Ärzte: Kliniken bestechen uns

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Klinikärzte Im Operationssaal.

Berlin - Kliniken bestechen die niedergelassenen Ärzte nach Angaben der Bundesärztekammer bei bis zu 30 Prozent der Einweisungen von Patienten.

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Ärzte kassieren für Klinik-Überweisungen ab

Die Kliniken warfen den Ärzten hingegen vor, sich für Geldforderungen eigens zusammenzuschließen. Die Krankenkassen griffen am Mittwoch beide Seiten an und kritisierten deren gegenseitigen Schuldzuweisungen für die lange im Dunkeln gebliebenen Praktiken. Er schätze, dass nur 70 bis 80 Prozent der Überweisungen nicht zu beanstanden seien, sagte der Vizepräsident der Ärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, der Zeitung “Die Welt“ (Mittwoch). “Das kann man Bestechung nennen“, kritisierte Montgomery. Der Rest bewege sich in einer Grauzone.

Kliniken machen Ärzte verantwortlich

Die Kliniken machten dagegen die Ärzte für die umstrittene Praxis verantwortlich. “Es sind vor allem die Ärzte, die im Verbund organisiert an Kliniken herantreten und gemeinsam Forderungen stellen“, sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, der Zeitung. Bereits vor Jahren hätten die Kliniken erwogen, “schwarze Schafe“ mit Fachrichtung und Wohnort zu nennen.

Anders als die Ärzte schätzen die Kliniken die Zahl der strittigen Fälle nur auf rund fünf Prozent aller Einweisungen, wie Kösters in der ARD sagte. Als einweisender Arzt erbringe man etwa durch Laboruntersuchungen eine Leistung für das Krankenhaus. Es gibt dann deutliche Anreize für den niedergelassenen Arzt. “Und das kann nicht sein.“

Krankenkassen kritisieren beide Seiten

Die Krankenkassen kritisierten beide Seiten. “Wir erwarten von den verschiedenen Ärzte- und Krankenhausorganisationen, dass sie sich nicht gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, sondern das Problem gemeinsam lösen“, sagte der Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung, Florian Lanz, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Sowohl Klinik- als auch Ärzte-Organisationen hatten in den vergangenen Jahren immer wieder mehr Geld von den Krankenkassen sowie von der Politik gefordert und mit einem Zusammenbruch der Versorgung gewarnt.

Kösters wandte ein: “Wir sind keine Polizeibehörde. Wir haben auch keine Sanktionsmittel.“ Die Klinikgesellschaft könne den Häusern aber sagen: “Was ihr da macht, das ist rechtlich nicht in Ordnung, das ist ethisch nicht in Ordnung und natürlich muss man auch gucken, ob es unter Umständen strafrechtlich nicht in Ordnung ist“, räumte er im ARD-“Morgenmagazin“ aber ein.

KBV: Prämienzahlungen „nicht in Ordnung“

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisierte Prämienzahlungen. “Das ist nicht in Ordnung“, sagte Sprecher Roland Stahl der dpa. Zugleich betonte Stahl: “Es ist nicht immer verboten, wenn ein Arzt von einer Klinik Geld bekommt.“ So gebe es in der Betreuung nach einer Operation Fälle, bei denen privatärztliche Behandlungen zurecht abgerechnet würden. In einem gemeinsamen Schreiben mit den Kliniken wolle die KBV Klarheit schaffen.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ( SPD ) hatte ein Ende von Prämienzahlungen von Kliniken an Ärzte für die Einweisung ihrer Patienten gefordert. Derartige Praktiken sollten durch die Kammern, die Kassenärztliche Vereinigungen und die Berufsverbände so schnell wie möglich abgestellt werden.

dpa

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