“Weiße Rosen für Marwa“ - Ermittlungen gegen ausländerfeindlichen Täter dauern an

1.500 Menschen gedenken ermordeter Ägypterin

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Vor dem Dresdner Rathaus treffen sich am Samstag etwa 1.500 Trauernde, um der am 1. Juli im Dresdner Landgericht erstochenen Ägypterin Marwa zu gedenken.

Dresden - Anderthalb Wochen nach der ausländerfeindlichen Messerattacke von Dresden haben rund 1.500 Menschen in der sächsischen Hauptstadt der getöteten Ägypterin Marwa E. gedacht.

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Bluttat im Gericht

Unter dem Motto “Weiße Rosen für Marwa“ erinnerten am Samstag auch Politiker sowie der ägyptische Botschafter an die 31-jährige Apothekerin, die am 1. Juli in einem Gerichtssaal in Dresden vor den Augen ihres dreijährigen Kindes von einem Russland-Deutschen erstochen worden war. An der Veranstaltung am Dresdner Rathaus nahmen unter anderen der SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering, die sächsischen Minister Eva Maria Stange (Wissenschaft) und Geert Mackenroth (Justiz), der ägyptische Botschafter in Deutschland, Ramzy Ezzeldin Ramzy, sowie der Vorstandsvorsitzende des Zentralrats der Muslime, Ayyub Axel Köhler, teil.

Mehrerer arabische TV-Sender, darunter Al Dschasira, berichteten von der Veranstaltung. Der ägyptische Botschafter Ramzy erklärte, sein Land erwarte eine schnelle Verurteilung des Täters und dass die Familie ihr Recht bekomme. Er sei überzeugt, dass in “dieser verbrecherischen Einzeltat“ nicht die Wahrheit über die deutsche Gesellschaft zum Ausdruck komme.

Kritik am Verhalten von Politik und Medien nach der Tat äußerte Nabil Yacoub vom Ausländerrat der Landeshauptstadt. “Eine schnelle Verurteilung des Mordes wäre notwendig gewesen und hätte allen gedient“, sagte er. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatten sich erst gut eine Woche nach der Bluttat geäußert.

Viele der nach Polizeiangaben rund 1.500 Teilnehmer hatten weiße Rosen mitgebracht, die sie zum Abschluss der Trauerfeier unter Bildern der Ermordeten ablegten. Der Russland-Deutsche Walerius Steinhauer erklärte, seine Landsleute verstünden den Täter nicht. Sie alle beschäftige die Frage, wie ein Russland-Deutscher zum Rechtsextremisten habe werden können.

Oberstaatsanwalt kritisiert Presseberichte

Die Ermittlungen gegen den 28-jährigen Täter laufen derweil auf Hochtouren weiter, wie Oberstaatsanwalt Christian Avenerius der AP sagte. Zu Details der Tat wollte er nicht Stellung nehmen und verwies auf die noch ausstehende Anklageerhebung. Bereits unmittelbar nach dem Verbrechen hatte er Ausländerhass als Motiv genannt. “Das war eindeutig eine ausländerfeindliche Tat eines fanatischen Einzeltäters“, hatte er erklärt. Gegen den 28-jährigen Deutschrussen wird wegen Mordes ermittelt. Ein Gerichtsverfahren wird frühestens Ende des Jahres erwartet.

Presseberichte zu angeblichen ausländerfeindlichen Äußerungen des Täters kritisierte der Oberstaatsanwalt scharf. “Über die strafprozessuale Situation hinaus halte ich es für verantwortungslos, mit angeblichen Details an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagte er mit Blick auf die Reaktion auf das Verbrechen im Ausland.

In Ägypten gibt es seit Tagen heftige Proteste, weil die getötete Frau als Opfer angeblicher deutscher Islamfeindlichkeit angesehen wird. Der “Focus“ berichtete von angeblichen rassistischen Äußerungen des Täters noch im Gerichtssaal. Außerdem habe er die Tat geplant. Die Frau war von dem Beschuldigten bereits Mitte 2008 auf einem Spielplatz als “Islamistin“, “Terroristin“ und “Schlampe“ beleidigt worden. Die Muslimin hatte deswegen Anzeige gegen ihn erstattet und war von der Staatsanwaltschaft als Zeugin geladen. Ihr 32-jähriger Ehemann war von dem Täter im Gerichtssaal schwer verletzt worden.

AP

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