Günther Kaufmanns Sohn

"Mein Vater war Engel und Wildsau zugleich"

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ARCHIV - Günther Kaufmann (r) und sein Sohn Dave bei der Fotoausstellung «The Good, The Bad and The Beauty» am 09.02.2011 in Berlin.

Berlin - Fünf Wochen nach dem Tod von Schauspieler Günther Kaufmann ist sein Sohn Dave noch immer "in ohnmächtiger Trauer".

Der "Bild am Sonntag" sagte der 41-Jährige: "Ich will nicht glauben, dass auf meinem Handy nie wieder 'Pop' aufleuchten wird. Diese drei Buchstaben, die mich stets in Euphorie versetzten, sind einfach ausgelöscht, ohne Vorwarnung, ohne Verabschiedung. Das ist nicht okay". Der Schauspieler, der am 10. Mai im Alter von 64 Jahren in seinem letzten Wohnort Berlin einem Herzinfarkt erlegen war, sei "Engel und Wildsau zugleich" gewesen. "Ich habe das lange nicht verstanden, aber ich find's toll und bin froh, dass ein Teil davon auch in mir steckt."

Trauer um TV-Star Günther Kaufmann - Porträt in Bildern

Trauer um TV-Star Günther Kaufmann - Porträt in Bildern

Günther Kaufmann war ein gefeierter Schauspieler, sein Name wird aber immer verbunden bleiben mit einem realen Krimi: Drei Jahre lang saß er unschuldig im Gefängnis. Kurz bevor aus dieser Geschichte ein Kinofilm werden sollte, ist Kaufmann nun überraschend gestorben. © dpa
Er lebte ein Leben wie in einem Film - doch früh läuft jetzt der Abspann: Schauspieler Günther Kaufmann ist völlig überraschend im Alter von 64 Jahren gestorben. Auf einer Straße in Berlin brach er am Donnerstag zusammen. Dabei hatte er noch bei seinen öffentlichen Auftritten in der jüngsten Vergangenheit vor Kraft nur so gestrotzt. © dpa
Seine donnernde Stimme und sein lautes Lachen konnten Räume füllen. Es ist noch gar nicht lange her, dass er “Dschungel“-Sternchen Micaela auf dem roten Teppich gut gelaunt an die Wäsche ging, dass er den “Schrecklichen Sven“ in den Wickie-Filmen spielte, dass er selbst im RTL-Dschungelcamp in der Hängematte lag oder seinem Sohn Dave beim “Supertalent“ zujubelte. © dpa
Auftritte wie diese haben ein bisschen in Vergessenheit geraten lassen, welche Karriere und welch ein bewegtes und dramatisches Leben Kaufmann hinter sich hatte: Aus Liebe zu seiner krebskranken Frau ließ sich er sich 2002 zu 15 Jahren Haft verurteilen, fast drei Jahre saß er ab - und er hätte bis zuletzt hinter Gittern gesessen, wären nicht überraschend die wahren Täter gefasst worden. © dpa
Er habe seiner Frau Alexandra die harten Vernehmungen ersparen wollen, begründete Kaufmann. “Alexandra hätte nicht einmal eine Stunde Vernehmung überstanden - ich wollte ihr das ersparen, weil sie todkrank war“, sagte er einmal. Später stellte sich heraus, dass einer der Täter ihr Geliebter war. © dapd
Das Opfer war der Steuerberater von Kaufmann und seiner Frau. 2001 wurde er erstickt in seiner Villa gefunden. Alexandra hatte ihn um mehr als 500 000 Euro betrogen. Auch als sie noch sechs Wochen vor Prozessbeginn starb, blieb Kaufmann bei seinem falschen Geständnis. Er habe keine Chance gesehen, seine Unschuld zu beweisen, sagte er. © dpa
Erst als die Frau von einem der wahren Täter zur Polizei ging, klärte sich der Fall auf. Weil er im Laufe der Ermittlungen zwei unschuldige Freunde der Mittäterschaft bezichtigt hatte, bekam er allerdings eine Bewährungs- und Geldstrafe. © dpa
Bevor er mit diesem realen Krimi für Schlagzeilen sorgte, war der in München geborene Kaufmann als Krimi-Darsteller in Serien wie “Derrick“ und “Der Alte“ bekannt und als Fassbinder-Schauspieler berühmt. In den 70er und 80er Jahren spielte er in mehr als einem Dutzend Filme von Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) mit, darunter “Berlin Alexanderplatz“ und “Die Ehe der Maria Braun“. © dpa
Seinen “bayerischen Neger“ soll der Filmemacher ihn genannt haben, schreibt Autor Jürgen Trimborn in seiner neuen Fassbinder-Biografie. “Der weiße Neger vom Hasenbergl“ - so nannte der Sohn eines US-Soldaten und einer Deutschen sich selbst und seine Autobiografie. Zuletzt war Kaufmann erst in diesem Jahr in einer Nebenrolle in dem Kinofilm “Türkisch für Anfänger“ zu sehen. Außerdem trat er in verschiedenen Musicals auf. © dapd
Sein Schicksal bietet wahrhaftig genug Stoff für einen dramatischen Film - und dazu sollte es auch werden. Kaufmann plante die Verfilmung seines Lebens. Der geplante Titel lautete “Die zweite Garnitur Gottes“, wie Kaufmann der Nachrichtenagentur dpa im vergangenen Jahr sagte. © dapd
“Es gibt eine erste Garnitur Gottes - das sind Menschen, mit denen Gott es besonders gut gemeint hat. Ich halte mich für die zweite Garnitur.“ Kaufmann selbst wollte die Hauptrolle spielen. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. © dpad

Günther Kaufmann wird der Zeitung zufolge in dieser Woche im Familiengrab am Münchner Nordfriedhof beerdigt. "Im kleinen Kreis von 15 Freunden und Angehörigen", sagte sein Sohn. Der Anwalt des Schauspielers hatte nach seinem Tod auf dapd-Anfrage gesagt, die Beisetzung werde im engsten Familienkreis stattfinden.

dapd

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