Jubiläums-Show

"Victoria's Secret"-Engel im heißen Endspurt

New York - Seit 20 Jahren paradieren die gefragtesten Models der Welt für Victoria's Secret über den Laufsteg. Wer hätte es gedacht: Engel zu sein ist harte Arbeit. Die Mädels müssen hart trainieren.

Es ist so etwas wie die Weltmeisterschaft der Supermodels. Etwa zwei Dutzend junge Frauen - alle möglichst unter 30 Jahren und definitiv unter 60 Kilo - laufen ein paar Meter, und die ganze Welt schaut zu. Einmal im Jahr schickt Victoria's Secret seine „Engel“ kurz vor Weihnachten ins Licht der Scheinwerfer und einmal im Jahr steht die Branche Kopf wegen der Frauen, der Unterwäsche oder einfach der Show mit viel Glitzer und noch mehr Prominenz. In diesem Jahr wird die „Victoria's Secret Fashion Show“ 20 Jahre alt.

Im Grunde ist es einfach nur ein Einzelhändler, der seine Produkte zeigt. Doch ähnlich wie Apple hat es Victoria's Secret geschafft, aus der jährlichen Präsentation ein Weltereignis zu machen - und Prominente, Medien und nicht zuletzt Zuschauer und Kunden machen gern mit. Selbst wenn es Vorwürfe über angebliche Kinderarbeit bei Zulieferern oder Schadstoffe in den Textilien gibt (vor Gericht abgewiesen), selbst wenn es Klagen über mangelnde Qualität oder wie jüngst schlecht manipulierte Werbefotos gibt, auf denen eine Frau nur eine Pobacke hatte (im Internet nachgewiesen) - „VS“ ist Kult und nichts besseres kann einer Marke passieren.

Das Paradoxe ist, dass die gleichen Kreise, die die Modenschauen als Hochämter zelebrieren, auch die sind, die sich über ein angeblich unrealistisches Frauenbild in den Modenschauen erregen. Tatsächlich hat die Universität von Kalifornien herausgefunden, dass die Models in der Regel satte 13 Zentimeter größer (1,78 Meter) und trotzdem ebenso satte 13 Kilo leichter (53,5 Kilo) sind als die Durchschnittsamerikanerin.

Aber überrascht es wirklich jemanden, dass man zur Präsentation seiner Waren, zumal Unterwäsche, die Schönsten nimmt? Freunde von Victoria's Secret, ebenso wie die von Barbie und Miss-Wettbewerben, erinnern zudem daran, dass Fehlernährung zwar Dutzende Millionen Menschen betrifft - aber nur ein verschwindender Bruchteil von ihnen isst zu wenig, jedoch mehr als jeder dritte Amerikaner viel zu viel.

So werden auf Twitter wieder die kritischen Hashtags glühen, aber mehr noch die positiven, wenn die „Engel“ mit nichts als Unterwäsche und großen Flügeln in New York über den Laufsteg gleiten. Adriana Lima, Alessandra Ambrosio, Candice Swanepoel und Elsa Hosk heißen sie, der Star aber ist Lily Aldridge.

Sie darf den "Fantasy Bra" tragen

Engel Lily Aldridge.

Denn das Supermodel aus Kalifornien (in wenigen Tagen 30 Jahre, 1,75 Meter groß, 53 Kilo schwer) darf den „Fantasy Bra“ tragen. Jedes Jahr wird ein Büstenhalter aus Diamanten kreiert, der immer mindestens eine, manchmal sogar 15 Millionen Dollar (der 2000 von Gisele Bündchen gezeigte „Red Hot Fantasy Bra“) kostet. Schönheitsfehler: Verkauft wurden von den Dingern bislang angeblich ganze zwei, die anderen wurden später wieder auseinandergenommen.

dpa

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