Amokläufer von Winnenden war manisch depressiv

Stuttgart - Der 17-jährige Amokläufer von Winnenden und Wendlingen war laut Angaben seiner Schwester manisch depressiv. Das kam bei dem Prozess vor dem Landgericht Stuttgart ans Licht.

Dies habe die Schwester in einem Internet-Chat geschrieben, schilderte der Hauptsachbearbeiters der Polizei Waiblingen am Dienstag, dem vierten Verhandlungstag im Prozess gegen den Vater des Täters, vor dem Landgericht Stuttgart.

Tim hätten seine Schulprobleme stark belastet. Im Elternhaus sei allerdings nicht über seine Probleme gesprochen worden. Auch die Großmutter von Tim sei bereits manisch depressiv gewesen, schilderte der Beamte den Chat. Bei dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen am 11. März 2009 tötete der 17-jährige Tim K. insgesamt 15 Menschen und verletzte 13.

Der Vater muss sich seit dem 16. September vor Gericht verantworten, weil er die Tatwaffe unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt und nicht wie vorgeschrieben weggeschlossen haben soll. Die Angehörigen der Opfer hoffen auf eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Die Bewertung der psychischen Behandlung von Tim wurde vertagt bis zu der Zeugenaussage seiner Psychotherapeutin.

Der Beamte machte vor Gericht Angaben zum sozialen Umfeld und zu den Hobbys des Jugendlichen. Tim sei nach seinem Ermittlungsstand vor der Tat in der Schule nicht aggressiv geworden, sagte er. Ein Klassenkamerad habe ausgesagt, Tim habe oft das Computerspiel “Counterstrike“ gespielt und dabei lieber die Rolle des Terroristen als die der Polizisten eingenommen. Zudem habe Tim mit Waffennachbildungen und den echten Pistolen und Gewehren seines Vaters geprahlt. Gemeinsam hätten sie auch Gewalt- und Horrorfilme gesehen, die erst ab 18 Jahren freigegeben waren, berichtete der Freund laut Polizei. Mit Soft-Air-Pistolen und Gewehren - mit denen Tim K. auch sein Jugendzimmer dekoriert hatte - hätten sie im Keller aber auch in einem Steinbruch geschossen. Der Klassenkamerad soll im Laufe des Prozesses ebenfalls als Zeuge gehört werden.

Der Beamte beschrieb zudem einen Eignungstest, den ein Schulpsychologe mit Tim im Januar 2007 durchführte, da er versetzungsgefährdet war. Dieser habe Tim eine durchschnittliche Begabung bescheinigt und die Möglichkeit, auch an ein Gymnasium zu gehen. Dem hätten allerdings sein Unmut und seine Demotivation entgegengestanden, hieß es.

dapd/dpa

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