in der Entspannung auffällig weiterschlägt, solle dieses mit dem Hausarzt oder der Hausärztin besprochen werden. Wer eine Fitnessuhr oder eine Smartwatch besitzt, die gesundheitliche Informationen ihrer Träger aufzeichnen, sei hier im Vorteil. Denn damit könnten Veränderungen der Herzfrequenz oftmals gut sichtbar gemacht werden.

Eine erhöhte Herzfrequenz im Ruhezustand kann darauf hindeuten, dass der Körper mit der Bewältigung der Krankheit noch immer beschäftigt ist.

Claudia Ellert, Gefäßmedizinerin, zu Long Covid-Erkrankungen

Betroffene haben verschiedene Möglichkeiten, sich selbst auf Long-Covid-Symptome zu testen

Als weitere Möglichkeit könne der sogenannte „Schellong-Test“ angewandt werden, um sich selbst zu Hause zu testen. Er ist zeitaufwändig und wird deshalb in Arztpraxen oft nicht durchgeführt. Bei dem Test wird die Reaktion des Herz-Kreislauf-Systems auf eine Lageveränderung des Körpers gemessen, genauer: beim Übergang vom Liegen zum Stehen. Dazu werden Blutdruck und Puls zunächst mehrfach in entspannter Liegeposition gemessen und anschließend mehrfach in stehender Position.

Wenn sich Long-Covid-Betroffene aktiv mit ihren Symptomen einbringen, profitieren alle Seiten

Je mehr sich Betroffene selbst einbrächten, um Licht in den dunklen „Long-Covid-Dschungel“ zu bringen, umso mehr könnten alle Seiten profitieren, statuiert Gefäßmedizinerin Ellert, sowohl Patienten als auch Mediziner. Denn noch immer gibt es zu viele offene Fragen um das Problem Long Covid und Betroffene ließen sich noch viel zu oft abspeisen. Aufmerksam sein und hartnäckig bleiben kann sich in vielen Fällen auszahlen, damit im Bedarfsfall die notwendige Therapie eingeleitet werden kann. Denn auch viele junge Menschen sind von Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion betroffen.

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