"Aber Hallo" - Gruß-Initiative schlägt hohe Wellen

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Bürgermeister Jörg Pötke hält am Donnerstag  in Taufkirchen Anstecker mit der Aufschrift "Hallo" in die Kamera.

Taufkirchen - Mit einer Gruß-Initaive will der Bürgermeister der bayerischen Gemeinde Taufkirchen die Menschen eigentlich näher zusammenbringen. Doch die Aktion sorgt eher für Zwietracht in der kleinen Gemeinde.

Ruhig liegt sie da, die 19 000 Einwohner zählende Gemeinde Taufkirchen bei München. Doch der Eindruck täuscht. Seit Bürgermeister Jörg Pötke mit seiner “Hallo“-Aktion die Bürger zum freundlichen Gruß ermuntern wollte, herrscht Zank im Gemeinderat, das Telefon im Rathaus steht nicht mehr still und die Bürger sind gespalten.

Nur vereinzelt sieht man an dem regnerischen Donnerstag Menschen auf den Straßen der Gemeinde Taufkirchen, wo sich ein prächtiges Haus neben das andere reiht und ein gepflegter Vorgarten an den nächsten grenzt. Die Buslinie, die alle zwanzig Minuten zwischen dem S-Bahnhof und dem Rathaus verkehrt, ist gerade einmal mit einer Handvoll Senioren besetzt. Darunter der 70-jährige Dieter Kunzmann: “Aber Hallo!“, antwortet er keck auf die Frage, ob er schon von der Gruß-Aktion des Bürgermeisters gehört hat.

Die Senioren im Bus oder die Schüler nach der Abschlussprüfung - die meisten von ihnen kennen das Transparent und die knallorangen Buttons mit der “Hallo“-Aufschrift. Doch an den durchschlagenden Erfolg glauben die wenigsten: “Man grüßt halt die Bekannten“, meint Kunzmann. Kontakte werden ihm zufolge sowieso eher über die Vereinsschiene geknüpft. “Ich denke, das Ganze verflacht bald wieder“, sagt er und verschwindet durch die Bustür im Nieselregen. Auch ein 54-jähriger Restaurantbetreiber, der seinen Namen nicht nennen will, bleibt skeptisch. Die Idee sei gut, doch: “Hier gibt es viele alteingesessene Taufkirchner und viel Multi-Kulti. Was würde so ein schwarz Vermummter zu meinem “Grüß Gott!“ überhaupt sagen?“

Tatsächlich trägt kaum ein Taufkirchner den orange-farbenen Button, der zum Grüßen animieren soll. Die 63-jährige Marianne Türcke findet das schade. Sie glaubt an das positive Signal der Aktion: “So etwas fördert den Zusammenhalt. Und vielleicht hilft es auch, wenn Leute morgens schon so böse schauen.“ Den kommunalpolitischen Zank um die Aktion findet Türcke lächerlich. Sie sei zufrieden mit dem Bürgermeister, denn er bewege etwas.

So positiv sieht das der politische Gegner nicht. Vor der Verteilaktion der Anstecker am Mittwoch warfen die Grünen und die CSU dem Bürgermeister eine verdeckte Werbung für dessen eigene Partei vor. Das knallige Orange, mit dem der “Hallo“-Schriftzug ähnele zu sehr der Farbe der Partei des Bürgermeisters. Der CSU-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat, Paul Haberl, sprach sogar von “Propaganda“.

Derweil sitzt Bürgermeister Pötke in seinem Büro im ersten Stock des Rathauses und freut sich. Seit die Aktion in seiner Gemeinde bekannt wurde, steht das Telefon nicht mehr still. Medien bitten dauernd um Interviews. “Es ist erstaunlich, wie viele Treffer man erhält, wenn man Taufkirchen im Internet sucht“, sagt er. Die Farbdiskussion fördere diesen Trend - und in diesem Punkt gibt er seinen Gegnern recht: “Eine bessere Werbung kann man für mich und meine Partei gar nicht machen.“

dpa

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