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BQ.1.1 und BA.2.75.2: Neue Corona-Varianten weisen Immunflucht auf

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Von: Jennifer Köllen, Mark Stoffers

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Trotz Corona sind viele Menschen sind beim Shopping oder Spazieren in der Fußgängerzone in München unterwegs
Lauterbach bestätigt: Die neue Corona-Welle für den Herbst 2022 ist bereits da. © Alexander Pohl/Imago

Lauterbach bestätigt: Die Corona-Herbstwelle ist da. Neue Omikron-Subvarianten könnten dazu die Immunantwort umgehen. Hilft die Impfung noch? Was jetzt?

Berlin – Könnten uns neue Corona-Varianten den Herbst und Winter verhageln? Leider ja. Denn derzeit ist der Nachfolger von Omikron BA.5, nämlich BQ.1.1, in Großbritannien auf dem Vormarsch. Auch die letzten vorherrschenden Varianten wurden zunächst in UK nachgewiesen. Es könnte also sein, dass BQ1.1 irgendwann Omikron BA.5 als dominierende Variante in Europa und der Welt ablösen wird.

BQ.1.1 und BA.2.75.2: Neue Corona-Varianten von BA.5 und BA.2 weisen Immunflucht auf

Dafür spricht vor allem folgender Grund: Wie auch die anderen Subvarianten BA.2.75.2 (in Indien aktiv) und BJ.1 (in Österreich), beides neue Abkömmlinge von Omikron BA.2., hat auch BQ1.1 viele Mutationen im Spike-Protein. Dadurch kann es sein, dass die Subvarianten dem Immunsystem besser ausweichen – und sich besser ausbreiten können.

Studien konnten laut Deutschlandfunk belegen, dass deswegen Impfungen bei BA.2.75.2 und BQ1.1 weniger gut vor einer Infektion schützen. Dies bestätigte jetzt auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Was weiß man alles über die Subvarianten? Wie gefährlich können diese werden? Und was kommt im Herbst und Winter auf uns zu?

Neue Corona-Varianten BQ.1.1 und BA.2.75.2: Kombinieren keine Sterblichkeit von Delta und Immunflucht von Omikron BA.5

In Indien kommt es wegen der neuen Corona-Variante BA.2.75.2 derzeit nicht zu einem Anstieg der Krankenhauseinweisungen, Betroffene berichten über leichte Verläufe. Dabei ist die Subvariante von Omikron BA.2 dort schon für ein Drittel der Corona-Fälle verantwortlich.

„Die gute Nachricht ist“, erklärte Gesundheitsminister Karl Lauterbach in der Bundespressekonferenz zur Corona-Lage in Deutschland am Freitag, 30. September 2022, „dass wir bisher keine Varianten sehen, also beispielsweise in UK, aber auch in anderen Ländern, die die Sterblichkeit oder die schweren Verläufe der Delta-Variante kombinieren würden mit der Immunflucht von Omikron BA.5 oder anderen Varianten.“

Es gibt allerdings auch weniger gute Nachrichten.

Immunflucht von BQ.1.1 und BA.2.75.2: Verschärfen neuen Corona-Varianten die Corona-Herbstwelle in Deutschland?

So wies Lauterbach bei der Bundespressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage darauf hin, dass es neue Corona-Varianten gebe, die weiter beobachtet werden müssten. „Die nicht ganz so gute Nachricht ist,“ sagte Lauterbach weiter, „dass wir jetzt einige Varianten sehen, wie zum Beispiel BQ.1.1, aber auch andere, die eine sehr vollständige Immunflucht haben.“

Dies bedeute, erklärte Lauterbach weiter, dass wir dort mit Impfungen möglicherweise nicht so viel erreichen könnten wie beispielsweise bei BA.5. Für diesen Fall steht der Bundesgesundheitsminister bereits im Austausch mit jenen Unternehmen, die Impfstoffe produzieren, um bei einer sich verschärfenden Corona-Lage aufgrund der neuen Subvarianten wie BQ1.1. auch hier Impfstoff-Anpassungen vornehmen zu können.

Neue Omikron-Varianten BQ.1.1 und BA.2.75.2: Mutationen im Spike-Protein begünstigen Immunflucht von BA.5

Auch in einem Interview mit der FAZ sagte Lauterbach nochmals in Bezug auf die neuen Corona-Varianten BQ.1.1 und BA2-75.2, was die Immunflucht der neuen Subvarianten von Omikron BA.5 und BA.2 in Deutschland auslösen könnte. „Wenn sich etwa die Variante BQ.1.1 durchsetzt, würden sich auch diejenigen, die sich im Sommer infiziert haben, wahrscheinlich wieder leicht infizieren können.“

Das bestätigt auch Professor Tom Wenseleers. Der Biologe an der Katholischen Universität Leuven in Belgien erklärt im Guardian, dass BA.2.75.2 und BQ1.1 durch ihre Mutationen im Spike-Protein die Immunität umgehen könnten, die viele Menschen durch ihre Infektion im Sommer mit Omikron BA.5 aufgebaut haben.

BQ.1.1: Laut Lauterbach sei man „vorbereitet“ auf eine Veränderung des Infektionsgeschehens durch eine neue Corona-Variante

Lauterbach verdeutlichte, dass man die Entwicklung im Auge behalte. „Auch dann wären wir nicht hilflos“, sagt er auf der Pressekonferenz in Bezug auf BQ.1.1 und mögliche andere Corona-Varianten, die sich in Deutschland ausbreiten könnten. „Auch darauf sind wir vorbereitet und werden das am Ende in den Griff bekommen.“

Dennoch genießt BQ.1.1. ebenso wie BA.2.75.2, die in Indien zunehmend bei den Corona-Fällen nachgewiesen wird, und BJ.1, die bereits in Österreich registriert wurde, einen besonderen Status bei der Weltgesundheitsorganisation. Die WHO beobachtet derzeit über 230 Abkömmlinge von Omikron.

Löst BQ.1.1 Omikron BA.5 als dominierende Variante ab?

Ob sich eine der Subvarianten BQ.1.1. oder BA.2.75.2 global durchsetzen wird, sei „völlig offen“, sagt der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth im Deutschlandfunk.

Dr. Thomas Peacock vom Imperial College London konstatiert, dass aktuelle Daten zwar bisher nur 0,5 Prozent der Ansteckungen auf BQ.1.1 und BA.2.75.2 zurückzuführen seien, die Corona-Fälle der Omikron-Subvarianten sich jedoch schnell ausbreiten könnten. „Deshalb kann es sehr gut sein, dass eine Herbst- und Winterwelle sich durch einen Mix aus den beiden Varianten verschärfen könnte“, sagt Peacock im Guardian.

Falls es dazu kommt, würde Omikron BA.5 im Winter als dominierende Variante abgelöst werden. Derzeit dominiert weiterhin BA.5 in Europa. Weltweit geht sogar jede dritte von vier Infektionen auf diese Corona-Variante zurück.

BQ.1.1: Corona-Zahlen in Deutschland steigen – Lauterbach ruft Welle aus

Die Zahlen in der Corona-Inzidenz in Deutschland sind in den vergangenen Tagen wieder sprunghaft in die Höhe geschossen. Das Robert Koch-Institut meldet am Samstag, 1. Oktober, 909.000 aktive Fälle. Die Dunkelziffer der derzeit an Corona-Erkrankten ist aber deutlich höher, da viele Menschen gar keinen offiziellen PCR-Test mehr machen. Die Dunkelziffer der Infektionen schätzt Lauterbach auf das Dreifache der offiziellen Fallzahlen. 

Die Entwicklung der immer weiter wachsenden Corona-Zahlen brachte Gesundheitsminister Karl Lauterbach bei der Bundespressekonferenz dazu, den Anfang der Corona-Herbstwelle in Deutschland auszurufen. „Wir befinden uns ganz klar am Beginn einer Herbst- und Winterwelle“, sagte der Minister – und betonte: „Wir sind aber gut vorbereitet.“

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