Frust bei den Landwirten

„Akute Notsituation“: Diskussion über Schweinefleisch-Krise – Klöckner will helfen

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) trägt ein rosafarbenes Sakko und verschränkt die Hände. Im Hintergrund ist ein Regal im Supermarkt zu sehen, in dem verschiedene Fleischprodukte gelagert werden.
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Möchte den deutschen Landwirten helfen und gegen die Billigpreise für Schweinefleisch im Supermarkt vorgehen: Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU). (kreiszeitung.de-Montage)

Schnäppchenangebote für Schnitzel und Hack sollen Supermarkt-Kunden locken. Sehr zum Leidwesen der Landwirte. Ministerin Julia Klöckner verspricht Hilfe.

Berlin/Bonn – Großer Frust bei deutschen Schweinehaltern: Abgesackte Preise, weggebrochene Märkte, dazu eine schwache Nachfrage nach Würstchen und Steaks für den Grill – die Lage ist angespannt. Erst am Mittwoch, 15. September 2021, hatte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) von einer „akuten Notsituation“ gesprochen. Wie geht es weiter?

Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:Julia Klöckner
Geboren:16. Dezember 1972 (Alter 48 Jahre), Bad Kreuznach
Ehepartner:Ralph Grieser (verh. 2019)
Partei:Europäische Volkspartei
Ausbildung:Johannes Gutenberg-Universität Mainz (1992–1998), Gymnasium an der Stadtmauer (1992)
Eltern:Aloys Klöckner, Doris Klöckner
Geschwister:Stephan Klöckner

„Akute Notsituation“: Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) will schweinehaltenden Landwirten helfen

In einer Videokonferenz hatte sich Klöckner mit Vertretern von Tierhaltern, Verarbeitern und Handel ausgetauscht. Derzeit seien 260.000 Tonnen Schweinefleisch auf Lager. Neben Corona-Finanzhilfen in diesem Bereich und anderen Erleichterungen für die Bauern stehen auch die zahlreichen Sonderaktionen in Supermärkten im Fokus. Der nächste Preiskampf soll hiermit aber nicht angezettelt werden.

Vielmehr sei es der Wunsch aller Beteiligten, dass es zu einer Offensive der Absatzförderung kommt, ließ Klöckner nach den Beratungen verlauten. Doch weiß die Bundesagrarministerin auch, was tunlichst vermieden werden muss. Es müsse verhindert werden, dass die Preise nicht „dermaßen in den Keller gehen, dass man psychologisch da nicht mehr herauskommt“.

Wertschätzung für Lebensmittel: Fleischprodukte sollen Hinweis auf Herkunft enthalten

Darüber hinaus solle es um Wertschätzung für Lebensmittel gehen. Beispielsweise soll vermehrt auf die Herkunft des jeweiligen Fleischproduktes hingewiesen werden. Gemeint sind hiermit die Kennzeichnungen geboren, gemästet, geschlachtet, verarbeitet und vermarktet in Deutschland.

De facto sind extreme Billigangebote für Fleisch enorm in die Kritik geraten. Auch vor dem Hintergrund, dass es um Investitionen in den Umbau von Ställen für mehr Tierschutz geht. Der Bauernverband hat bereits gefordert, dass sich Handel, Verarbeiter und Großverbraucher auf eine Schweinefleisch-Vermarktung mit einer solchen Deutschland-Kennzeichnung einigen.

Aldi kündigt „zusätzliche Aktionsartikel“ an – Lebensmittelhandel sieht dies nur als kurzfristige Unterstützung

Nach dem Treffen mit Julia Klöckner hätte der Lebensmittelhandel laut dpa-Informationen bereits signalisiert, dass man „temporären Absatzförderungsmaßnahmen für Schweinefleisch“ in den Supermärkten grundsätzlich offen gegenüber stehe. Der Discounter Aldi hat bereits angekündigt, „zusätzliche Aktionsartikel“ zu günstigen Preisen anzubieten. Dies wird von einem Sprecher des Lebenmittelshandel jedoch nur als kurzfristige Unterstützung angesehen.

Generell sind Schwankungen sowohl auf den Märkten als auch bei den Preisen für die rund 22.000 schweinehaltenden Betriebe nichts Neues. Doch habe es nur selten zuvor eine solche ruinöse Entwicklung über einen längeren Zeitraum wie derzeit gegeben. Darauf hatte der Bauernverband bereits im August aufmerksam gemacht.

Zu diesem Zeitpunkt war der Preis für ein Kilogramm Schweinefleisch auf 1,30 Euro abgesunken. Mehrere negative Effekte würden sich derzeit verstärken. Der Absatz bei Veranstaltungen und in der Gastronomie wird durch die anhaltende Corona-Krise weiter gedrückt. Zudem sei die diesjährige Grillsaison aufgrund von regnerischen Wetter relativ schwach ausgefallen.

Afrikanische Schweinepest lässt Absatzmärkte in Asien zusammenbrechen – für Schweinefleisch aus Deutschland

Doch damit nicht genug: weitreichende, noch andauernde Folgen hat auch die in Brandenburg und Sachsen aufgetauchte Afrikanische Schweinepest verursacht. Abrupt brach der Export in wichtigen Absatzmärkten in Asien zusammen – und das für Schweinefleisch aus ganz Deutschland.

Indes hat der Handel bereits vor dem Branchengespräch deutlich gemacht, dass einem Engagement der Supermärkte Grenzen gesetzt sind. Und das nicht nur wegen des Verbots von Preisabsprachen. Da der Weltmarkt die Preisfindung bei Schweinefleisch dominiert, könne der hiesige Einzelhandel solche Effekte nicht adäquat ausgleichen.

Schweinefleisch-Krise als einer falschen Ausrichtung auf Exportmärkten

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hatte bereits kritisiert, dass die Krise auch ein Ergebnis einer falschen Ausrichtung auf den Exportmärkten sei. Nun sei es zwingend notwendig, einen Umbau der Tierhaltung zu mehr Tierschutz anzupacken. Vonseiten der Politik gibt es für dieses Vorhaben viel Unterstützung. Doch könnten konkrete Schritte erst nach der Bundestagswahl folgen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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