Konzern steht Aktionären Rede und Antwort 

Bei Volkswagen heute die große Abreibung zur Abgas-Affäre?

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Neun Monate nach dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre treffen sich die Aktionäre zur Hauptversammlung.

Hannover/Wolfsburg - Der skandalgeschüttelte VW-Konzern hofft bei der heutigen Hauptversammlung eigentlich auf neues Vertrauen der Aktionäre. Spannend wird aber, welche Kritik nach der Abgas-Affäre laut wird.

Die VW-Hauptversammlung dürfte turbulent werden. Erstmals seit dem Bekanntwerden der Manipulationen an Millionen Dieselwagen im September 2015 treffen in Hannover Anteilseigner, Vorstände und Aufsichtsräte aufeinander. Dabei dürfte es viele kritische Fragen zur weiteren Aufarbeitung der schwersten Krise in der Volkswagen-Geschichte geben.

Vorstandschef Matthias Müller will mit seiner in der vorigen Woche vorgestellten "Strategie 2025" den Blick nach vorn richten. Ein massiver Ausbau der Elektromobilität, eine insgesamt schlankere Modellpalette und Konzernstruktur sowie neue Angebote beim autonomen Fahren und bei Mobilitätsdiensten sollen Europas größten Autobauer voranbringen. Doch die finanziellen und juristischen Folgen des Diesel-Debakels wiegen schwer und dürften heftig diskutiert werden. Auch die Reizthemen Vorstandsboni und Sparkurs gelten bei der Aussprache als gesetzt, es könnte zahlreiche Gegenanträge geben.

Staatsanwalt ermittelt gegen Ex-Konzernchef Winterkorn

Kurz vor dem Treffen der Anteilseigner sorgten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn für zusätzlichen Druck. Ihm wird Marktmanipulation vorgeworfen. Der einstige "Mr. Volkswagen" war im Strudel der Affäre um weltweit elf Millionen manipulierte Dieselfahrzeuge im Herbst zurückgetreten.

Am Dienstag bestätigte Volkswagen zudem, dass auch der neue Chef der Kernmarke VW-Pkw, Herbert Diess, ins Visier der Ermittler geraten ist. Neben den strafrechtlichen Untersuchungen hat das Unternehmen mit drohenden Milliardenkosten durch Zivilklagen von enttäuschten Kunden und Investoren zu kämpfen. Parallel dazu durchleuchtet die US-Kanzlei Jones Day den Konzern, um Verantwortlichkeiten zu klären.

Potenzielle Sprengkraft enthält besonders der Vorwurf, das Management habe im Septeber 2015 die Finanzwelt womöglich gezielt zu spät über die absehbaren Folgen der Diesel-Affäre ins Bild gesetzt. Hier könnten am Ende milliardenschwere Schadenersatz-Klagen stehen.

Aktionäre wollen VW zu Sonderprüfung zwingen  

Aktionäre wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wollen VW zu einer unabhängigen Sonderprüfung zwingen. Außerdem schmeckt es vielen Investoren gar nicht, Vorstand und Aufsichtsrat zu entlasten - so wie es die Tagesordnung vorsieht. Sie fordern das Gegenteil angesichts der Krise und des bisherigen Umgangs mit ihr.

Es ist aber höchst unwahrscheinlich, dass einer Sonderprüfung zugestimmt oder dem Vorstand die Entlastung verweigert wird - denn die Mehrheitsverhältnisse bei VW sind eindeutig. Mehr als die Hälfte der Aktien werden von der Großfamilie Porsche/Piëch kontrolliert.

"Wir brauchen auch Demut", räumte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch vor der Hauptversammlung ein. "Wir haben uns selbst in diese Lage gebracht. Nun müssen wir alles dafür tun, um sie so gut wie möglich zu bewältigen." Doch viele Antworten dazu fehlen VW noch.

Auch mit Blick auf die bislang wichtige Diesel-Technologie ergeben sich mehrere offene Punkte. Müller zog in einem Interview des "Handelsblatts" die Zukunft des Antriebs teilweise in Zweifel, wenn zugleich Emissionsgrenzen immer schärfer würden und die E-Mobilität ausgebaut werde. "Vor diesem Hintergrund wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen", sagte er.

dpa

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