Angeschlagene Kernmarke

VW baut weltweit 30.000 Stellen ab - Das sagt der Autobauer

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Muss sparen: Die gewinnschwache Volkswagen-Kernmarke.

Wolfsburg - Volkswagen hat sich mit dem Betriebsrat auf den Abbau von weltweit bis zu 30.000 Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren geeinigt, um die angeschlagene Kernmarke VW wieder flott zu machen.

Rund 20 000 Stellen sollen demnach alleine in Deutschland wegfallen, es sollen aber alle Standorte erhalten bleiben, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus informierten Kreisen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben, der Abbau soll etwa mit Hilfe von Altersteilzeit geregelt werden. Zuerst hatte das "Handelsblatt" über die Ergebnisse des sogenannten Zukunftspakts berichtet. Der gesamte Volkswagen-Konzern beschäftigt weltweit mehr als 624.000 Menschen, 282.000 davon in Deutschland.

Das hat offenbar keine Auswirkungen auf das Werk Kassel in Baunatal, wie die Hessische Niedersächsische Allgemeine weiß.

Größte Modernisierung in Geschichte der Kernmarke

Der Zukunftspakt bei Volkswagen macht Europas größten Autobauer nach Ansicht von Konzernbetriebratschef Bernd Osterloh zukunftssicher. „Mit dem Zukunftspakt schaffen wir den Einstieg in eine neue Ära“, sagte er. „Er stellt nach langem Ringen einen tragbaren Kompromiss dar.“ Zudem habe der Gesamtbetriebsrat bis Ende 2015 Beschäftigungsgarantien durchgesetzt. Der Pakt sei in Summe ein Schritt der Vernunft.

VW-Chef Matthias Müller betonte: „Der Zukunftspakt ist das größte Modernisierungsprogramm in der Geschichte unserer Kernmarke.“ Er ermögliche vor allem einen Transformationsprozess mit Blick auf die Zukunftsthemen Elektromobilität und Digitalisierung. „Uns allen ist bewusst: die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt“, sagte er.

Mit Maßnahmen bis zu 3,7 Milliarden Euro sparen

Volkswagen hat an vielen Stellen zu kämpfen. Der Abgas-Skandal zwingt den Autobauer zum Sparen, zugleich muss der Konzern viel Geld in zentrale neue Trends der Branche stecken: Digitalisierung und Vernetzung sowie alternative Antriebe. Dazu hat die Pkw-Kernmarke seit langem ein Rendite-Problem. Der Hausmarke um Golf und Passat blieben zuletzt von 100 umgesetzten Euro nur rund 1,60 Euro als Gewinn, wovon dann noch Zinsen und Steuern abgingen.

VW will mit den Maßnahmen die Kosten bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro pro Jahr drücken. Das Unternehmen wollte sich am Morgen nicht zu den Inhalten äußern und verwies auf die Pressekonferenz in Wolfsburg (9.30 Uhr), bei der die Ergebnisse der zähen Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Unternehmen vorgestellt werden sollten. VW und die Arbeitnehmervertreter standen bei den Verhandlungen unter Druck, der Abschluss des Zukunftspakts war die Voraussetzung für den Investitionsplan des Autobauers bis 2021, über den der Aufsichtsrat am Freitag in Wolfsburg beraten und vor allem beschließen sollte. Dabei geht es um die Verwendung von rund 100 Milliarden Euro.

Verhandlungen liefen seit Monaten

Die Einigung auf den Pakt wollten am Vormittag in Wolfsburg VW-Konzernchef Matthias Müller, Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erläutern. Betriebsbedingte Kündigungen hatte der mächtige VW-Betriebsrat schon vor den Verhandlungen ausgeschlossen. Zudem durfte aus Sicht der Arbeitnehmervertreter nicht an bestehenden Verträgen wie dem VW-Haustarif - mit Regeln etwa für Einkommen und Arbeitszeit - gerüttelt werden. Eine Forderung, mit der sich Betriebsratschef Osterloh wohl durchsetzen konnte.

Mit dem Zukunftspakt wollen Betriebsrat und Unternehmen die aus Sicht aller Beteiligten nötigen Reformen bei der gewinnschwachen Kernmarke VW-Pkw mit Absicherungen für die Belegschaft vereinen. Der Pakt ist vorrangig eine Regelung für die sechs westdeutschen VW-Werke (Emden, Wolfsburg, Hannover, Salzgitter, Braunschweig, Kassel) sowie VW-Sachsen. Dabei geht es um Aufgaben der Werke, etwa im Motorenwerk Salzgitter, das mit der Elektromobilität Arbeit verlieren könnte. Die Verhandlungen dazu liefen seit Monaten. Seit September ist klar, dass der Pakt eine Rechtssicherheit nach tarifvertraglichem Status haben soll. Einen VW-Sanierungstarifvertrag gab es zuletzt 2006.

dpa

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