Herkunft und Beschaffung

Amoklauf in München: Erste Details zur Tatwaffe

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Drei Tage nach dem Amoklauf gibt es nun Details zu der Waffe des Täters.

München - Zu der Waffe, die bei dem Amoklauf im OEZ in München benutzt wurde, gibt es nun erste Details. Offenbar wurde die Herkunft der Glock ermittelt.

Der Todesschütze von München hat seine neun Opfer nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" mit einer reaktivierten Theaterwaffe erschossen. Die nicht mehr scharfe Waffe sei wieder gebrauchsfähig gemacht worden, berichtete die Zeitung (Montagsausgabe) unter Berufung auf Ermittlerkreise. Ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) bestätigte die Informationen am Sonntag auf Anfrage nicht.

Die Glock trägt dem Bericht zufolge ein Prüfzeichen aus der Slowakei. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dem Bayerischen Rundfunk am Sonntag, die Waffe stamme aus der Slowakei oder Tschechien. Demnach beschaffte sich der 18-jährige Deutsch-Iraner die Pistole im sogenannten Darknet, einem verborgenen und verschlüsselten Bereich des Internets.

Der Schüler David S. hatte am Freitagabend in München erst neun Menschen und dann sich selbst erschossen. Die Polizei stellte der "SZ" zufolge nach der Tatnacht insgesamt 58 Patronenhülsen sicher, Alle bis auf eine stammen demnach aus der Tatwaffe.

Die Ermittler schlossen einen politischen oder islamistischen Hintergrund aus und stuften die Tat als Amoklauf ein. Der 18-Jährige hatte sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Offenbar orientierte sich S. stark an dem norwegischen Attentäter Anders Breivik und dem Amokläufer von Winnenden. In der Baden-Württembergischen Stadt tötete ein 17-Jähriger im Jahr 2009 15 Menschen, bevor er in einem Schusswechsel mit der Polizei selbst starb.

Der Todesschütze von München besuchte den Tatort des Amoklauf von Winnenden, wie Herrmann dem BR sagte. Der "SZ" zufolge soll er dort auch Fotos gemacht haben. Zudem fanden die Ermittler demnach das "Manifest" Breiviks auf seinem Rechner. Herrmann bestätigte den Fund eines Textes des Norwegers auf dem Computer von S. Am Freitag hatte sich die norwegische Bluttat zum fünften Mal gejährt.

Die Ermittler hatten am Samstag auch von Hinweisen auf eine psychische Erkrankung berichtet. Dem "SZ"-Bericht zufolge war S. im vergangenen Jahr zwei Monate in stationärer psychiatrischer Behandlung im Klinikum Harlaching und bis zuletzt in ambulanter Therapie. Er litt demnach unter einer Aufmerksamkeitsdezifitstörung sowie unter sozialer Phobie und wurde auch medikamentös behandelt. Auch diese Angaben bestätigte das LKA zunächst nicht.

Außer den zehn Toten hat die Polizei nun 35 Verletzte des Amoklaufs registriert, darunter elf Schwerverletzte, wie das LKA mitteilte. Am Samstag hatte die Polizei noch von zehn Schwer- und 17 Leichtverletzten gesprochen. Bei den Zahlen sind auch Fälle enthalten, die sich nicht am Anschlagsort, dem Olympia-Einkaufszentrum, sondern aufgrund von Panik in anderen Teilen der Stadt zugetragen hatten.

Amoklauf am OEZ in München: Das ist passiert

Am Freitagabend gegen 17.50 Uhr begann der 18 Jahre alte Deutsch-Iraner Ali S. in einem Schnellrestaurant nahe des Olympia Einkaufszentrums in München um sich zu schießen. Er nutzte dabei eine Pistole des Typs Glock und hatte offenbar mehr als 300 Schuss Munition dabei. S. setzte seinen Amoklauf vor dem Restaurant fort und zog danach weiter in das nahe OEZ. Dort flohen die Menschen voller Panik vor dem Täter, der letztlich neun Menschen tötete, acht von ihnen waren Jugendliche. Nachdem die Polizei das Gebiet weiträumig abgesperrt hatte und unter anderen mit SEK und GSG9-Einheiten vorging, wurde Ali S. schließlich gestellt und beging vor dem Auge der Beamten Selbstmord.

Hier können Sie die Ereignisse des Amoklaufs vom Freitag im Ticker nachlesen. Eine Chronologie der Schießerei am OEZ in München finden Sie hier. Die Erkenntnisse vom Samstag finden Sie hier.

AFP

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