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Booster-Impfung: Für wen der 4. Piks gegen Corona jetzt sinnvoll ist

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Von: Anika Zuschke

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Eine Frau erhält eine Corona-Impfung und ein Impfschein, eine Impfdosis und die Aufschrift „4. Impfung“.
Wann ist die vierte Corona-Impfung sinnvoll – und für wen? Stiko spricht Empfehlung für erste Gruppen aus. (kreiszeitung.de-Montage) © Martin Schutt/dpa/Bihlmayerfotografie/Imago

Inzidenzen in Deutschland steigen wieder – die Stiko empfiehlt einigen Gruppen bereits die vierte Corona-Impfung. Wann und für wen ist der zweite Booster sinnvoll?

Hannover – In Deutschland steigen die Corona-Fallzahlen wieder – die Sommerwelle ist da. Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist zwar der Meinung, dass deswegen kein Grund zur Panik bestehe, doch empfiehlt er die vierte Corona-Impfung trotzdem nicht mehr nur Personen über 70 Jahren und Risikopatienten – sondern auch allen, die viele Kontakte haben. Kreiszeitung.de bietet einen Überblick, wann die vierte Corona-Impfung sinnvoll ist und für wen.

Vierte Corona-Impfung: Covid-Zahlen in Deutschland steigen wieder – wann ist die 4. Impfung sinnvoll?

Auch in den Bundesländern Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen steigt die Zahl der Neuinfizierten wieder an. Die Omikron-Varianten BA.5 und BA.4 sind dort vermutlich schon vorherrschend, berichtet NDR.de. Aus dem Grund wird derzeit die Frage nach einer vierten Impfung gegen Corona immer präsenter. Denn bei den meisten Menschen ist der dritte Pieks gegen Covid-19 bereits einige Monate her – bei vielen liegt er sogar schon mehr als ein halbes Jahr zurück. Aus Sorge vor dem Herbst flirtet die Ampel momentan auch mit der neuen „O bis O-Regel“.

Dem Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums zufolge haben bisher nur etwa sechs Prozent der Deutschen eine vierte Corona-Impfung erhalten. Das liegt vor allem daran, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) bisher nur bestimmten Personengruppen den zweiten Booster empfiehlt.

Für wen ist eine vierte Corona-Impfung sinnvoll? Stiko spricht Empfehlung aus

Für wen ist eine vierte Corona-Impfung der Stiko zufolge also sinnvoll? Bislang fallen nur vier Personengruppen unter diese Eingrenzung: Alle über 70 Jahren, Menschen, die von einer Immunschwäche betroffen sind, Bewohner von Pflegeheimen sowie Personen, die in medizinischen oder pflegerischen Einrichtungen tätig sind.

Gesundheitlich gefährdete Menschen sollten ihre vierte Impfung dabei frühestens drei Monate nach ihrer dritten erhalten. Bei medizinischem Personal sollten mindestens sechs Monate zwischen den beiden Corona-Impfungen liegen, empfiehlt die Stiko.

Wann ist die vierte Corona-Impfung für alle notwendig? „Bei Älteren lässt der Schutz schneller nach“

Doch wann sollten sich alle anderen Menschen, die nicht unter die Stiko-Empfehlung fallen, zum vierten Mal impfen lassen? Dem Infektiologen Christoph Spinner zufolge besteht der beste Impfschutz ein bis drei Monate nach der dritten Impfung. Danach baue er zwar ab, jedoch nicht bei jedem gleich schnell und gleich stark. „Bei Älteren lässt der Schutz schneller nach, weil ihr Immunsystem nicht mehr so gut durch Impfungen trainierbar ist wie das jüngerer Menschen“, erklärt der Oberarzt und Infektiologe am Universitätsklinikum der Technischen Universität München laut Deutscher Presse-Agentur (dpa).

Chronisch kranke Menschen sowie Immungeschwächte sprächen generell schlechter auf die Corona-Impfung an und würden deswegen auch den Impfschutz schneller verlieren. Für sie sei laut dem Infektiologen eine vierte – oder inzwischen sogar bereits fünfte – Impfung demzufolge eher sinnvoll.

Zeitpunkt des zweiten Corona-Boosters hängt von individuellem Lebensstil ab

Ob ein zweiter Booster sich lohnt, hängt für gesunde Menschen unter 70 Jahren von der persönlichen Situation ab. Sogar das Geschlecht kann dabei eine Rolle spielen. Professor Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover äußerte laut dpa nämlich, dass der Impfschutz bei Männern im Durchschnitt schneller abnimmt als bei Frauen. Pauschal lässt sich aber sagen: Bei allen wird die Immunität – ob durch eine Impfung oder eine Covid-Infektion – mit der Zeit weniger.

Wann genau man seinen Schutz auffrischen sollte, hängt dabei auch von der individuellen Situation und dem Lebensstil ab. Menschen, die in ihrem Alltag viel Kontakt mit vulnerablen Personen pflegen oder aufgrund ihres Lebensstils ein erhöhtes Infektionsrisiko mit sich tragen, sollten sich eher ein viertes Mal impfen lassen als Personen, die isolierter leben.

Infektiologe Christoph Spinner bringt das folgendermaßen auf den Punkt: „Wenn die letzte Impfung sechs Monate her ist und jemand nun im Sommer auf Festivals oder Großveranstaltungen gehen will, ist eine weitere Impfung wahrscheinlich ratsam“, und fährt laut dpa fort mit den Worten: „Wer von zu Hause aus arbeitet und außerhalb von Familie und Freunde wenig Kontakte hat, kann sicher noch etwas warten.“

Wann ist eine vierte Corona-Impfung zu früh? Zwischen 1. und 2. Booster sollten 6 Monate liegen

Kann man sich denn auch zu früh ein viertes Mal gegen Corona impfen lassen? Wenn der erste und zweite Booster zu schnell aufeinander folgen, bringt die Impfung wenig. Aber: „Eine zweite Booster-Impfung ist auf keinen Fall ein Fehler, wenn die erste mindestens drei Monate zurückliegt“, so Spinner laut dpa. Tobias Welte rät demnach dazu, zwischen der dritten und vierten Impfung sechs Monate verstreichen zu lassen, um das Immunsystem nicht zu überstimulieren.

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Vierte Corona-Impfung bei vorheriger Covid-Infektion: Wann ist das sinnvoll?

Die hohen Fallzahlen in Deutschland zeigen, dass sich in letzter Zeit viele Menschen mit Corona infiziert haben. Wie sollte man also vorgehen, wenn man sich nach der dritten Impfung mit Omikron angesteckt hat? „Dann ist die Erkrankung quasi auch eine Art Booster“, äußert Professor Welte gegenüber dpa. Aus seiner Sicht könnten Betroffene mit der vierten Corona-Impfung dann möglicherweise auch länger als sechs Monate warten.

Wie lange die Antikörper einer Infektion jedoch vor einer weiteren Ansteckung schützen, ist unklar und von Person zu Person unterschiedlich. Daher können auch in dem Fall keine handfesten Empfehlungen ausgesprochen werden, die für jeden gleichermaßen gelten.

Experten-Meinungen zur vierten Corona-Impfung gehen auseinander: Wegen Risiko von Nebenwirkungen

Unter Experten scheint in Bezug auf eine vierte Corona-Impfung für alle keine Einigkeit zu herrschen. Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) empfiehlt laut dem Hamburger Abendblatt den vierten Pieks für jeden. Demnach sollte der zweite Booster vorgenommen werden, wenn die dritte Impfung einige Monate zurückliegt. „Ich halte das für durchaus vernünftig. Ich würde nach dem Hin und Her mit dem Virusvarianten-angepassten Impfstoff, von dem wir bis heute nicht genau wissen, wann er kommt, nicht zwingend warten“, äußerte der Minister gegenüber dem Radiosender R.SH. „Insbesondere, wenn ich vorhabe, in den Urlaub zu fahren. Ich glaube, dass hier eine vierte Impfung sehr wohl sinnvoll sein kann“, äußerte Garg.

Der Bremer Pharmakologe Bernd Mühlbauer sprach sich gegenüber butenunbinnen.de indes gegen eine vierte Impfung für alle aus und begründet das mit den Worten: „Jede wirksame medizinische Maßnahme birgt das Risiko von Nebenwirkungen [...].“ Er empfiehlt, eine vierte Corona-Impfung „derzeit bitte nur bei besonderer Risikokonstellation [zu] erwägen“. Unter gegebenen Umständen könne es aber durchaus sein, dass auch er wieder eine weitere Impfung empfehlen würde. (Mit Material der dpa)

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