Alptraum Tunnelbrand: Studie zur Evakuierung

München - Dunkelheit, Rauch und Orientierungslosigkeit: Ein Tunnelbrand ist der Alptraum jedes Autofahrers. Jeder Dritte weiß nicht, wie man sich im Ernstfall verhält.

Flüchten oder im Auto bleiben - was tun bei einem Brand im Tunnel? Jeder Dritte weiß nicht, wie man sich im Ernstfall richtig verhält. Laut einer Internetumfrage der Münchner Universität der Bundeswehr würden 35 Prozent ihr Fahrzeug nicht oder nicht rechtzeitig verlassen - ein Fehler, der fatale Folgen haben kann. “Mehr als drei Minuten hat man nicht“, sagte Professor Berthold Färber am Donnerstag in München. 42 Prozent der Befragten glaubten dagegen, sie hätten fünf Minuten oder länger Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen.

Eine Studie der Universität zur Evakuierung bei Tunnelbränden zeigt, wie Menschen aus einem verrauchten Tunnel schnellstmöglich gerettet werden können. Ein großes Problem dabei: “Die wenigsten verlassen bei einem Tunnelbrand ihr Fahrzeug“, sagte Färber. Die “Sitzenbleiber“ unterschätzten die Situation und sähen ihr Fahrzeug als Schutzraum.

Die zweite Schwierigkeit: Wer rechtzeitig aussteigt, muss dazu gebracht werden, die Fahrbahn zu überqueren, um zu den gegenüberliegenden Notausgängen zu kommen.

Welche Kombination aus hör-, sicht- und tastbaren Signalen die schnellste Rettung möglich macht, untersuchte das Team um Färber in mehr als zweijähriger Arbeit und rund 180 Versuchen. In einer Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg richteten sie einen dunklen Versuchsraum ein, in dem ein Tunnelbrand simuliert werden kann. Der Verkehrslärm kommt aus Lautsprechern, eine Nebelmaschine erzeugt künstlichen Rauch. 58 Probanden mussten - mit einer Wärmebildkamera überwacht - den Weg zum Notausgang finden.

Das Ergebnis: Die effektivste Möglichkeit, die Menschen zum Ausgang zu führen, sind blinkende Lauflichter, ein Geländer und ein Laserstrahl, der auf den Notausgang gerichtet ist. Das Wummern einer Bassbox und der tiefe Ton einer riesigen Orgelpfeife sollen “ein Gefühl des Unwohlseins erzeugen“ und die Leute aus dem Auto treiben. Den Fluchtweg fänden sie am schnellsten mit einer Lautsprecherdurchsage “Please exit here“ (Bitte hier hinausgehen). Außerdem müssten über den Notausgängen im Abstand von 150 Metern Vogelstimmen und ein gesungenes “Hierher“ ertönen.

Die Versuche hätten gezeigt, dass die Probanden mit unüblichen Signalen am besten zum Ausgang gelockt werden könnten, sagte Färber. Intuition spiele dabei eine große Rolle. Wer Vögel zwitschern höre, vermute in dieser Richtung Licht und frische Luft. Klassische Signale wie eine Sirene seien weniger effektiv.

Bisher wurden die Ergebnisse der Ende 2010 publizierten Studie noch nicht umgesetzt. Laut Färber sind die empfohlenen Maßnahmen aber nicht sehr teuer und leicht realisierbar. Das Forschungsprojekt wurde im Auftrag der Bundesanstalt für Verkehrswesen durchgeführt und vom Bundesverkehrsministerium finanziert.

dpa

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